Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica soll widerrechtlich die Daten von 50 Millionen privater Facebook-Profile ausgewertet haben. Das soziale Netzwerk steht deswegen massiv unter Druck. Wie die Washington Post berichtet, droht dem US-Konzern zudem einen Strafe in Billionenhöhe.

Bereits am Montag hatte der Skandal um Cambridge Analytica und Facebook konkrete Auswirkungen gezeigt: Denn zu Beginn der neuen Woche büßte der Aktienkurs des sozialen Netzwerks zeitweise über sieben Prozent ein. Das Resultat: Verluste in Milliardenhöhe für den Konzern.

Wie die "Washington Post" berichtet, könnte die Affäre um das Datenleck für Facebook aber noch ein wesentlich teureres Nachspiel haben. Denn dem Konzern drohen scheinbar Strafzahlungen von mehreren Billionen.

Millionen Nutzer ausgespäht

Kern des Skandals ist der illegale Zugriff der Datenanalysefirma Camebridge Analytica auf 50 Millionen Facebook-Profile. Aufgedeckt wurde dieser über die Aussagen des ehemaligen Mitarbeiters des Unternehmens, Christopher Wylie.

Ihm zufolge waren über die App "thisisyourdigitallife" Persönlichkeitstest von 270.000 Nutzern auf der Plattform erhoben worden. Zusätzlich zu der Umfrage hätten die Teilnehmer der App Zugriff auf ihr Facebook-Profil gegeben und erlaubt, Daten von diesem auszulesen und zu übertragen. Facebook selbst hatte dem Projektleiter Dr. Aleksandr Kogan diesen Vorgang genehmigt.

Das Problem: Laut Wylie griff die App auch auf die Daten der Facebook-Freunde besagter Nutzer zu, insofern dies nicht durch deren Datenschutz-Einstellungen verhindert wurde. So soll das Programm die Profile von rund 190 Personen pro freiwilligem Teilnehmer ohne deren Wissen ausgewertet haben. Diese Daten seien dann widerrechtlich an Cambridge Analytica weitergegeben worden.

Die Daten soll das Unternehmen verwendet haben, um Persönlichkeitsprofile der Nutzer zu erstellen. Diese wiederum seien dazu genutzt worden, Einfluss auf verschiedene Abstimmungen wie die US-Wahlen 2016 und das Brexit-Referendum zu nehmen.

Verstoß gegen FTC-Regularien

Die widerrechtliche Datensammlung könnte Facebook nun teuer zu stehen kommen. Das berichtet die Washington Post unter Berufung auf die ehemaligen US-Beamten der "Federal Trade Commission" (FTC) David Vladeck und Jessica Rich. 2011 hat das soziale Netzwerk eingewilligt, sich bezüglich des Datenschutzes unter die Aufsicht der Behörde zu stellen.

Das Abkommen legt unter anderem fest, dass Nutzer benachrichtigt werden und ihre ausdrückliche Zustimmung geben müssen, sollten ihre Informationen über ihre Datenschutzeinstellungen hinaus weitergegeben werden.

Dies sei bei den Facebook-Freunden der Umfrageteilnehmer scheinbar nicht der Fall gewesen. Da ein Verstoß gegen die Richtlinie mit einer Summe von 40.000 US-Dollar geahndet wird, droht Facebook eine Strafzahlung von grob zwei Billionen Dollar, falls sich alle Vorwürfe bestätigen.

Mehrere Ermittlungen eingeleitet

Laut David Vladeck sei es allerdings unwahrscheinlich, dass es tatsächlich so weit kommt. Dennoch könnte die Strafe für Facebook seiner Meinung nach sehr hoch ausfallen.

Rich betonten, dass in dem Fall sowohl Verstöße gegen US-amerikanisches als auch europäisches Recht vorliegen könnten. Ob dies wirklich der Fall ist, müsse sich allerdings erst zeigen.

Untersuchungen wurden bereits eingeleitet. Am Samstag gab die Staatsanwaltschaft von Massachusetts bekannt in dem Fall zu ermitteln.

Auch die Datenschutzbeauftragte von Großbritannien, Elizabeth Denham, kündigte eine Untersuchung an. Die EU will die Vorfälle ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen, wie der Präsident des EU-Parlaments, Antonio Tajani, auf Twitter mitteilte:

Ein Passwort für alle Online-Konten ist beinahe eine Einladung für Hacker. Trotzdem gehen nach wie vor viele Internetnutzer recht sorglos mit ihren Passwörtern um, zeigt eine aktuelle Umfrage.