Müssen Diesel-Fahrzeuge aufwendiger als bisher geplant nachgerüstet werden? Diese Frage steht derzeit im Mittelpunkt der Debatte im Abgas-Skandal. Es gibt neue Berechnungen, was das kosten würde.

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Technische Nachrüstungen statt reiner Software-Updates bei älteren Diesel-Fahrzeugen der Schadstoffklassen Euro 5 und 6 würden Berechnungen zufolge bis zu 15 Milliarden Euro kosten. Das geht aus Modellen der Deutschen Umwelthilfe sowie der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Als erstes hatte "Spiegel online" darüber berichtet.

Die Grünen hatten nur die Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5 für ihre Berechnung herangezogen und kamen auf Kosten von rund 5 Milliarden Euro.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nahm auch Autos mit der Norm Euro 6 in ihre Berechnungen auf: So kommen die 15 Milliarden Euro für die Nachrüstungen zustande.

Umbauten an Motor oder Abgasanlage sind umstritten

Hardware-Nachrüstungen, also Umbauten an Motor oder Abgasanlage, sind umstritten. Die Autobranche lehnt sie als zu aufwendig und zu teuer ab.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich skeptisch: Hardware-Nachrüstungen seien "kostenintensiv", sagte sie zum Abschluss einer Klausur des Bundeskabinetts im brandenburgischen Schloss Meseberg.

Die Bundesregierung werte derzeit noch verschiedene Gutachten zu Hardware-Nachrüstungen aus. Nutzen und Kosten müssten aber in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

Aus Sicht von Umweltverbänden reichen Software-Updates der Hersteller nicht aus, um die Schadstoff-Emissionen angemessen zu senken. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Diesel-Fahrzeuge sind ein Hauptverursacher. Es drohen Diesel-Fahrverbote.

Laut der Grünen-Berechnung sind in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung derzeit rund 5,2 Millionen Autos zugelassen. Demnach wäre es nicht zielführend, alle Euro-5-Fahrzeuge technisch nachzurüsten.

Bei rund zehn Jahre alten Euro-5-Fahrzeugen sei eine Aufrüstung mit einem sogenannten SCR-Katalysator nur bedingt sinnvoll, wenn die Abmeldung in Deutschland zeitnah erfolgen dürfte. Zudem würden einige Halter in ländlichen Gebieten eine Nachrüstung ihres Fahrzeuges ablehnen, weil sie selten bis nie in die betroffenen Innenstädte fahren würden.

Grüne rechnen mit einer Umrüstungsquote von 80 Prozent

Daher gehen die Grünen von einer Umrüstungsquote von 80 Prozent aus, sowie von Nachrüstkosten in Höhe von 1.800 Euro pro Fahrzeug.

Das würde bedeuten, dass auf Volkswagen als Marktführer rund 2,6 Milliarden Euro entfallen würden, auf BMW rund 660 Millionen Euro und auf Daimler rund 530 Millionen Euro. Ford müsste knapp 400 Millionen Euro ausgeben, Opel 310 Millionen.

"Die Nachrüstkosten schränken in keiner Weise die Wettbewerbsfähigkeit ein, und schon gar nicht gefährden sie die Zukunft der Hersteller", sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch sagte, es führe kein Weg an der technischen Nachrüstung der Bestandsflotte von rund zehn Millionen Diesel-Pkw der Abgasstufen Euro 5 und 6 vorbei.

Kein einziger der in diesem Winterhalbjahr von der Umwelthilfe getesteten Diesel-Pkw habe bei Straßenmessungen den Abgasgrenzwert für Stickoxide eingehalten. (ank/dpa)