Braucht Deutschland noch ein noch ein großes Kohlekraftwerk? Der Energiekonzern Uniper hat in Armin Laschet einen Unterstützer gefunden. Umweltschützer dagegen sind entsetzt.

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Ein großes Steinkohlekraftwerk am Rande des Ruhrgebiets könnte zum neuen Symbol des Streits um die Klima- und Energiepolitik in Deutschland werden. Der Energiekonzern Uniper treibt die Inbetriebnahme seines Kraftwerks in Datteln entschlossen voran und findet dabei auch Unterstützung der nordrhein-westfälischen Landesregierung.

Umweltschützer interpretieren dagegen die Empfehlungen der Kohlekommission so, dass Datteln 4 nicht ans Netz gehen solle. Auch deshalb wird mit Spannung erwartet, wie der für die kommende Woche erwartete Entwurf von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für ein Kohleausstiegsgesetz an diesem Punkt ausfällt.

Uniper wollte mit Datteln 4, wie der Kraftwerksblock in Anlehnung an seine kleineren Vorgänger genannt wird, eigentlich schon seit Jahren Geld verdienen. Geplant worden war das Kraftwerk, als von einem schnellen Ende der Kohleverstromung in Deutschland noch kaum die Rede war. Baubeginn war 2007, angefahren werden sollte der Block mit einer Leistung von rund 1.100 Megawatt schon 2011.

Anfang 2020 probeweise ans Netz

Doch eine Serie von Versäumnissen und Pannen hat dafür gesorgt, dass an dem Meiler noch immer gearbeitet und kein Strom produziert wird. Jahrelang stand die Baustelle wegen zahlreicher Verstöße gegen Auflagen bei Klima-, Natur-, und Lärmschutz sowie gegen die Vorgaben im Landesentwicklungsplan still. Schließlich erforderten Materialmängel am Kraftwerkskessel teure und langwierige Reparaturen.

Jetzt will der aus dem Eon-Konzern hervorgegangene Versorger das Kraftwerk im Sommer 2020 in Betrieb nehmen. Nachdem der Kessel eine erste Druckprobe bestanden hat, soll das Kraftwerke Anfang kommenden Jahres erstmals probeweise ans Netz gehen. "Das ist eine vorbereitende Maßnahme", sagte ein Uniper-Sprecher.

Datteln 4 sei "eines der modernsten und effizientestenKohlekraftwerke in Europa, das alten Anlagen gegenüber auch klimatechnisch deutlich überlegen ist", hatte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck für die inzwischen mehr als 1,5 Milliarden Euro teure Anlage geworben. Wenn die Steuerzahler nicht über Gebühr belastet werden sollten, könne es "kaum eine Alternative dazu geben, Datteln 4 ans Netz zu nehmen".

Armin Laschet unterstützt Energiekonzern

Bei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat Uniper mit dieser Argumentation offenbar Gehör gefunden. Wenn für Datteln 4 ältere und weniger umweltfreundliche Kraftwerke abgeschaltet würden, werde er nicht davon abraten, hatte Laschet gesagt.

Der Umweltverband BUND wies die Argumentation Laschets als Augenwischerei zurück. Datteln 4 sei mitnichten ein Beitrag zum Klimaschutz.

"Neue Kohlekraftwerke laufen deutlich wirtschaftlicher und deshalb viel mehr als alte Blöcke", sagte BUND Energie- und Klimaexpertin Tina Löffelsend. Selbst wenn zusätzlich alte Kraftwerksblöcke stillgelegt würden, blieben pro Jahr Kohlendioxid-Mehremissionen von rund 2 Millionen Tonnen. "Das wäre eine große Hypothek in einem immer enger werdenden klimapolitischen Korsett."  © dpa

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