Der Prozess vor dem Gericht in München ist ein unerschöpflicher Quell für Diskussionen und Streitgespräche. Dass Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe eine Haftstrafe droht, weiß inzwischen wohl jeder. Aber mit den folgenden Fakten können sie sich als absoluter Experte profilieren.


Uli Hoeneß sitzt…

… während des Prozesses vor dem Landesgericht München II im Justizpalast nicht auf einer harten Anklagebank, sondern auf einem schlichten, schwarzgepolsterten Drehstuhl. Ob er dann später wegen Steuerhinterziehung tatsächlich im Gefängnis sitzen muss, wird sich voraussichtlich am vierten Prozesstag entscheiden.


Ein krankhafter Zocker…

… ist Hoeneß nicht – zumindest nicht nach eigener Einschätzung. An manchen Tagen hat er jedoch angeblich bis zu 100 Börsendeals in Auftrag gegeben. Der Pager mit den Börsenkursen war lange sein ständiger Begleiter. "Ein paar Jahre war ich wohl nahe dran", räumte Hoeneß in einem Interview in der "Zeit" im vergangenen Mai auf die Frage ein, ob er süchtig war. Sein Sohn Florian, der bei dem Interview dabei war, warf daraufhin ein: "Ich darf sagen, dass die Familie dies ein bisschen anders sieht."


27 Sekunden…

… dauerte es, bis alle 49 Medienplätze im Gerichtssaal vergeben waren. 454 Akkreditierungsgesuche gingen bei Gericht ein. Das riesige Medieninteresse zeigte sich auch bei einer Begehung des Gerichtssaals am Freitag vor Prozessbeginn. Etwa 100 Medienvertreter nahmen daran teil. 60 Medien-Arbeitsplätze wurden außerhalb des Gerichtssaals eingerichtet.


Gute Freunde…

… kann niemand trennen, hat Hoeneß-Freund Franz Beckenbauer bei einem Ausflug in die Schlagerbranche als junger Mann einmal gesungen. Tatsächlich verfügt Hoeneß über zahlreiche einflussreiche Kontakte weit über den Fußball hinaus. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber etwa sitzt im Aufsichtsrat des FC Bayern München, ebenso wie VW-Chef Martin Winterkorn. Politisch sympathisiert Hoeneß offen mit der CSU, was in Bayern sicher kein Nachteil ist. Ob ihm das alles vor einem unabhängigen Gericht hilft, ist jedoch fraglich


Feinde…

… hat sich Hoeneß in seiner langen Karriere viele gemacht. Trainer Christoph Daum und der frühere Manager von Werder Bremen, Willi Lemke, haben im Prozess aber ebenso wenig zu sagen, wie die große Fraktion der Bayern-Hasser und Neider. Daum erklärte sogar, er habe großes Mitgefühl mit Hoeneß, der im Jahr 2000 den Kokain-Skandal um ihn öffentlich gemacht hatte und ihn so um den Posten des Bundestrainers brachte. Doch inzwischen haben sich Menschen, die Hoeneß gegenüber früher wohlgesonnen waren, von ihm abgewandt. Kanzlerin Angela Merkel ließ öffentlich verlauten, dass sie von Hoeneß enttäuscht sei. Und auch dass "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort im Bayern-Aufsichtsrat sitzt, hielt das Magazin nicht davon ab, die Öffentlichkeit mit einem großen Bericht auf den Fall Hoeneß aufmerksam zu machen, nachdem seine Selbstanzeige zunächst nicht öffentlich registriert worden war.


Die Roten…

… sind schuld, dass Hoeneß vor Gericht steht - könnte man zumindest meinen. Wäre das Steuerabkommen zwischen der Bundesregierung und der Schweiz im Dezember 2012 zustande gekommen, hätten Steuersünder ihr Schwarzgeld anonym und pauschal nachversteuern können. Hoeneß hat offenbar darauf spekuliert. Doch das Abkommen scheiterte am Widerstand der SPD (der Roten) im Bundestag. Rot war übrigens auch der Wäschekorb, in dem eine Steuerbeamtin die Akten in den Gerichtssaal brachte, die für den Fall gesichtet wurden. Und natürlich ist Rot auch die Standard-Trikotfarbe des FC Bayern.


Millionen…

… sind die Maßeinheit, um die es in dem Prozess geht. Angefangen hat Hoeneß angeblich mit 20 Millionen Mark, die ihm der mittlerweile verstorbene Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus gegeben hatte und die Hoeneß nach eigener Aussage wieder zurückgezahlt hat. Über 155 Millionen Euro erzielte er mit seinen Spekulationen im Jahr 2005. Ob das der Kontohöchststand war, ist noch unklar, die Lage ist mehr als unübersichtlich. "Wir reden hier von 1,7 Millionen, von denen keiner weiß, wo sie stecken", stellte Richter Rupert Heindl zwischenzeitlich im Prozess fest. Insgesamt beläuft sich die Steuerschuld nach derzeitigem Stand auf 27,2 Millionen Euro. Die Grenze für eine Haftstrafe bei Steuerhinterziehung liegt bei einer Million Euro. Dass Hoeneß überhaupt noch frei ist, liegt daran, dass der Haftbefehl gegen eine Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro außer Kraft gesetzt wurde. Und noch eine andere Millionen-Zahl: Etwa vier Millionen Bratwürste verlassen täglich Hoeneß' Wurstwerk in Nürnberg.


Mit dem hinterzogenen Geld…

… hätte man nicht nur viele schöne Dinge kaufen, sondern auch viel Gutes tun können. 27,2 Millionen Euro reichen, um fast 70.000 Beziehern von Hartz IV den Regelsatz von 391 Euro zu bezahlen. Das Geld hätte genügt, um den Landeszuschuss des bayerischen Staatsschauspiels für 2014 zu decken (25 Millionen Euro) oder mehr als 45.000 Fans die Reise zur WM zu finanzieren (Rückflugticket Berlin- São Paulo ca. 600 Euro). Hoeneß hätte sich damit aber auch - mit einem kleinen Rabatt für Barzahlung - Torhüter Manuel Neuer (27,5 Millionen) persönlich kaufen können oder 6,8 Millionen Aktien von Konkurrent Borussia Dortmund (Kurs derzeit rund 4 Euro).


Reue und Demut…

…waren bislang nicht Hoeneß hervorstechendste Merkmale. Doch in den vergangenen Monaten hat er sie öffentlich zur Schau getragen. "Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler, den ich so gut wie möglich korrigieren will", sagte er in seinem großen Bekenntnisinterview der "Zeit". Und auch vor Gericht gibt er sich kleinlaut. Denn "tätige Reue" kann sich strafmildernd auswirken. Ob sie den Bayern-Boss vor dem Gefängnis bewahrt, wird sich zeigen.