Die Parfümeriekette Douglas spart radikal und entlässt Tausende Mitarbeiter. Chefin Tina Müller setzt ihre Hoffnungen auf das Digitalgeschäft.

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Europas größte Parfümeriekette Douglas reagiert mit einem massiven Sparprogramm auf die Corona-Pandemie. Geschäftsführerin Tina Müller plant, bis zum Herbst kommenden Jahres 500 der 2.400 Filialen in Europa zu schließen und mehr als tausend Mitarbeiter zu entlassen. Allein in Deutschland müssen demnach 600 Angestellte gehen, rund 60 der 430 Douglas-Shops hierzulande sind von dem Kehraus betroffen.

Das Onlinegeschäft will Müller dagegen weiter ausbauen. 2020 erwirtschaftete der Düsseldorfer Konzern hier erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und eine zweistellige operative Gewinnmarge.

Das Sparprogramm sei "eine logische Konsequenz aus dem Trend zum Onlinehandel", sagte Müller dem SPIEGEL. "Wir passen das Filialnetz jetzt genau so an, wie es aus heutiger Sicht richtig ist." Die Bewegung in den Onlinehandel werde weitergehen. "Und ich kann heute noch nicht sagen, wo genau die Online-Reise hingeht", so Müller.

Verhandlungen über Abfindungen laufen

Nach Informationen des SPIEGEL rechnet Müller für die Schrumpfkur mit einmaligen Kosten von etwa 70 Millionen Euro. Der operative Gewinn soll jährlich allein durch die Filialschließungen um rund 100 Millionen Euro steigen, gekündigte Mitarbeiter in Deutschland sollen von einer Transferagentur unterstützt werden.

"Wir wissen, wie schwierig es derzeit im Einzelhandel ist, einen neuen Job zu finden", so Müller. "Den Mitarbeitern, von denen wir uns hier trennen müssen, möchten wir bei der beruflichen Neuorientierung helfen."

Das Management verhandle derzeit mit den Betriebsräten über Abfindungen. Dabei sollen keine Unterschiede gemacht werden zwischen Filialen mit oder ohne Betriebsrat. Das Abfindungsangebot des Konzerns sei höher als in der Branche üblich.

Douglas kämpft seit Längerem mit Überkapazitäten im stationären Einzelhandel. Vor allem in Südeuropa ist das Filialnetz durch frühere Zukäufe stark gewachsen, doch die Kundenfrequenzen in den Innenstädten gehen zurück – auch verstärkt durch die Corona-Pandemie. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im September endete, erwirtschaftete der Konzern mit 3,2 Milliarden Euro insgesamt 6,4 Prozent weniger Umsatz.

Douglas will Onlinehandel ausbauen

Aus Sicht von Müller ist das schon ein Erfolg angesichts eines massiven Umsatzeinbruchs im Filialgeschäft, der durch das Plus beim E-Commerce zumindest etwas aufgefangen wurde. Die hohen Kosten konnte das jedoch nicht ausbügeln. Das operative Ergebnis sank um über 16,7 Prozent auf 292 Millionen Euro.

Den Onlinehandel will Douglas noch weiter ausbauen und die verbleibenden Filialen zusehends einbinden. Für das vergangene Geschäftsjahr vermeldeten die Düsseldorfer im Digitalgeschäft 40,6 Prozent Wachstum auf 822 Millionen Euro Umsatz. Ein Viertel des Geschäfts erwirtschaftet die Kette mittlerweile online, im Heimatmarkt fast 40 Prozent. Langfristig will Müller die Parfümeriekette zu einem Onlinehändler mit angeschlossenem Filialnetz umbauen.  © DER SPIEGEL

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