Gegen einen der größten Milchviehbetriebe Bayerns wird wegen des Verdachts auf Tierquälerei ermittelt. Erste Unternehmen ziehen jetzt ihre Konsequenzen. Die Käserei "Champignon" hat die Zusammenarbeit mit dem Betrieb komplett beendet, ein Schlachtunternehmen hat die Lieferung vorläufig eingestellt.

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In einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns besteht der schwere Verdacht auf Tierquälerei. Es sind Video-Aufnahmen aufgetaucht, auf welchen die Besitzer des Betriebs ihre Kühe quälen.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen bestätigte am Dienstag die Aufnahme von Ermittlungen gegen den Betrieb der Familie Endres. Sie ist in Bad Grönenbach im schwäbischen Landkreis Unterallgäu ansässig.

Die Staatsanwaltschaft prüft die Echtheit der Aufnahmen, die ein Tierrechtsverein gemacht hat. Zuvor hatten die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und die ARD-Politikmagazine "Report Mainz" und "Fakt" darüber berichtet.


Käserei "Champignon" nimmt keine Milch von Betrieb mehr an

Die Milch des Hofes wird von der Käserei "Champignon" in Lauben (Landkreis Oberallgäu) verarbeitet. Sie verkauft ihre Produkte weltweit. Nach Bekanntwerden des Verdachts distanzierte sich das Unternehmen von den Vorfällen und zeigte sich betroffen.

In einer Stellungnahme auf der Seite der Käserei heißt es: "(...) Die Käserei Champignon (wird), aus ethischen und moralischen Gründen, ab sofort keine Milch mehr von diesem Hof annehmen und verarbeiten." Die gelieferte Milch des Milchviehhofes sei von einwandfreier Qualität, erklärt das Unternehmen. Dennoch möchte die Käserei davon Abstand nehmen.

Weiter heißt es, dass die Lieferanten mit dem Unternehmen klare Standards zur Milchproduktion vereinbart hätten. "(Wir) kontrollieren deren Einhaltung über regelmäßige Audits durch unabhängige, zertifizierte und akkreditierte Prüfstellen vor Ort." Das letzte Mal sei der Milchviehbetrieb im März 2019 kontrolliert worden.

Schlachtunternehmen stellt Lieferung vorläufig ein

Doch damit nicht genug: In dem SZ-Bericht heißt es außerdem, dass kranke Kühe des Familienbetriebs beim Großschlachthof "Vion" in Buchloe (Landkreis Ostallgäu) abgeliefert worden seien. Teile mindestens eines kranken Tieres seien zum menschlichen Verzehr freigegeben worden. Das Schlachtunternehmen teilte auf Anfrage mit, es prüfe die Vorwürfe.

"Bis zur vollständigen Klärung der vorliegenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden wir ab sofort von diesem Betrieb keine Tiere mehr annehmen", so Jürgen Lieb, Standortleiter von "Vion" in Buchloe, in einer Stellungnahme auf der Seite des Unternehmens.

Das Material aus den Ställen des Milchviehbetriebs kam dem Bericht zufolge vom Tierrechtsverein "Soko Tierschutz". Die Aufnahmen sind über einem Zeitraum von zehn Tagen entstanden. Es soll zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen werden - und noch Schlimmeres.

Der Familienbetrieb mit insgesamt 1.800 Milchkühen soll dem Tierrechtsverein zufolge bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstoßen. Er setzt sich vor allem in Hinblick auf erkrankte Tiere über Tierschutzverordnungen hinweg. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen lehnte der Betrieb zunächst ab. (ff)

Unseren ausführlichen Bericht zum Thema finden Sie hier.

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Verwendete Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung: "Das Leiden der Nummer 38540"
  • Käserei "Champignon": "Wichtige Informationen zur aktuellen Berichterstattung Tierwohl"
  • Vion Food Group: "Verdacht der Tierquälerei"
  • dpa