Es verwundert nicht, dass die meisten der größten Welt-Firmen aus dem kapitalistischen Urland USA kommen. Je nach Bezugsgröße haben fünf oder sogar sechs Unternehmen in den "Top Ten" ihren Stammsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch bei der Herkunft der Aktivitäten ergibt sich ein eindeutiges Bild: Offensichtlich bringen Öl und Autos den meisten Profit. In der Liste der Fachzeitschrift "Fortune" gibt es mit Wal-Mart nur einen Ausreißer unter den zehn gewichtigsten Konzernen. Selbst bei der "Financial Times" sind es noch vier, hier tummeln sich alleine drei Banken unter den Wirtschaftsriesen.

Doch wie vergleicht man möglichst objektiv die wirtschaftliche Größe? "Fortune" entschied sich, den Umsatz für das Geschäftsjahr 2006 zu Rate zu ziehen. Die Konkurrenz von der "Financial Times" misst dem Börsenwert (vom 31. März 2007) mehr Bedeutung zu.

Aber eigentlich müsste neben diesen Größen auch die Anzahl der Beschäftigten, die Zahl der Vertretung in unterschiedlichen Ländern, das soziale und ökologische Engagement, die Entwicklung neuer Produkte, die Erschließung zukunftsträchtiger Märkte und vieles mehr in die Bewertung einfließen.

Mit dem aussagekräftigen Argument Umsatz in US-Dollar, geht es hier um die "Fortune"-Liste.

Mit einer fragwürdigen Mitarbeiter-Motivation machte sich Wal-Mart Mitte der 90er-Jahre in Deutschland keine Freunde. Liedersingen und andere seltsame Rituale wirkten auf die Deutschen fremdartig. Dieses schlechte Image und der große Konkurrenz-Druck waren der Grund, warum sich der Handelsriese nach nur neun Jahren Mitte 2006 aus unseren Breiten wieder zurückzog.

Das hält den Krämer aus Bentonville im US-Bundesstaat Arkansas nicht davon ab, trotzdem gute Geschäfte zu machen. Mit Einkünften in Höhe von 351,139 Milliarden war Wal-Mart 2006 einsame Spitze. Wal-Mart gerät aber auch in der eigenen Heimat unter Druck: Wegen nichtgewährten Pausen, unbezahlter Mehrarbeit und sexueller Diskriminierung geriet das Unternehmen immer wieder in die Kritik.

ExxonMobil kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 347,254 Milliarden, was weltweit Platz zwei bedeutet. Mit einem Börsenwert von 429,566 Milliarden steht der Ölproduzent, zu dem in Deutschland die Esso-Kette gehört, bei der "Financial Times" ganz vorne.

ExxonMobil ist vielen Konsumenten allerdings noch von der Katastrophe mit dem einwandigen Tanker "Exxon Valdez" im Gedächtnis. Im März 1989 lief das Schiff südlich von Alaska auf ein Riff und verlor daraufhin 40.000 Tonnen Rohöl. Hunderttausende Fische, Seevögel und andere Tiere starben damals. Die dort lebenden Tiere vergiften sich weiter über die Nahrungsaufnahme, da die Ölreste immer noch nicht abgebaut sind.

Auch wenn der Konzern versucht, sich ein umweltfreundliches Äußeres zu verpassen, ist der Imageschaden von dem Exxon-Valdez-Fall vor mehr als 17 Jahren beträchtlich.

Dem gleichen Rohstoff wie ExxonMobil verdankt "Royal Dutch Shell" Einnahmen von 318,845 Milliarden. Die Ölindustrie verzeichnet seit Jahren steigende Preise. Zum einen wird das schwarze Gold knapper und zum anderen lassen politische Krisen die Gewinne der Multis steigen. Ereignisse wie der Irakkrieg, der Terror in Afghanistan oder die Instabilität in Südamerika sind echte Preistreiber. Jeder Dollar, den die Gallon Rohöl mehr kostet, lässt bei den Förder-Unternehmen die Bilanz beträchtlich besser aussehen.

Auch wenn Shell keine wohltätige Stiftung ist, hat der Konzern beim Image-Aufbau mehr Erfolg als die Konkurrenz. Glaubhaft bemühen sich die Niederländer um die Erforschung von alternativen Energiequellen wie Wasser- und Windenergie. Außerdem erstellt Shell jedes Jahr eine wissenschaftlich aussagekräftige Jugendstudie, mit der der Globalplayer sein gesellschaftliches Engagement unter Beweis stellt.

274,316 Milliarden Umsatz bringen "British Patrol" (BP) auf den vierten Rang. Der Konzern fördert täglich 2,6 Millionen Barrel Erdöl und 238 Millionen Kubikmeter Erdgas. Weltweit betreibt BP 28.000 Tankstellen, bei denen täglich 13 Millionen Kunden vorbeischauen. Wie bei der Konkurrenz aus den Niederlanden und den USA gibt es bei den Briten viel Licht und viel Schatten.

Dem verstärkten Engagement um die Erschließung alternativer Energiequellen stehen Umweltkatastrophen wie die am "Prudhoe Bay"-Feld in Alaska entgegen. Dort war im März 2006 aus maroden Pipelines eine große Menge Rohöl ausgelaufen. Kurzfristig stellte BP die Ausbeutung der Quelle ein, um im August 2006 den Betrieb wieder aufzunehmen.

Der Autobauer General Motors aus Detroit im US-Bundestaat Michigan sorgt bei BP, ExxonMobil und Shell für volle Kassen. Denn je mehr Autos auf den Straßen fahren, um so mehr Kraftstoff wird benötigt. Die Entwicklung von neuen Motoren, die mit Alkohol, Wasserstoff oder Bio-Öl laufen, soll diese Beziehung entkoppeln.

Herkömmliche Antriebssysteme und Marken wie Opel, Hummer, Buick oder Saab brachten General Motors Einnahmen von 207,349 Milliarden, den fünften Platz. Für 2007 hat der Konzern die Produktion eines ersten Hybrid-Modells für den amerikanischen Markt angekündigt, das in Baltimore montiert werden soll.

204,746 Milliarden an Einkünften bescheren dem japanischen Autohersteller Toyota die Nummer sechs im Wettbewerb der Megafirmen. Mit 265.000 Mitarbeitern produzierte der Konzern im vergangenen Jahr 9,2 Millionen Fahrzeuge.

Firmengründer Sakichi Toyoda baute Ende des 19. Jahrhunderts automatisierte Webstühle, deren Patente sein Sohn Kiichiro Toyoda 1929 nach England verkaufte. Mit dem Erlös von 100.000 Pfund gründete Kiichiro die Toyota Motor Corporation. 1936 liefen die ersten Automobile vom Band. Seitdem haben sich die Geschäfte prächtig entwickelt: Als gewinnbringender Wettbewerbsvorteil der aktuellen Modelle gelten die positiven Pannenstatistiken.

Im kalifornischen San Ramon hat der Energie-Konzern Chevron seinen Hauptsitz. Ursprünglich hieß die Firma Standard Oil of California (SoCal) und gehörte zu den "Seven Sisters", die das Ölgeschäft am Anfang des 20. Jahrhunderts dominierten. Die Amerikaner bekamen von Saudi-Arabien eine Förder-Lizenz und entdeckten so das größte Ölfeld der Welt.

59.000 Mitarbeiter arbeiten für Chevron, das die Marken Chevron, Standard Oil, Texaco und Caltex besitzt. Im vergangenen Jahr machten die Kalifornier gut 200 Milliarden Umsatz, was das Wirtschaftsgebilde zur siebtgrößten Firma weltweit macht.

Das einzige deutsche Unternehmen in den "Top Ten" ist DaimlerChrysler mit einem Umsatz von mehr als 190 Milliarden. Doch zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Stuttgarter Konzern bald nicht mehr soweit vorne in der "Fortune"-Liste zu finden sein wird: Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche und seine Kollegen planen eine Entflechtung des Wirtschaftsriesen.

Demnächst soll der amerikanische Autobauer Chrysler ausgegliedert und verkauft werden. Dann reicht der Umsatz von Daimler wahrscheinlich nicht mehr für eine vordere Platzierung.

ConocoPhillips ist in über 40 Ländern aktiv. Die europäischen Jet-Tankstellen gehören zu dem texanischen Konzern mit Sitz in Houston. Mit seinen ungefähr 38.700 Mitarbeitern erwirtschaftete ConocoPhillips 2006 172,451 Milliarden.

Zwar war die Firma am 11. April 2007 das erste Erdöl-Unternehmen, das der Klimaschutz-Organisation "U.S. Climate Action Partnership" beitrat, doch gilt ConocoPhillips als drittgrößter Luftverschmutzer in den USA. Nach einer Studie der Universität von Massachusetts bläst der Energie-Riese jedes Jahr mehr als 4.000 Tonnen giftiger Chemikalien in die Atmosphäre.

Der französische Erdöl-Konzern Total kommt nach Umsätzen des vergangenen Jahres von gut 168 Milliarden auf Platz zehn. Als wichtige Ereignisse der jüngeren Firmen-Geschichte gelten folgende Übernahmen: 1999 schluckte die Firma aus Paris seinen belgischen Konkurrenten Petrofina. Ein Jahr später war der französische Rivale Elf Aquitaine dran.

Durch eine 25-Prozent-Beteiligung an der "Irak Petroleum Company" beziehen die Franzosen jedes Jahr eine Million Tonnen Rohöl aus dem Zweistromland. Wie alle großen Energie-Konzerne so ist auch Total darauf bedacht, seine ökologische und soziale Schokoladenseite hervorzukehren. Im April 2007 brach etwa eine Expedition zum Nordpol auf, um die Dicke der Eisschicht zu vermessen und daraus Schlüsse auf das Weltklima zu ziehen. Jedes Jahr laden die Franzosen Studenten aus aller Welt nach Paris zur "Summer School" ein, um Themen wie Energiemarkt, Klimaschutz oder Zukunft der Energie-Ressourcen zu erläutern.