Politikerinnen der CDU-/CSU-Fraktion wollen die Arbeitsbedingungen von Prostituierten verbessern und fordern daher staatlich geprüfte Gütesiegel für Bordelle. Die Einführung einheitlicher Standards ist allerdings nicht so einfach.

Christina Schwarzer vom Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sagte zu "Bild": "Ich finde die Idee eines Gütesiegels sehr gut! So können wir sicherstellen, dass es zumindest in Bordellen gewisse Standards zum Schutz der Frauen gibt."

Gütesiegel "hundertprozentig nicht durchsetzbar"

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel fordert zusätzliche Kontrollen: "Das Bordell sollte aber auch mindestens alle sechs Monate und ohne Ankündigung auf Einhaltung der Standards überprüft werden. Hier könnten die Kunden dann sofort etwas über den Zustand des Bordells erfahren. Halten die Bordelle die Standards nicht ein, muss das Siegel auch wieder entzogen werden."

Wie die "Bild"-Zeitung weiter berichtet, soll das Gütesiegel an Häuser vergeben werden, die Mindeststandards in den Bereichen Hygiene, Bezahlung, Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Führungszeugnis für Betreiber erfüllen. Ein staatlich anerkanntes Gütesiegel ist jedoch schon deshalb problematisch, weil Prostitution Ländersache ist. Kondompflicht herrscht in Bayern beispielsweise ohnehin.

Doch was hält man in Bordellen von den Ideen aus der Politik? Florian Rius, Wirtschafter im Münchner Traditionslaufhaus "Leierkasten", hält auf Anfrage nichts von den Vorschlägen: "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass das nicht durchsetzbar ist. Regelmäßige Gesundheitskontrollen waren früher schon einmal Pflicht und wurden wohl aus gutem Grund wieder abgeschafft. Warum sollte man das jetzt wieder einführen?"

Kunden würden nicht auf das Gütesiegel achten

Im "Leierkasten" seien die Damen ohnehin selbstständig angestellt. Um ihre Versicherung und den Lohn kümmerten sie sich selbst, der Betreiber habe keine Einsicht in den Verdienst. Würden regelmäßige Gesundheitschecks gefordert, müssten sich die Frauen ebenfalls eigenständig darum kümmern.

Ein Vertrauensgewinn bei den Bordell-Besuchern sei durch ein Gütesiegel am Eingang auch nicht zu erwarten: "Meiner Erfahrung nach denken die Kunden nicht über so etwas nach. Ich glaube nicht, dass sie auf ein Siegel achten würden. Sie kommen zu uns mit ganz klaren Bedürfnissen", sagt Rius. "Prostitution ist viel gesellschaftsfähiger geworden. Vom 18- bis zum 95-Jährigen kommen alle zu uns."

Beschwerden seien im "Leierkasten" selten, von Kunden- und Betreiberseite ist man mit dem derzeitigen Status sehr zufrieden. Von daher blicke man gelassen auf die Einfälle aus der Politik.