Der Leitzins ist der Preis, den Geschäftsbanken wie SEB, Postbank oder Direktbank für ihre Kredite bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen.

Einmal pro Woche können etwa die Dresdner Bank oder die Landessparkassen bei der EZB beziehungsweise den nationalen Vertretungen für den Hauptrefinanzierungssatz Geld für eine Woche leihen. Braucht ein Institut kurzfristig - über Nacht - zusätzliche liquide Mittel, kommt der Spitzenrefinanzierungssatz ins Spiel. Er liegt deutlich höher wie die Rate für die Anleihe mit Wochenfrist.

Andersherum geht es natürlich auch: Verfügen die Marktteilnehmer über mehr Finanzen, als sie benötigen, können sie sich die Mittel über den Einlagesatz bei der EZB vergüten lassen. Dieser Guthaben-Preis liegt natürlich um einiges niedriger als die Preise für Kredite, weil die EZB sonst Verluste machen würde.

Das oberste Ziel der Europäischen Zentralbank ist es, die Preise im Euro-Raum stabil zu halten. Dieser Ausrichtung ist das Ziel der Konjunkturförderung für die beteiligten Länder untergeordnet. Zudem ist die Einrichtung unabhängig, also weder Ländern wie Griechenland oder Spanien, aber auch nicht der Europäischen Kommission verpflichtet.

Bei steigender Nachfrage (Boom) und damit steigenden Entgelten wird die EZB den Leitzins erhöhen. Damit werden die Kredite teurer, das Volumen der Ausgaben sinkt, mit ihm die Preise. Bei fallender Nachfrage (Rezession) und damit sinkenden Anschaffungskosten wird das Zentralorgan den Leitzins senken. Damit wird die Geldleihe billiger, die Investitionen ziehen an, die Preise auch.

Da aber der Euro-Raum kein ausgeglichener Markt ist, das heißt, in Portugal gelten etwa andere Vorschriften für das Rauchen oder die Einfuhr von Schlachtvieh wie in Deutschland, sind auch die Entgelte und damit die konjunkturelle Entwicklung unterschiedlich. So kann es vorkommen, dass in Belgien die Wirtschaftskraft abnimmt, während sie in Bulgarien explosionsartig ansteigt.

In solchen Situationen wird es für die EZB schwierig. Dann muss sie abwägen, ob eine Zinserhöhung etwa die Rezession in einem Partnerland verstärkt oder aber eine Zinssenkung den Preisanstieg in einem Nationalstaat mit Boom antreibt. Im Zweifelsfall bleiben die Sätze dann unverändert.