• Nach der Pleite der Silicon Valley Bank hat die US-Notenbank Fed Untersuchungen angekündigt.
  • Derweil hat US-Präsident Joe Biden die amerikanischen Anleger beruhigt und ein schärferes Bankengesetz angekündigt.
  • Dies könnte aber an der Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus scheitern.

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Die Silicon Valley Bank (SVB) ist pleite. Die "Hausbank der Tech-Industrie" hatte jüngst 1,8 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Am vergangenen Freitag übernahm die US-Einlagensicherung FDIC die Kontrolle und schloss das Geldinstitut. Die Angst vor einer Bankenkrise wie 2008 machte die Runde. Jetzt schreitet sogar die US-Notenbank Federal Reserve (kurz Fed) ein.

Die Fed hat nach zunehmender Kritik im Zuge des SVB-Kollapses eine interne Überprüfung angekündigt. "Die Ereignisse rund um die Silicon Valley Bank verlangen nach einer gründlichen, transparenten und zügigen Untersuchung", erklärte Fed-Chef Jerome Powell am Montag nach US-Börsenschluss.

Die Notenbank müsse sorgsam überprüfen, wie das auf die Finanzierung von Start-ups der Tech-Branche spezialisierte Geldhaus beaufsichtigt und reguliert worden sei, ergänzte der mit der Leitung der Untersuchung beauftragte Fed-Vize Michael Barr. Die Fed müsse "Demut" zeigen und herausfinden, "was wir aus dieser Erfahrung lernen können". Am 1. Mai solle ein Bericht dazu veröffentlicht werden.

Vor allem die regionale Fed-Filiale in San Francisco bringt der im Zuge immenser Mittelabzüge aufgrund von Liquiditätssorgen erfolgte Zusammenbruch der im kalifornischen Santa Clara ansässigen Silicon Valley Bank unter Druck. Auch die Finanzaufsichtsbehörden des Bundesstaats müssen sich kritische Fragen gefallen lassen, nachdem das Geldhaus vergangene Woche binnen weniger Tage kollabiert war.

Nach SVB-Kollaps: Biden beruhigt Anlegen in den USA

An der Börse blieb die Lage zum Wochenbeginn angespannt. Die Aktien mehrerer US-Regionalbanken brachen ein, obwohl die Biden-Regierung die Sicherheit der Einlagen betonte. Der Kurs der First Republic Bank fiel am Montag um 62 Prozent. Auch andere kleine und mittelgroße Geldhäuser mussten heftige Verluste hinnehmen. Große Institute gerieten ebenfalls ins Minus, wenn auch weniger dramatisch. Insgesamt stabilisierte sich die Wall Street etwas.

Die Kurseinbrüche im Bankensektor kamen, obwohl die Regierung von Präsident Joe Biden wiederholt versuchte, die Bankkunden zu beruhigen und mögliche Panikreaktionen abzuwenden. "Die Amerikaner können beruhigt sein, das Bankensystem ist sicher. Ihre Einlagen sind sicher", sagte Biden am Montag. Die Kunden hätten jederzeit Zugriff auf ihre Ersparnisse, versicherte der Präsident.

Allerdings sollen – anders als bei der Finanz- und Bankenkrise 2008 – diesmal nicht die Steuerzahler für die Einlagensicherung aufkommen müssen, erklärte Biden. Das übernehme ein Fonds, in den alle Banken einzahlten. Das Weiße Haus betonte wiederholt, es gebe keine Parallelen mit der Finanz- und Bankenkrise von 2008, als große Geldhäuser mit Steuergeldern gerettet werden mussten.

Derweil ist die Diskussion, wie es nach 2008 überhaupt wieder zu einem Bankenkollaps kommen konnte, in vollem Gange. Biden schob die Schuld seinem Amtsvorgänger Donald Trump zu. Unter Präsident Barack Obama, dessen Vize Biden war, seien scharfe Auflagen erlassen worden, damit sich die Finanz- und Bankenkrise nicht wiederhole, sagte Biden. Unter Trump seien einige dieser Auflagen zurückgefahren worden.

2018 hatte der US-Kongress den Weg für eine Rücknahme wesentlicher Teile des sogenannten Dodd-Frank-Gesetzes freigemacht, das erneute Bankenpleiten zulasten der Steuerzahler verhindern sollte. Trump hatte der Finanzlobby versprochen, die 2010 verabschiedeten Regeln zurückzudrehen. Trump bezeichnete das Dodd-Frank-Gesetz als "Desaster", das er am liebsten ganz abschaffen würde.

Biden kündigte an, die Auflagen für Banken wieder verschärfen zu wollen und forderte den Kongress zum Handeln auf. Ob es strengere Gesetze geben wird, ist aber fraglich. Im Repräsentantenhaus haben die Republikaner seit Anfang des Jahres die Mehrheit. Die Mehrheit der Demokraten im Senat ist denkbar knapp. Ein mögliches neues Gesetz müsste aber von beiden Parlamentskammern verabschiedet werden.

Deutsche Start-up-Unternehmen nur bedingt von der SVB-Pleite betroffen

Der deutsche Start-up-Branche zeigt sich hingegen optimistisch. "Im Ursprung ist das keine Start-up-Krise. Es handelt sich um Refinanzierungsprobleme einer Bank", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Startups, Christian Miele, in Berlin. "Ich bin zuversichtlich, dass es in der Breite zu keiner größeren Zurückhaltung bei Wagniskapitalgebern kommt." Noch ließen sich die Folgen für deutsche Start-ups aber nicht abschließend beurteilen.

Die Niederlassung der Silicon Valley Bank in Deutschland, die am Montag von der Finanzaufsicht Bafin geschlossen wurde, hat kein Einlagengeschäft betrieben. Einige Start-ups hierzulande hätten aber die Angebote der britischen SVB-Tochter genutzt, so Miele. Mit der Übernahme durch die britische Großbank HSBC scheine sichergestellt, dass deutsche Start-ups, die dort Einlagen haben, wieder Zugriff auf ihr Geld haben.

"Das war ein wichtiger Schritt, um kurzfristige Liquiditätsengpässe bei betroffenen deutschen Start-ups zu vermeiden." Auch habe die Sicherung sämtlicher SVB-Einlagen durch US-Behörden die Situation in den USA entschärft, ordnete Miele ein.

Ein Vorteil für Deutschland: Die Finanzierungsform Venture Debt – Spezialkredite für schnell wachsende Unternehmen, auf die die SVB spezialisiert war – sei hier nicht sehr verbreitet, sagte Miele.

Der Kollaps der Bank kommt für die deutsche Gründerbranche zur Unzeit. Denn vor allem wegen der steigenden Zinsen hielten sich Geldgeber zuletzt ohnehin mit großen Kapitalspritzen zurück und scheuten riskante Geschäftsmodelle. Feierte die Start-up-Branche 2021 ein Rekordjahr, waren die Finanzierungen für deutsche Start-ups 2022 eingebrochen. In der Folge brachen die Bewertungen von Start-ups ein und Jobs wurden gestrichen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte sich am Montag nicht konkret geäußert, welche Auswirkungen der Kollaps der SVB für die deutsche Start-up-Branche haben könnte. Eine Sprecherin verwies aber darauf, dass es in Deutschland sehr viele Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups gebe. Sie seien nur zu einem Teil auf Banken gestützt, daneben gebe es staatliche Förderprogramme oder private Investoren. (dpa/the)

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