Schon lange nicht mehr das Girokonto gewechselt? Das ist ein Fehler, wie ich bei meiner Schatzsuche nach einem passenden Konto merke.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Ulrike Sosalla dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Im Urlaub komme ich auf die besten Ideen. Wie oft habe ich schon im Strandcafé gesessen und im Geiste das Wohnzimmer umdekoriert (meist folgenlos) oder Geburtstagsüberraschungen ausgeheckt. Diesmal allerdings ereilte mich in Griechenland eine ganz banale Erkenntnis: Mein Girokonto ist gar nicht so perfekt und so günstig, wie ich bisher dachte.

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Der Anlass war simpel: Ich brauchte Geld fürs Taxi, hob am Geldautomaten Bargeld ab, stimmte der Gebühr von 4,95 Euro zu – teuer, aber so ist das halt an fremden Automaten – und dachte nicht weiter dran. Dann der Schock beim Blick auf den Kontoauszug: Zu den 4,99 Euro der griechischen Bank hatte meine Bank kurzerhand weitere 5 Euro Gebühr abgebucht. Fast 10 Euro dafür, dass ich die gleichen Euros aus dem Automaten bekomme wie zu Hause – das ist unverschämt teuer.

Bis dahin war ich mit meinem Konto eigentlich ganz zufrieden. Kontoführung gratis, kostenlose Kreditkarte eingeschlossen, sogar ein paar Filialen vor Ort. Einzig die ständig sinkende Zahl an Geldautomaten nervt, aber dieses Problem gibt es bei vielen Banken. Doch jetzt war mein Jagdfieber geweckt: Es muss doch ein Girokonto geben, das mich im Urlaub nicht im Stich lässt, zumindest nicht in der EU.

Urlaub ist natürlich nur ein möglicher Anlass, sich mit dem Girokonto zu beschäftigen. Weitere, meist wichtigere Punkte im Leben sind:

  • 18. Geburtstag
  • Erster Job
  • Höheres Gehalt
  • Heirat
  • Scheidung
  • Gemeinsames Konto (als Paar, als WG oder ähnliches)
  • Rentenbeginn
  • Gebührenerhöhung der bisherigen Bank

Sie finden sich in einem der Punkte wieder? Dann begleiten Sie mich auf die Schatzsuche nach dem besten Kontomodell. Die Schatzkarte: Der (kostenlose) Girokonto-Vergleich von Finanztest und seine 432 Kontomodelle. Und siehe da, es gibt tatsächlich ein paar Rohdiamanten in dem großen Haufen.

Der erste Fund: Zwölf Girokonten sind ganz ohne Bedingungen kostenlos – also ohne Mindestgeldeingang, ohne Gehaltsnachweise oder sonstige Haken. Wer Wert auf ein komplett kostenloses Konto legt und nichts gegen Onlinebanking hat (das ist meist Voraussetzung für die kostenlosen Konten) ist hier richtig.

Doch es gibt auch gute Gründe, für ein Girokonto moderate Gebühren zu zahlen. 60 Euro im Jahr, also 5 Euro pro Monat, sind ein faires Entgelt für Konten, die mehr bieten als eine Mindestversorgung. Etwa wenn die Bank viele Filialen unterhält, Geldautomaten bereitstellt und Beratung sowie sichere Technik fürs Onlinebanking anbietet. Diese Grenze können auch Filialbanken unterbieten.

Faktoren, die bei der Kontoauswahl eine wichtige Rolle spielen

Wer mehr als 60 Euro jährlich für ein Girokonto zahlt, besser wechseln. Wichtig: In diese Rechnung geht nicht nur die monatliche Grundgebühr ein, sondern auch alle Extra-Gebühren, die nebenher anfallen – wie bei mir die Gebühren fürs Abheben in Griechenland. Kleinbeträge nicht vergessen, etwa Zusatzgebühren für Überweisungen, die man in der Filiale einreicht.

Und damit sind wir wieder mitten in der Schatzsuche nach dem maßgeschneiderten Girokonto. Beispiel Gemeinschaftskonto: Ist es kostenlos für beide Partner – und ist für beide eine Girocard im Preis enthalten? Welches Sicherheitsverfahren im Onlinebanking ist mir am liebsten? Erteile ich Überweisungsaufträge überwiegend online oder per Beleg? All das sind Faktoren, die bei der Auswahl eines Kontos wichtig sind. Schließlich will ich ja so schnell nicht wieder wechseln – auch wenn ein Kontowechsel inzwischen wesentlich einfacher ist als noch vor einigen Jahren.

Was es bei Kinder- und Jugendkonten zu beachten gibt

Wer sich jetzt gerade erst warmgesucht hat, kann bei den Kinder- und Jugendkonten weitermachen (vorausgesetzt, es gibt Teenager im näheren Umfeld). Hier sind die Unterschiede nicht ganz so groß wie bei den Konten für Erwachsene, aber auch hier gilt: Unnötige Gebühren müssen nicht sein. Viele Banken bieten für Minderjährige Jugendkonten an, bei denen eine Girocard enthalten ist.

Je nach Alter des Kindes kann ein Konto sinnvoll sein, bei dem die Eltern die Höhe von Auszahlungen begrenzen können. Andere Banken bieten für ältere Teenager kostenlose Prepaid-Kreditkarten an. Die Suche lohnt sich.

Mein Griechenland-Problem habe ich übrigens schnell gelöst: Zwei Klicks in der Datenbank ergeben, dass es 102 Kontomodelle gibt, die kostenlose Abhebungen in Euro-Ländern beinhalten. Und fünf davon sind überregional verfügbare Konten, die im Onlinebanking kostenlos sind. Bingo!

Ulrike Sosalla ist stellvertretende Chefredakteurin von Finanztest und damit ausgewiesene Fachfrau für Finanzfragen. Das Verbrauchermagazin Finanztest gehört zur Stiftung Warentest, die seit 30 Jahren Finanzdienstleistungen testet. Test.de und Finanztest sind komplett anzeigenfrei und gewährleisten damit absolute Unabhängigkeit gegenüber Banken, Versicherungen und der Industrie. Die Newsletter der Stiftung Warentest können Sie hier abonnieren.

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