In Deutschland herrscht akuter Mangel an Fachkräften. Die vorhandenen freien Stellen sollen daher zunehmend mit Arbeitnehmern aus dem Ausland besetzt werden. Doch bleiben dabei die deutschen Arbeitslosen auf der Strecke?

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Der Fachkräftemangel ist für Unternehmen in Deutschland ein großes Problem. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vor einem Spitzentreffen im Kanzleramt an diesem Montag gaben 56 Prozent der Firmen an, dass dies das größte Geschäftsrisiko darstelle.

Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.

Bundesregierung, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften kommen daher im Kanzleramt zu einem Spitzentreffen zusammen, bei dem es darum gehen soll, wie das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz schnell wirken kann. Es tritt am 1. März 2020 in Kraft und soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen.

So will Deutschland die Weichen für die Einwanderung von Fachkräften stellen. Doch auch hierzulande sind Hunderttausende ohne Arbeit. Könnten diese denn nicht alle Fachkräfte-Lücken schließen?

Können deutsche Arbeitslose den Fachkräftemangel beheben?

BEWERTUNG: Nein. Denn unter anderem passen die Qualifikationen von Arbeitslosen nicht immer zu den Jobanforderungen.

FAKTEN: Im November waren bei der Bundesagentur für Arbeit 2,18 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, etwa 700 000 davon seit mehr als zwölf Monaten. Hinzu kommen weitere potenzielle Arbeitnehmer, die derzeit in Maßnahmen wie Weiterbildungen stecken oder arbeitsunfähig erkrankt sind. Zusammengerechnet liegt die Zahl der sogenannten Unterbeschäftigten bei 3,14 Millionen Menschen.

Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für das dritte Quartal 2019 erhob, gibt es in Deutschland 1,36 Millionen unbesetzte Stellen. Etwa die Hälfte davon sind bei der Arbeitsagentur gemeldet. Theoretisch kommen also auf 100 freie Arbeitsplätze etwa 230 Unterbeschäftigte. Es scheint hierzulande einen Überschuss zu geben.

"Make it in Germany": Mit diesem Slogan wirbt Deutschland um ausländische Fachkräfte, die der deutschen Wirtschaft bislang fehlen. Die Bundesregierung will mit einem Gipfel gegensteuern und Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern ins Land bringen. Das Spitzentreffen beginnt am Montagabend in Berlin.

Arbeitssuchende nicht mobil genug

Aber so leicht ist ein Vergleich natürlich nicht. Die meisten der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen richteten sich an Menschen mit Berufsschulabschluss, berechnete Anfang 2019 das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Doch kommt jeder zweite der rund 2,2 Millionen Arbeitslosen für Jobs infrage, für die keine abgeschlossene Berufsausbildung verlangt wird. Ihnen bleiben freie Fachkräfte-Stellen in der Regel verwehrt. Zudem müssten Arbeitslose auch gewillt sein, in eine Region zu ziehen, in der es einen Mangel an Fachkräften gibt.

Zwar können Menschen qualifiziert werden - etwa vom Altenpflegehelfer, wo es keine Engpässe gibt, zum Engpass-Beruf des Altenpflegers. Das erfordert aus Sicht des IW aber ein hohes Maß an Engagement und Willen von Arbeitssuchenden und Unternehmen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen auf, damit über Qualifizierung und Weiterbildung auch hierzulande mehr Fachkräfte gewonnen werden können.

Zuwanderung auch aus Nicht-EU-Staaten

Doch auch der DGB ist zusätzlich für eine Anwerbung aus dem Ausland. So schaut sich die deutsche Wirtschaft etwa bei Handwerk, Bau, Pflege und Gesundheit händeringend nach Fachleuten um - im Inland und auch im Ausland.

Da nach Ansicht der Bundesregierung die Zuwanderung aus EU-Staaten tendenziell abnehmen wird, setzt Berlin auch auf das Potenzial an qualifizierten Mitarbeitern aus Nicht-EU-Staaten - zunächst etwa aus Mexiko, Brasilien, Indien und Vietnam.

Von einem "umfassenden Fachkräftemangel" in Deutschland will die Bundesagentur allerdings nicht sprechen. "Vielmehr zeigen sich in einigen Berufen und Regionen spürbare Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen", heißt es in ihrer jüngsten Analyse vom Juni 2019. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sieht allerdings vor, die Zuwanderung nicht mehr auf Engpassberufe zu beschränken. (dpa/dh)

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