Es gibt technische Neuentwicklung wie Sand am Meer, doch nicht alle Erfindungen werden sofort große Erfolge und machen ihre Entdecker reich. Nur zu oft straucheln Tüftler an der Vermarktung.

Mal liegt es an der Konkurrenz, mal an Fehlentscheidungen, mal an Unwissenheit. Selbst bei bedeutenden Produkten wie dem Telefon, Aspirin und Coca Cola gab es bis zum Erfolg große Probleme.

John Pemberton verkaufte das Coca-Cola Rezept an Asa Candler (rechts).

Lesen Sie auf den nächsten Seiten von revolutionären Produkten und ihren gescheiterten Erfindern.

Aspirin ist vor allem für seine schmerzstillende Wirkung bekannt.

Ohne schlaue Mäuse keine Schiffsbergung

Als im Hafen von Kuwait 1964 ein Tanker sank, war die Sorge groß: Der Frachter mit den 6.000 Schafen an Bord drohte eine der großen Trinkwasserquellen des Wüstenstaates zu verseuchen. Mit herkömmlichen Methoden ließ sich das große Schiff nicht bergen, da kam die kuwaitische Reederei auf die Idee, den dänischen Ingenieur Karl Kroyer um Hilfe zu bitten.

Wenige Tage nach seinem Engagement präsentierte Karl Kroyer eine einfache wie geniale Lösung: Der Skandinavier ließ 2.500 Kubikmeter Styroporkügelchen in die Frachträume pumpen - das Schiff stieg zur Oberfläche auf. Kurz darauf engagierten Griechen und Schotten den Ingenieur. In beiden Fällen halfen die leichten Kügelchen, die gesunkenen Schiffe zu bergen.

Kurz danach schloss sich Karl Kroyer dem Bergungsunternehmen Van Den Tak an. Doch als Kroyer sein Verfahren zum Patent anmelden wollte, bekam er Probleme aus einer unerwarteten Richtung. Walt Disney verhinderte die Eintragung: Kroyer hatte seine Idee zu dem Bergungsverfahren aus einem Mickey-Mouse-Heft von 1949.

Cola-Rezept viel zu billig verkauft

1869 führte Drogist John Pemberton "French Wine Coca", das aus Tonic, Wein und Coca-Extrakt bestand, auf dem amerikanischen Markt ein. Das alkoholische Getränk brachte dem Erfinder gute Gewinne ein. Doch dann verbot die US-Regierung 1885 den Verkauf von Alkohol. Also mixte Pemberton Wasser mit Zucker-Sirup und mengte dem Softdrink neben dem Coca-Extrakt auch Coca-Nüsse bei.

Mit seinem Partner Frank Robinson meldete Pemberton 1887 die Marke Coca-Cola sowie das heute noch bekannte Logo zum Patent an und ließ sich das Rezept schützen. Ein gutes Jahr später starb der Drogist an Magenkrebs. Kurz vor seinem Tod hatte der Erfinder sein Patent für 1750 Dollar an Asa Candler verkauft. Der Apotheker machte die Gesellschaft zu einem Millionenprojekt. 1916 übergab Candler die Geschäfte an seinen Sohn Howard, der 1919 hinter dem Rücken seines Vaters die Firma für 25 Millionen US-Dollar an ein Konsortium verkaufte.

Heute ist Coca-Cola in über 160 Ländern präsent und eine der bekanntesten Marken überhaupt. 1887 gab John Pemberton 46 Dollar für Werbung aus, was 90 Prozent seiner Einkünfte entsprach. Die Werbung ist auch heute noch der wichtige Faktor für das Koffein-Getränk, das seit 1904 kein Coca mehr enthält. 2006 lag alleine der Werbeetat bei 2,5 Milliarden Dollar. Der Umsatz lag ein Jahr später bei 135 Milliarden Dollar.

Nur Worte für die Idee zum virtuellen Haustier

Mitte der 90er schaute sich der japanische Spielegigant Sega auf dem heimischen Markt um. Sega wollte den kleineren Konkurrenten Bandai schlucken. Doch dann kam die Wende: Auf einer Ideenbörse Ende 1995 stellte Bandais Vertriebsangestellte Aki Maita ihre Idee vor: ein virtueller Haustierersatz, der extrem mobil ist - das Tamagotchi.

Für die Idee der damals 29-Jährigen gab es mehrere Inspirationsquellen. Als Vertriebsangestellte verglich die Japanerin Verkaufszahlen und informierte sich über das Konsumentenverhalten. Außerdem kaufte sich eine Freundin ein Frettchen. Und schließlich fand sie heraus, dass sich Kinder gerne mit Haustieren beschäftigen. Als sie im Fernsehen sah, wie ein Junge auf Biegen und Brechen seine Schildkröte mit in den Kindergarten nehmen wollte, war das Tamagotchi geboren.

In nur wenigen Monaten verkaufte Bandai ab 1996 Millionen der kleinen Geräten. Mitte 1997 piepte es auch in deutschen Kinderzimmern und Schulen. Von einer Übernahme durch Sega war keine Rede mehr. Der große Erfolg war Bandai aber nur ein Lob wert: Aki Maita bekam weder eine Provision noch eine finanzielle Beteiligung am Tamagotchi-Umsatz. "Das war nicht alleine mein Verdienst. Ich hatte nur die Idee, aber für den Erfolg brauchte es viel mehr Beteiligte", gab sich die heutige Spiele-Entwicklerin bescheiden.

Stereobelt gegen Walkman

Stereobelt nannte der studierte Philosoph Andreas Pavel seine "körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hörereignissen". Das war 1972. Fünf Jahre später meldete der Aachener entsprechende Patente in Italien, den USA, Deutschland, England und Japan an. Trotzdem brachte Sony 1979 seinen Walkman heraus und behauptete, dass die Erfindung direkt von Firmengründer Akio Morita stammte.

Andreas Pavel schrieb Sony im August 1980 einen freundlichen Brief - in der Hoffnung einer lukrativen Zusammenarbeit. Sonys Walkman ist mit 210 Millionen verkauften Geräten eines der erfolgreichsten Elektronikprodukte, doch wollten die Japaner den Deutschen nicht am Erfolg teilhaben lassen. Mit 75.000 Dollar speiste der Weltkonzern Andreas Pavel 1986 ab, da verklagte der Erfinder Sony auf Schadensersatz in Millionen Höhe.

Mit einem Heer von Anwälten versuchte das Megaunternehmen, den Europäer vor dem Londoner High Court abzuwimmeln. Zu attraktiv erschien Sony das Märchen, dass Aiko Morita der Erfinder des Walkmans sei. Als der Firmengründer 1999 starb, war der Weg frei: Nach über 20 Jahren vor Gericht einigten sich beide Parteien "in freundschaftlichem Einvernehmen". Diese Lösung brachte dem mittlerweile in Mailand lebenden Pavel 2004 mehrere Millionen US-Dollar ein.

Kein Glück mit dem Telefon

Als Alexander Graham Bell im Februar 1876 sein Telefon-Patent bekam, gab es bereits elektrische Fernsprechanlagen. Im Oktober 1861 war dem hessischen Lehrer Philipp Reis etwa eine öffentliche Vorführung einer Sprach- und Musikübertragung gelungen. Danach verkaufte Reis seine Apparate sogar ins Ausland, doch an eine kommerzielle Vermarktung hatte der Hesse nicht gedacht.

Bereits 1854 publizierte der Franzose Charles Boursel einen Artikel, wie man auf elektrischem Weg Sprache übermitteln könnte. Im gleichen Jahr begann der Italo-Amerikaner Antonio Meucci schon mit der Entwicklung eines Gerätes. 1857 war das erste Meucci-Telefon fertig. Wenig später installierte er eine Leitung zwischen dem Keller und dem ersten Stock seines Hauses im späteren New Yorker Bezirk Staten Island.

1860 veröffentlichte Antonio Meucci in einer italienischsprachigen Zeitung einen Bericht über seine Erfindung. 1871 meldete er seinen Apparat zum Patent an, konnte das Papier aber 1874 wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht verlängern. Auch der Telefontüftler Elisha Gray aus dem US-Bundesstaat Illinois hatte Ärger mit dem Patentamt. Als Graham Bell am 14. Februar 1876 seine Entdeckung anmeldete, erhob Gray nur Stunden später Einspruch. Doch wurde Grays Einwand abgewiesen.

Bell hatte aber auch weiterhin Schwierigkeiten, denn Antonio Meucci begann einen Rechtsstreit, bei dem 1887 die zuständige Behörde Bell das Patent entziehen wollte. 1889 starb Antonio Meucci, Graham Bell hatte gewonnen.

Der Ärger mit dem Carvingski

"Ein Ski, der nur für geschnittene Schwünge ausgelegt ist, erscheint uns für den Großteil der Skifahrer ungeeignet", schrieb 1989 der Skihersteller Fischer dem Tüftler Reinhard Fischer. Der schlug dem Produzenten aus dem bayerischen Ried vor, seinen Carvingski auf den Markt zu bringen.

Bereits 1977 hatte sich Reinhard Fischer beim österreichischen Skiverband für eine neue Beschleunigungstechnik stark gemacht, die taillierte Bretter erforderte. Doch verschwand sein Vorschlag in der Schublade. Auch die Hersteller wollten anfangs nichts von der Neuerung wissen. Also machte sich der Österreicher 1982 selbst ans Werk: Er zerschnitt ein Snowboard der Länge nach und tüftelte an seinem Traum von schnelleren Hüftschwüngen im Schnee.

Bei der kleinen deutschen Manufaktur VR-Ski fiel Fischers Idee auf fruchtbaren Boden. Die Firma brachte den Snowrider heraus, der die damals außergewöhnlichen Breitenmaße 125 Millimeter vorne, 80 Millimeter in der Mitte und 114 Millimeter am Ende besaß. 1993 meldete der Österreicher aus der Nähe von Wien seine Erfindung zum Patent an. Inzwischen hatten die großen Hersteller das Potenzial der Carvingski erkannt und eigene Modelle in den Handel gebracht.

Bayers bester Mann

Bei der Bayer AG forschte Arthur Eichengrün Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Team nach einem schmerzstillenden Mittel. Der deutsche Jude aus Aachen wusste, dass schon die Kelten und Germanen durch Kochen der Weidenbaumrinde ein Schmerzmittel hergestellt hatten. Der Brite Edward Stone hatte 1763 in Oxford die Kenntnisse der Kelten und Germanen bestätigt.

Mitte des 19. Jahrhundert konnten Chemiker den schmerzstillenden Wirkstoff Salicylsäure synthetisch herstellen, doch hatte das Mittel viele Nebenwirkungen. Außerdem setzten Ärzte bei ihren Patienten das so genannte Bibergeil ein, das aus der Analdrüse von Bibern gewonnen wurde. 1897 gelang Eichengrüns Team der Durchbruch: Der junge Chemiker Felix Hoffmann hatte die Anweisungen seines Chefs befolgt und synthetisch Acetylsalicylsäure hergestellt, das als Aspirin bekannt ist.

1908 verließ Arthur Eichengrün die Bayer AG und gründete mit den Cellon-Werken sein eigenes Unternehmen. 1938 enteigneten die Nazis den promovierten Chemiker und verdrehten die Wahrheit so, dass es in ihre Ideologie passte. Ab diesem Zeitpunkt hatte Felix Hoffmann das Aspirin entdeckt. Im Mai 1944 verhafteten die Nazis Arthur Eichengrün und brachten ihn in das Konzentrationslager Theresienstadt.

Auch unter menschenunwürdigen Verhältnissen hielt der Aachener an seiner Version fest und schrieb der IG Farben, zu der Bayer gehörte, aus dem Konzentrationslager einen Brief. Der blieb wie seine Veröffentlichung im Jahr 1949 ohne Wirkung. Erst 1999 - also 50 Jahre nach Eichengrüns Tod - rollte die Universität Strathclyde in Glasgow den Fall neu auf und kam zu dem Schluss, dass Arthur Eichengrüns Darstellung stimmig sei.

Vom Kuchenteller zur fliegenden Untertasse

Nach dem zweiten Weltkrieg war es in den USA Mode geworden, leere Kuchenverpackungen aus Metall herumzuwerfen. Die meisten der Teller stammten vom erfolgreichen Bäcker William Russell Frisbie. Die College-Studenten, die sich die Metalldeckel zuwarfen, riefen "Friesbie", um Fußgänger zu warnen.

Die Kuchenteller hatten jedoch mehrere Nachteile: Fänger sowie Werfer konnten sich an den Kanten verletzen und außerdem waren durch die Instabilität der Teller die Wurfgeschosse unberechenbar. Das wussten Walter Frederick Morrison und Warren Franscioni, die 1948 eine Plastikscheibe erhitzen und ihr damit eine nach unten gezogene Lippe verpassten. Die beiden gründeten "Partners in Plastic" und stellten "Flying Saucers" (fliegende Untertassen) her.

Doch leider waren die Plastikscheiben ein Ladenhüter, so dass sich Warren Franscioni wegen der Verluste genötigt sah, sein Haus zu verkaufen und zur Armee zu gehen. Walter Frederick Morrison blieb im Frisbee-Geschäft, gründete die Firma American Trends und schloss in den 50ern einen Vertrag mit dem Spielzeughersteller Wham-O. 1977, 20 Jahre nach dem Verkaufsstart bei Wham-O, hatte das Unternehmen mit einem erfolgreichen Marketing 100 Millionen Plastikscheiben verkauft. 50 Prozent des Umsatzes stammten von den Frisbees, doch Warren Franscioni sah von den Gewinnen keinen Cent.