Eine Studie mit Menschen über die Auswirkungen von Stickstoff auf die Gesundheit soll nichts mit dem Diesel-Skandal zu tun haben. Das sagt das für die Untersuchung verantwortliche Institut. Zugleich entschuldigt sich VW für an Affen durchgeführte Tests über die Auswirkungen von NO2.

Angebliche Schadstoffversuche mit Menschen haben nach Angaben des zuständigen Institutsleiters Thomas Kraus von der Universität Aachen keinerlei Verbindung mit dem Abgasskandal.

Die Studie von 2013 - lange vor dem VW-Dieselskandal - habe sich mit dem Stickstoffdioxidgrenzwert am Arbeitsplatz befasst, erklärte Kraus am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Worum es bei den Tests an Menschen ging

Weil der Grenzwert herabgesetzt worden sei und es keine Studien zu Menschen gegeben habe, seien 25 gesunde Menschen Belastungen ausgesetzt worden, die unterhalb der Belastungen am Arbeitsplatz lägen. Die Ethikkommission habe die 2016 veröffentlichte Studie als vertretbar bewertet.

Allerdings habe die von den Konzernen VW, Daimler und BMW gegründete Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) die Studie gefördert, die Forscher jedoch "in keinster Weise" beeinflusst, sagte Kraus.

Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten.

Kraus erklärte, die NO2-Konzentration für die Studie sei vergleichbar mit der in der Umwelt gewesen.

Die Probanden seien dieser Konzentration für drei Stunden ausgesetzt worden, gesundheitliche Effekte habe es nicht gegeben. "Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Dieselskandal", betonte er.

VW entschuldigt sich für Tierversuche

Tierversuche beim Test von Dieselabgasen hatten zuvor Empörung ausgelöst. Sie wurden durch US-Ermittlungen zur VW-Abgasaffäre bekannt. Affen waren dabei gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden.

Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hat sich dafür nun entschuldigt und die Versuche als "in keinster Weise nachvollziehbar" bezeichnet.

"Im Namen des gesamten Aufsichtsrates distanziere ich mich mit allem Nachdruck von derlei Praktiken", sagte Pötsch nun. Die Vorgänge müssten "vorbehaltlos und vollständig aufgeklärt werden".

Er kündigte an, dass sich der Aufsichtsrat bald mit dem Thema beschäftigen werde. "Ich werde alles dafür tun, dass der Vorgang umfassend untersucht wird. Wer auch immer dafür Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverständlich zur Rechenschaft zu ziehen."

Volkswagen hatte sich am Wochenende für die Versuche in den USA entschuldigt, bei denen Affen gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Diese Tests waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat.

Deshalb hatte die EUGT ("Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor") - eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative - sie beim US-amerikanischen "Lovelace Respiratory Research Institute" in Auftrag gegeben. Federführend war laut Studienleiter dabei VW.

CDU-Minister warnt vor Vertuschung

Der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann hat derweil vor einer Vertuschung gewarnt.

"Die Verantwortlichen für diese Versuche verschiedener Autobauer werden sich jetzt ihrer Verantwortung stellen müssen", forderte der CDU-Politiker. "Hier darf es kein Vertuschen oder Verharmlosen geben. Ich rate dringend dazu, hier alles auf den Tisch zu legen."

Es seien ethische Grenzen überschritten worden, was weder entschuldbar noch nachvollziehbar sei. Solche Versuche seien "dumm und töricht", den Diesel-Skandal womöglich verharmlosen zu wollen, sei dreist.

Das Land Niedersachsen ist VW-Großaktionär. Es hatte schon am Samstag mitgeteilt, seine Vertreter im Kontrollgremium verlangten eine vollständige Aufklärung der Geschehnisse von 2014, von denen sie aus den Medien erfahren hätten. (cai/dpa)