Aldi-Mitbegründer Karl Albrecht ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Er galt mit seinem geschätzten Gesamtvermögen von rund 18 Milliarden Euro als der reichste Mann Deutschlands. Über die Albrecht-Familie ist dennoch wenig bekannt, seit 1971 meiden sie die Öffentlichkeit.

Am Montag wurde bekannt, dass der Aldi-Mitgründer Karl Albrecht gestorben ist. Er wurde 94 Jahre alt. Bereits am vergangenen Mittwoch soll er aus bislang unbekannten Gründen im Kreise seiner Familie in seiner Essener Villa verstorben sein. Die Öffentlichkeit erfuhr erst am Montag von seinem Tod.

Gemeinsam mit seinem Bruder Theo Albrecht, der 2010 im Alter von 88 Jahren gestorben war, gilt er als Erfinder des Discount-Prinzips. Mit dem Aldi-Konzern schrieben die Brüder Wirtschaftsgeschichte und schufen das größte Handelsimperium Deutschlands.

Bis zuletzt lebten Karl als auch Theo Albrecht sehr zurückgezogen. Doch schon früh machten die Aldi-Gründer ein Geheimnis aus ihrem Leben und mieden die Öffentlichkeit. Auch der Tod von Berthold Albrecht, Sohn von Theo Albrecht, wurde erst rund vier Monate später bekannt.

Der Grund für die Zurückgezogenheit der Familie liegt womöglich in einem Ereignis einige Jahre zuvor: Am 29. November 1971 wurde der Aldi-Nord-Gründer Theo Albrecht entführt. Ein Rechtsanwalt mit hohen Spielschulden und ein mehrfach vorbestrafter Tresorknacker hielten ihn 17 Tage lang gefangen. Erst gegen die Zahlung eines Lösegelds in Höhe von sieben Millionen Mark - die bis dahin höchste in der Bundesrepublik gezahlte Lösegeldsumme - kam er frei. Die Täter wurden wenig später gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt.

Seit diesem Schockerlebnis blieben sowohl der Selfmade-Milliardär als auch die gesamte Familie der Öffentlichkeit fern - zum Selbstschutz.

Vom Tante-Emma-Laden zum Discounter

Karl und Theo Albrecht waren laut der Rangliste des "Manager Magazins" aus dem Jahr 2013 die reichsten Deutschen auf den Plätzen 1 und 2. Demnach verfügten Karl Albrecht über rund 18 Milliarden Euro und Theo Albrecht gemeinsam mit seinem Sohn Berthold über 16 Milliarden Euro.

Mit einem schmalen Sortiment und einfachen Betriebsabläufen die Kosten möglichst gering zu halten, das war damals die revolutionäre Idee für den Aldi-Konzern. Damit konnte Aldi viel niedrigere Preise als die Konkurrenz anbieten. Anfang der 1960er Jahre teilten die Brüder Aldi (steht für Albrecht Discount) in zwei Hälften: Theo erhielt die Rechte für Norddeutschland und Europa, Karl das Geschäft im Süden Deutschlands sowie in Großbritannien, Australien und den USA.

Wie viel die beiden selbstständigen Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd genau verdienten, ist schwer zu sagen. Im Vergleich zu börsennotierten Einzelhändlern legen Aldi Nord und Aldi Süd keine regelmäßigen oder konkreten Umsatzzahlen vor. Auch zum Gewinn gibt es keine Angaben. Schätzungen zufolge erzielten die Discounter-Ketten im Jahr 2013 aber allein in Deutschland einen Umsatz von 26,5 Milliarden Euro. Weltweit ist Aldi in 17 Ländern vertreten und hat mehr als 9.800 Filialen, davon allein in Deutschland 4.300.

So viel Erfolg und Reichtum macht das Leben anscheinend gefährlich. Wohl deshalb entschieden sich die Albrechts für ein Leben im Verborgenen.