Athens Kasse ist leer: Die fällige Milliardenrate an den IWF bleibt Griechenland schuldig, Rentner bekommen nur 120 Euro für eine Woche. Regierungschef Tsipras peilt Verhandlungen mit den Gläubigern an und fordert die Griechen auf, deren Bedingungen abzulehnen. So kommentiert die internationale Presse den Zick-Zack-Kurs der griechischen Regierung.

El Mundo (Spanien): Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ist in eine Art von Schizophrenie verfallen. Zuerst akzeptiert er in seiner Verzweiflung die Forderungen der Geldgeber und wenig später ruft er die Griechen dazu auf, das verlangte Sparpaket in einem Referendum abzulehnen.

Tsipras hat eingesehen, dass er mit einem Auto ohne Bremsen auf einen Abgrund zurast. Er will, dass die EU ihm hilft, weigert sich aber, seine Fehler einzugestehen. Seine widersprüchliche Haltung macht es der EU unmöglich, mit Athen eine Lösung zu vereinbaren. Sie ist zu einer Gefahr für das Land geworden.

Eine Pleite Athens hätte für Deutschland schwerwiegende Folgen.

Sme (Slowakei): Das Verhalten von Alexis Tsipras ist unverständlich. Für das Referendum empfiehlt er, die Gläubiger-Vorschläge abzulehnen. Aber mit seinem Brief wechselt er das Lager. Den Wählern erklärt er, dass er die Bedingungen für unannehmbar hält und deshalb zu einem "Nein" aufruft, - aber drei Tage vor dem Referendum akzeptiert er sie doch. Welchen Sinn hat ein Referendum, wenn die Regierung schon entschieden hat? Da ist die Haltung der Europäer konsequenter, die auf ein "Ja" im Referendum und den Sturz von Tsipras setzen.

De Morgen (Belgien): Eigentlich müsste die Frage gestellt werden, ob Griechenland in der Eurozone bleiben kann und will oder nicht, und ob es weiterhin zu der europäischen Familie gehören kann und will, die das Land 1981 in ihre Arme schloss.

Diese Frage ist zu wichtig, um auf die Schnelle abgehandelt zu werden. Noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem die Bevölkerung sich den Kopf darüber zerbricht, wie sie angesichts blockierter Konten noch Brot auf den Tisch bringen soll, wie sie im September das Studium ihrer Kinder bezahlen und am Ende des Monats ihre Miete oder Hypothekzinsen überweisen soll.

Die Frage über die griechische Mitgliedschaft reicht auch über die Grenzen hinaus. Es ist die Frage, was wir mit der Europäischen Union 2015 eigentlich wollen. Diese existentielle Debatte wird jetzt wichtiger als eine historische Schuldfrage.

Le Figaro (Frankreich): Angesichts der Unsicherheit, die dieses Szenario für die wirtschaftliche und politische Zukunft der EU bedeutet, wäre es das Mindeste für das deutsch-französische Tandem, eine gemeinsame Strategie und Vorgehensweise zu entwickeln. Nun aber ist es das Gegenteil, das sich vor unseren Augen abspielt: eine verwirrende Untätigkeit, die aus einem fundamentalen Widerspruch resultiert.

Es handelt sich nicht um eine simple taktische Uneinigkeit über die Vorzüge der Standhaftigkeit oder des Kompromisses. Zwei politische Kontexte und zwei Philosophien vertiefen den Graben zwischen Paris und Berlin. (...) Die griechische Angelegenheit ist bezeichnend für eine schwere deutsch-französische "Panne"

Spiegel.de: Nur wer selbstbezogen und unsolidarisch auf Europa blickt, mag kein Problem erkennen, wenn ein anderes Land aus der Gemeinschaft in Not gerät. Wenn Merkel sagt, Europa sei stark, dann meint sie: Wir haben uns abgesichert. Die Probleme der anderen gehen uns nichts an.

Nur wem europäische Werte wie Humanität und Gerechtigkeit wenig bedeuten, mag in Ruhe abwarten, während sich die Staaten der Union noch nicht einmal auf eine verbindliche Quote zur Aufnahme von Flüchtlingen einigen können, geschweige denn auf eine Migrationspolitik, die mehr ist als Abschottung.

FAZ: Offenkundig reißt der Regierung Merkel der Geduldsfaden; es kommt nicht oft vor, dass die Regierung eines EU-Landes derart angegangen wird, weil sie Dinge "ohne Sinn und Verstand" tut. Natürlich kann es vor der für Sonntag angesetzten Volksabstimmung keine neuen Verhandlungen geben. Zum Narren darf man sich nicht halten lassen, nicht von einer radikalen griechischen Regierung, die immer neue Kapriolen schlägt und wenig Skrupel hat, die eigene Bevölkerung ins Elend zu stürzen.