Man schrieb das Jahr 1957, als sich Metallarbeiter ein Recht erstreikten, das uns heute selbstverständlich erscheint: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Nach 114 Tagen - dem längsten Streik in über 50 Jahren - hatten 34.000 Metaller in Schleswig-Holstein ihr Ziel erreicht: Der Bundestag verabschiedete als Folge des Tarifabschlusses das "Gesetz zur Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherung der Arbeiter im Krankheitsfalle", dem 1969 das Lohnfortzahlungsgesetz folgte.

1974 griff auch der öffentliche Dienst zum ersten Mal bundesweit zum Mittel des Streiks. Mehr als 200.000 Beschäftige ließen ihren Bus stehen, holten den Müll nicht ab oder blieben ihrem Amtssessel fern. Drei Tage lang wurde so für 15 Prozent mehr Gehalt gekämpft - am Ende wurden es immerhin elf. Auch 1992 und 2006 kam es zu großen Streiks, von denen hauptsächlich die meterhohen Müllberge in Erinnerung geblieben sind. Mehr Lohn für die Beschäftigen gab es aber auch.

1984 kam es zum größten Metallerstreik in der Geschichte der Bundesrepublik. 70.000 streikten, weitere 130.000 wurden ausgesperrt. Doch alle Mobilisierung der Massen half nichts, das Ziel von einer 35-Stunden-Woche wurde nicht erreicht - das geschah erst im Jahr 1995. 2003 waren die ominösen 35 Stunden erneut Thema der IG Metall: Es ging um die Einführung der kürzeren Arbeitszeit in der ostdeutschen Metallindustrie. Doch auch hier scheiterten die Verhandlungen zunächst, lediglich in der Stahlindustrie kam es zur stufenweisen Einführung der 35-Stunden-Woche.

2001 streikten die Piloten. Die Vereinigung Cockpit forderte für die Flugkapitäne der Lufthansa einen Gehaltssprung von 35 Prozent. Neben dieser hohen Forderung war vor allem eines an diesem Streik besonders: Erstmals führte eine Berufsgruppe ihre Verhandlungen selbst, und nicht unter dem "Schirm" einer der etablierten Gewerkschaften. Ein Beispiel, das Schule machen sollte: Auch die Ärzte 2006 und die Lokführer 2007 verhandelten (beziehungsweise verhandeln noch, im Fall der Lokführer) selbst. Mit den 35 Prozent wurde es im Übrigen nichts: Man einigte sich auf 30 Prozent Lohnerhöhung für das Jahr 2001, 15 Prozent für 2002 und 12 Prozent für 2003.

Einer der Aufsehen erregendsten Streiks der letzten Jahre war sicherlich der Ärztestreik im Jahr 2006. Im Jahr zuvor war es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und ver.di, die die nichtärztlichen Krankenhausangestellten vertritt, gekommen. Daraufhin handelte der Marburger Bund die Tarifverträge für Ärzte gesondert aus. Im längsten Ärztestreik in der Geschichte der Bundesrepublik, bei dem bis zu 13.500 Mediziner auf die Straße gingen, erzielte man eine durchschnittlich um 15 Prozent bessere Bezahlung für Ärzte an Unikliniken. Auch im kommunalen Bereich war man danach erfolgreich: Ein 30-stündiger Verhandlungsmarathon im August des Jahres hatte eine Einigung auf 10-13 Prozent mehr Lohn zur Folge.

2007 protestierten die Telekom-Mitarbeiter gegen den harten Sparkurs der Konzernleitung: Löhne sollten gesenkt und Jobs ausgelagert werden. Insgesamt wären rund 50.000 Mitarbeiter von den Maßnahmen betroffen gewesen. Man einigte sich schließlich auf eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden ohne Lohnausgleich, eine Senkung der Gehälter um 6,5 Prozent, 30 Prozent niedrigere Gehälter für neue Mitarbeiter und die Einführung des Samstags als Regelarbeitstag. Die Gewerkschaft ver.di zeigte sich wenig begeistert.

Beim derzeitigen Tarifkonflikt bei der Bahn spielen drei Gewerkschaften eine Rolle: Transnet, die Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter (GDBA) und die Lokführergewerkschaft GDL. Die beiden Erstgenannten haben sich mit der Bahn bereits auf 4,5 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 600 Euro geeinigt. Für die GDL zu wenig: Sie fordert weiterhin 31 Prozent. Derzeit herrscht juristisches Chaos rund um die angekündigten Warnstreiks: Von diversen Arbeitsgerichten wurden sie verboten, was wiederum von diversen Arbeitsrechtlern kritisiert wurde. Jetzt sollen es Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf als Schlichter richten.