"Gezwungen, stundenlang bis zur Erschöpfung zu arbeiten": Primark, die Modekette mit Billigstpreisen, ist derzeit in aller Munde. In einem Kleid von einer englischen Niederlassung will eine britische Kundin den erschütternden Hilferuf gefunden haben. Doch bei dem Vorfall mit dem eingenähten Zettelchen gibt es große Widersprüche.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von den menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen in Nähereien, in denen Frauen für Primark Kleidung herstellen. Auf Twitter und Facebook waren noch kürzlich fast im Minutentakt die Postings über den schrecklichen Vorfall zu lesen.

Primark-Kundin findet schockierende Botschaft in Etikett eingenäht.

Der erste virale Sturm hat sich mittlerweile gelegt, nun kommen Zweifel auf, ob die Botschaften echt sind. Einen Hinweis könnten zwei weitere zeitgleich entdeckte Zettel geben: "Erniedrigende Sweatshop-Bedingungen bei der Herstellung Ihres Kleids" und die asiatische verfasste Mitteilung "SOS!SOS!SOS!" - mit der Klage, dass die Arbeiter "wie Ochsen" schuften müssten.

Den dritten Einnäher habe eine Primark-Kundin erst jetzt bemerkt, obwohl sie die entsprechende Hose schon seit Juni 2011 besitzen will, wie die Marketing-Zeitschrift "Werben & Verkaufen" (W&V) berichtet.

Primark: Es gibt viele Ungereimtheiten

Alle drei Zettel seien in Großbritannien gefunden worden und das bei einer weltweit agierenden Modekette. Außerdem sind offenbar 70 Prozent der Frauen aus Bangladesch, die für Primark Kleidung herstellen, Analphabeten.

Die Modekette behauptet zudem, dass die betroffenen Produkte bereits 2013 verkauft wurden. In vielen Medienberichten heißt es jedoch, die Textilien seien gerade erst erstanden worden. Die Hose mit der asiatischen Botschaft, ist "W&V" zufolge seit 2009 nicht mehr im Sortiment. Die Kundin will sie aber im Juni 2011 gekauft haben.

Die Anzahl der Ungereimtheiten ist groß. Gleichzeitig gibt es laut "W&V" erste Stimmen, die die Agentur hinter der Kampagne loben, ohne dass die Zeitschrift konkret wird. Wenn die "geheimen" Botschaften der Näherinnen tatsächlich zu einer verdeckten Marketingaktion im Guerilla-Stil gehören, hat die dahinterstehende Agentur ganze Arbeit geleistet. Mit Verantwortung und Moral hätte das aber nichts zu tun.