"Night of Light": Deutschland erstrahlt in Rot - Veranstaltungsbranche vor dem Aussterben

In ganz Deutschland erstrahlten in der Nacht vom 22. Juni Gebäude in rotem Licht. Die Aktion "Night of Light" wurde von der Kultur- und Veranstaltungsbranche ins Leben gerufen. Man stehe auf der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen, heißt es in der Begründung der Organisatoren.

Seit Mitte März mache die Veranstaltungsbranche fast keinen Umsatz mehr, heißt es auf der Webseite der Veranstalter. Betroffene Unternehmen müssten mit einem Umsatzausfall von 80-100 Prozent über mindestens acht Monate rechnen. (Im Bild: Das Kurhaus in Wiesbaden.)
Laut dem Ministerium für Wirtschaft und Energie sind in Deutschland 1,2 Millionen Menschen in der Kulturbranche kernerwerbstätig. Hinzu kommen rund 250.000 Freiberufler. Die Branche trägt knapp 3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. (Im Bild: die Festhalle der Messe Frankfurt.)
Auch kleinere Gaststätten beteiligten sich an der Aktion "Night of Light". Der Veranstalter vermeldete, dass insgesamt 8.900 Gebäude angestrahlt wurden. Laut den Betroffenen wird statt der existierenden Kredit-Programme "echte Hilfe" benötigt. Mittels eines Branchendialogs mit der Politik soll gemeinsam ein Weg aus der Krise gefunden werden.
Die Farbe Rot haben die Veranstalter dabei ganz bewusst gewählt. Auf der Webseite der "Night of Light" heißt es, es herrsche "Alarmstufe Rot: ein Milliardenmarkt und hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr!" Zudem stehe die Farbe Rot für die Leidenschaft für den Beruf: "Wir brennen für das, was wir tun"! (Im Bild: das Schloss Oberhausen.)
Vor dem Brandenburger Tor in Berlin performte eine Lichtkünstlerin. Auch wenn inzwischen wieder kleinere Veranstaltungen erlaubt sind, ist es für die Branche aufgrund der weiterhin geltenden Restriktionen kaum möglich, wirtschaftlich zu arbeiten.
Die Staatsoper Hannover wurde nicht nur rot angeleuchtet, sie präsentierte auch gleich die dramatischen Zahlen der Branche.
Für die Branche sei die Lage auch deshalb besonders ernst, weil sie die Ersten waren, die von der Coronakrise betroffen war ("first in") und die Letzten sein werden, die aus der Krise wieder herauskommen ("last out"). (Im Bild: das Schloss Sanssouci in Potsdam.)
An der Aktion "Night of Light" beteiligten sich Eventlocations, Hallen, Kinos und Kleinkunst-Theater sowie Technikausstatter, Messebauer, Zeltverleiher oder Tagungshotels. (Im Bild: die Seebrücke im Ostseebad Sellin.)
Großveranstaltungen in Deutschland bleiben voraussichtlich noch bis Ende Oktober verboten. Wie lange viele Firmen der Veranstaltungsbranche noch durchhalten können, steht in den Sternen.