Vor der befürchteten Staatspleite Griechenlands betont Kanzlerin Angela Merkel, dass eine Einigung immer noch möglich sei. Doch das Grexit-Szenario wird immer konkreter, während die Gegner weiterer Hilfen für Athen immer mehr die Oberhand gewinnen. Wie stehen verschiedene Politiker, Ökonomen und Experten zum Grexit? Unsere Tabelle listet wichtige Aussagen der vergangenen Tage auf.

Pro Grexit oder skeptisch

Kontra Grexit

Jens Weidmann, Bundesbank-Chef:

"Eine Insolvenz Griechenlands ist riskant und Ansteckungseffekte sind nicht ausgeschlossen. Das darf jedoch kein Freibrief für Athen sein."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin:

"Die Bemühungen Deutschlands sind darauf gerichtet, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt."

Michael Grosse-Brömer, Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion:

"Notfalls ist ein Grexit hinzunehmen."

Gianis Varoufakis, griechischer Finanzminister:

"Ich glaube nicht, dass irgendein europäischer Politiker oder Bürokrat diesen Weg gehen wird."

Gerda Hasselfeldt, CSU-Landesgruppenvorsitzende:

"Ich glaube schon, dass alles versucht werden muss in Gesprächen und Verhandlungen, eine Lösung zu finden. Allerdings kann das nicht heißen: Hilfe um jeden Preis."

Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident:

"Ich wehre mich seit Monaten gegen den vermeintlich einfachen Weg, den man als Grexit bezeichnet."

Lettischer Finanzminister Janis Reirs:

"Die Möglichkeit eines Staatsbankrotts und Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone ist sehr groß."

Ioannis Stournaras, griechischer Notenbankchef:

"Ein Fehlschlag der Verhandlungen wird der Anfang eines schmerzhaften Kurses sein."

Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank:

"Eine absolute Katastrophe sehe ich überhaupt nicht.

Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag:

"Ein Grexit wäre die teuerste Lösung mit brutalen sozialen Verwerfungen in Griechenland und unvorhersehbaren Folgen für den Euro, die Wirtschaft und uns."

Wolfgang Bosbach, Chef des Innenausschusses des Bundestages:

"Würde Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden, wäre das ein deutliches Signal, dass wir permanenten Regelbruch nicht hinnehmen. Und dass wir nicht den Versuch akzeptieren, auf Dauer auf Kosten anderer Staaten zu leben."

Jean-Claude Trichet, ehemaliger EZB-Präsident:

"Ein Grexit ist historisch unverantwortlich von anderen Ländern, die Situation auszunutzen, um die Griechen hinauszuwerfen."

Hans- Werner Sinn, scheidender Ifo-Präsident:

"Griechenland muss die Eurozone verlassen, um seine Wettbewerbsfähigkeit wieder zu finden"

Ulrich Kater, Dekabank-Chefvolkswirt:

"Ein vorübergehender Austritt Griechenlands aus dem Euro im Zuge einer griechischen Zahlungsunfähigkeit ist nur Scheinlösung.".

Christine Lagarde, IWF-Chefin:

"Die Zahlung von Griechenland ist am 30. Juni fällig. Es gibt keine Gnadenfrist von einem oder zwei Monaten. Wenn das am 1. Juli nicht bezahlt ist, ist es nicht bezahlt."

Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft:

"Ein Grexit wäre sehr risikoreich, und vor allem die politischen Folgen lassen sich kaum abschätzen."

Jeroen Dijsselbloem, Eurogruppenchef:

"Es gibt noch wesentliche Lücken. Ich bin nicht sicher, ob wir Fortschritte machen werden."

Andreas Andreadis, Chef des Tourismusverbands Griechenlands:

"Grexit wäre der absolute Irrsinn. Wir werden 30 bis 50 Prozent unserer Löhne und Renten verlieren, damit die Ausgaben des Staatssektors nicht um ein Prozent des Bruttoinlandproduktes gekürzt werden."

Christoph Schmidt, Chef der Wirtschaftsweisen:

"Der schlechteste und teuerste Weg wäre es, den Forderungen aus Athen nachzugeben, um den Grexit um jeden Preis zu verhindern. das können und dürfen die Mitgliedstaaten des Euro nicht zulassen."

Michel Sapin, französischer Finanzminister:

"Es gibt nur einen Plan: Griechenland im Euro, Griechenland in Europa und in der Eurogruppe."

Pierre Moscovici, EU-Währungskommissar:

"Ich will kein modernes Waterloo, in dem wir einen Staat gegen alle anderen vorfinden."

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments:

"Grexit ist eine unkalkulierbare Gefahr für die Weltwirtschaft."

(Zusammengestellt von she)