Die Marke Nutoka ist fast so bekannt wie das Original Nutella. Und bei Aldi werden auch keine Tempos verkauft, die heißen beim Discounter Kokett. Selbst das Olivenöl trägt keinen exklusiven Namen, sondern ist einfach mit Lorena betitelt.

Wie viele andere ist Eisschnellläuferin Anni Friesinger von der Handelskette begeistert. In einem Interview verriet die Sportlerin der Bild-Zeitung: "Ich mag das feinpürierte Apfelmus und den Chardonnay. Auf meinen Aldi-PC ist schon seit drei Jahren Verlass."

Längst hat das Netzwerk, das in Deutschland aus mehr als 50 dezentral geführten Gesellschaften mit über 1.600 Filialen besteht, das Image vom Billigheimer abgelegt. Seit einiger Zeit heißt das Motto: "Qualität ganz oben - Preis ganz unten". Zum Sortiment gehören seit kurzem wieder bekannte Markenprodukte wie Ferreros Kinder mit den Überraschungseiern und der entsprechenden Riegel-Schokolade.

Besonderen Wert legt das Unternehmen auf die Freundlichkeit seiner Verkäuferinnen und Verkäufer. Fast schon skurril ist der Umgang mit Neuerungen in der Branche. Erst wenn sie die Konzernführung als wirklich notwendig ansieht, werden diese übernommen: Die Einführung der Kühltruhen vor vielen Jahren und der kürzlich begonnene bargeldlose Zahlungsverkehr sind solche Fälle. Doch schlüpft Aldi hin und wieder auch selbst in die Vorreiter-Rolle. Mit den zeitlich begrenzten Schnäppchen-Angeboten, mit denen der Einzelhändler vor knapp 20 Jahren startete, überraschte er die Branche.

Aldi ist beim Verkauf von Lebensmitteln in Deutschland Marktführer, doch die Konkurrenz wie Plus, Netto, Penny oder Lidl ist dem Vorzeigeunternehmen dicht auf den Fersen.

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Ende 2007 vermeldete der Marktforscher AC Nielson, dass Lidl europaweit mehr Filialen als Aldi besitze. Auf beide Konkurrenten entfielen zu diesem Zeitpunkt zusammen 25 Prozent des Umsatzes im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Von diesem Anteil konnte Aldi 60 Prozent für sich verbuchen. Laut AC Nielson holt Lidl jedoch auf: "Hauptursache des Lidl-Erfolgs dürfte die Präsenz von Herstellermarken im Sortiment sein, während Aldi überwiegend auf Eigenmarken setzt."

Mit der Elefantenhochzeit von Netto und Plus ist November 2007 ein weiterer ernstzunehmender Konkurrent für die Albrecht-Brüder entstanden. Hinter Aldi (22 Milliarden Euro Umsatz) und Lidl (13 Milliarden Euro Umsatz) rückt der Netto Marken-Discount mit elf Milliarden Euro Umsatz auf Platz drei. Jährlich sollen zu den bestehenden 4.100 Filialen 300 weitere eröffnet werden. Der Name Plus soll nur bei einigen Ausnahmen erhalten bleiben.

Anders als bei der Konkurrenz will Netto in Zukunft keine Aktionsware wie Kinderjeans, Computer oder Büroartikel anbieten. Anfang der 90er hatte Aldi damit begonnen, Schnäppchenartikel aus dem Non-Food-Bereich zu verkaufen. Dabei bringt der Marktführer in Einzelaktionen mittlerweile montags und donnerstags Produkte mit einem Schwerpunkt auf Unterhaltungselektronik unter die Leute.

Wettbewerber wie Penny und Lidl zogen nach. Dadurch hat sich eine eigene Aktionsmentalität bei den Kunden entwickelt. Teilweise sind günstige Angebote schon kurz nach Öffnung der Geschäfte ausverkauft. Mitte 2006 ging der Umsatz von Computern, MP3-Playern und Navigationsgeräten allerdings zurück.

Wegen des enormen Erfolgs hat das Aldi-Prinzip viele Nachahmer gefunden. Aldi-Manager Dieter Brandes drückte das in einem Interview mit dem Manager-Magazin so aus: "Das Modell wird bereits in anderen Branchen angewendet, zum Beispiel bei Southwest Airlines und Ryanair in der Luftfahrt. Auch McDonald's und Ikea sind Beispiele. Selbst Porsche mit seinem eingeschränkten und spezialisierten Programm ist ein Discounter. Der Discounter verzichtet auf wesentliche Merkmale seiner Branche."

Was steckt hinter dem Aldi-Prinzip? Das erfahren Sie nach einem Klick.

Ihr Erfolgsrezept setzten die beiden Brüder Theo und Karl Albrecht nach dem Ende des zweiten Weltkriegs um. 1948 war es üblich, Lebensmittel im Tante-Emma-Laden um die Ecke zu kaufen. Weil es fast keine abgepackte Ware gab, mussten die Verkäufer die meisten Produkt abwiegen oder abzählen, viele Händler kauften ihre Ware zudem für sich alleine auf dem Großmarkt ein.

Die beiden Essener organisierten ihre "ALbrecht DIscount"-Läden ganz anders: Beratende Verkäufer schafften sie ab, in den Discountern gab es nur noch Kassierer. Der aufwändigen Präsentation der Ware gaben die Albrecht-Brüder ebenfalls den Todesstoß. In geöffneten Kartons, teilweise sogar auf Paletten boten sie ihre fertig abgepackte Ware an. Schlichte Neonröhren und der Verzicht auf Kühltruhen ergänzte die strikte Umsetzung von Einfachheit.

Als einzigen Frischeartikel stellte Aldi damals Butter in die Läden, die sich als Schnäppchen-Angebot jedoch so gut verkaufte, dass sie nicht gekühlt werden musste. Durch die steigende Anzahl an Supermärkten konnten die Einkäufer mit ihren großen Stückzahlen niedrige Preise bei den Großhändlern heraushandeln. 1955 gab es bereits 100, fünf Jahre später bereits 300 Filialen. Das Erfolgsrezept der Kette beschreibt Dieter Brandes so:" [I]mmer wieder überprüfen, was im Unternehmen überflüssig ist."

Heute gibt es weltweit etwa 8.000 Filialen, die zu Aldi Süd (Karl Albrecht) und Aldi Nord (Theo Albrecht) gehören. Dabei achten die beiden Teilunternehmen strikt darauf, sich nicht gegenseitig an einem Standort Konkurrenz zu machen. In Europa kommt Aldi auf 7.000 und in den USA sowie Australien auf 1.000 Supermärkte.

Obwohl die Albrecht-Brüder seit 60 Jahren im Geschäft sind, ist wenig über die Gründer bekannt. Weil Aldi nicht als Aktiengesellschaft organisiert ist, unterliegt der Konzern zudem nur teilweise der Pflicht, Firmenergebnisse zu veröffentlichen. Karl und Theo haben in den vielen Jahrzehnten ein gewaltiges Vermögen angehäuft, so dass sie in der Forbes-Liste der reichsten Menschen regelmäßig auf die vorderen Plätze kommen Im Ranking von 2007 landete der damals 87-jährige Karl Albrecht mit geschätzten 20 Milliarden US-Dollar auf Rang 15. Fünf Plätze dahinter rangiert Bruder Theo auf Platz 20.

1994 zog sich der ältere Gründer, Karl Albrecht, aus dem operativen Geschäft zurück. Gleichzeitig stieg auch der Junior gleichen namens aus. Neben dem Sohn gibt es die Tochter Beate Heister, die sechs Kinder hat. 1976 nahm der erfolgreiche Unternehmer in Donaueschingen das Hotel Öschberghof in Betrieb, das über einen eigenen Golfplatz verfügt. Darüber hinaus weiß man auch das Folgende von der grauen Aldi-Eminenz: Er züchtet Orchideen.

Der Entführungsfall Theo Albrecht - auf der nächsten Seite.

Von Theo Albrecht sind weder das genaue Geburtsdatum noch der entsprechende Ort bekannt. Klar ist, dass der jüngere Bruder 1922 geboren wurde, sehr wahrscheinlich in Essen. Den Geburtstag geben manche Biografen mit dem 13. andere mit dem 28. März an. Abgeschottet vor der Öffentlichkeit feierte der Aldi-Nord-Gründer im vergangenen Jahr sein 85. Wiegenfest.

Ein Grund für die Zurückgezogenheit ist ein lebensbedrohliches Ereignis aus dem Jahr 1971. Als Theo Albrecht am 29. November diesen Jahres kurz nach 18 Uhr sein Büro in Essen verließ und den Parkplatz erreichte, näherten sich zwei Fremde, die ihn zwangen, in ihr Auto zu steigen.

17 lange Tage dauerte das Martyrium, ehe die Kidnapper von Ruhrbischof Franz Hengsbach auf einem Parkplatz sieben Millionen Mark Lösegeld bekamen und der Konzernlenker wieder die Freiheit erlangte. Obwohl sie unerkannt entkommen waren, gingen der Polizei der Rechtsanwalt Hans Joachim Ollenburg und dessen Komplize Paul Kron (Diamantenpaule) 1973 ins Netz. Das Landgericht Essen verurteilte beide Täter zu je achteinhalb Jahren Haft. Die Hälfte des Lösegelds blieb jedoch verschwunden.

Nach der Freilassung rief ein Reporter der befreiten Geisel zu: "Ich hoffe, dass der Rummel beendet ist." Theo Albrecht drehte sich um und einige Kameras klickten. Damals entstand eines der letzten veröffentlichten Fotos des Topmanagers. Nach der Entführung entschied sich die gesamte Familie Albrecht dazu, sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Der Aldi-Nord-Gründer widmete sich danach wieder der Arbeit und blieb viel länger als sein Bruder Karl aktiv. Trotz der massiven Abschottung gelang es der Wirtschaftswoche 2003, von den scheuen Geschwistern neue Fotos zu schießen. Aus dieser Zeit stammt die Bemerkung, dass Theo Albrecht ab und zu diverse Aldi-Märkte inspiziere und leere Kartons moniere. Zwei Jahre später verabschiedete auch er sich vom Tagesgeschäft.