Eine Hyperinflation mit rasant ansteigenden Lebensmittel- und Benzinpreisen bringt nach Ansicht von Experten Millionen Menschen in Simbabwe an den Rand ihrer Existenz. Der Anstieg der Lebenshaltungskosten zwei Monate vor den Wahlen in dem Land im südlichen Afrika sei "alarmierend", sagten Wirtschaftsexperten am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Löhne und Ersparnisse schrumpfen in besorgniserregendem Tempo. Die Menschen können mit den steigenden Preisen nicht mehr Schritt halten. Sogar Lebensmittel werden unbezahlbar", sagte die Direktorin des nationalen Verbraucherrats, Rosemary Mpofu.

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Der Preis für einen Laib Brot stieg in der örtlichen Währung, dem Simbabwe-Dollar, seit Januar bereits um ein Vielfaches an. "Familien müssen schwierige Entscheidungen treffen: Bringen sie Essen auf den Tisch oder kaufen sie Medikamente oder zahlen ihre Stromrechnung?", sagte Ökonom Gift Mugano in Harare. Kosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel hätten sich etwa versechsfacht. Aufgrund häufiger Benzinengpässe stehen Autofahrer oft Stunden an Tankstellen Schlange. Zudem hätten Stromausfälle von 12 zu 18 Stunden pro Tag die seit langem kriselnde Wirtschaft nahezu zum Stillstand gebracht.

Wirtschaftsprofessor: "Mnangagwas Kurs ist Paradebeispiel für wirtschaftliche Dummheit und Korruption"

Nach Berechnung des Wirtschaftsprofessors Steve Hanke von der US-Universität Johns Hopkins beträgt Simbabwes jährliche Inflationsrate etwa 1300 Prozent. Die Wirtschaftspolitik von Präsident Emmerson Mnangagwa habe zur Hyperinflation geführt, schrieb Hanke auf Twitter. Mnangagwas Kurs sei ein Paradebeispiel für "wirtschaftliche Dummheit und Korruption" und führe das Land "in den Ruin", so Hanke. Die Strategie der Zentralbank, immer mehr Simbabwe-Dollar in Umlauf bringen, lässt die Währung einbrechen.

Der Simbabwe-Dollar wird daher immer weniger genutzt - wer es sich leisten kann, weicht auf den US-Dollar aus, der überall akzeptiert wird. Allerdings hat nur eine Minderheit der Simbabwer zuverlässig Zugang zu harter Währung. Anfang des Jahres kostete ein US-Dollar noch etwa 150 Simbabwe-Dollar, inzwischen sind es fast 7000.

Das weckt bei den Simbabwern böse Erinnerungen: Infolge einer Wirtschaftskrise 2008-2009 kam es zur Hyperinflation. Selbst Scheine über 100 Milliarden Simbabwe-Dollar waren damals bald wertlos.

Das rohstoffreiche Simbabwe, einst eine britische Kolonie, galt früher als Kornkammer Afrikas. Simbabwe wurde aber während der Amtszeit von Langzeitpräsident Robert Mugabe und dessen Nachfolger Mnangagwa immer weiter heruntergewirtschaftet. Am 23. August finden in dem Land mit 16 Millionen Einwohnern Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Mnangagwa strebt eine zweite Amtszeit an.   © dpa

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