Die Weihnachtsgeschichte ist ein fester Bestandteil der christlichen Erzählung zu Heiligabend. Kinder wachsen mit ihr auf, sie erweckt in Gedanken jede Krippe zum Leben. Doch wie viel Wahrheit steckt eigentlich in dieser weltberühmten Geschichte? Eine Spurensuche.

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Neues Testament, Evangelium nach Markus. Auftritt: Messias. Aber über Jesu Geburt kein Wort. Im wohl ältesten biblischen Evangelium führt der Erzähler, Evangelist Markus, Jesus erst mit dessen Taufe ein.

Alles zuvor Geschehene ist aus seiner Sicht schlicht irrelevant. Auch Evangelisten-Kollege Johannes lässt die Geschichte des Gottessohnes erst mit dessen Taufe beginnen. Keine Weihnachtsgeschichte, nirgends.

Es sind Matthäus und Lukas, die mit Jesu Geburt beginnen. In ihren Schilderungen stimmen einige Dinge überein: Jesus wird in Bethlehem zur Zeit des Herodes von einer Frau namens Maria geboren, die mit einem Mann namens Josef verlobt ist.

Ist Bethlehem wirklich der Geburtsort Jesu?

Doch zahlreiche Theologen und Historiker bezweifeln schon, dass Bethlehem wirklich Jesu Geburtsort war.

Neutestamentler Thomas Söding wendet ein: "Immerhin schreiben beide Evangelisten, dass Jesus dort geboren worden sei. Deshalb würde ich Bethlehem als Geburtsort zumindest nicht komplett ausschließen." Dazu später mehr.

Die grundsätzliche Frage ist jedoch: Wie sinnvoll ist es überhaupt, in der Bibel nach historischen Fakten über Jesus zu suchen?

Aus theologischer Sicht: gar nicht. Denn die Evangelien drehen sich zwar um eine geschichtliche Gestalt. Dass Jesus tatsächlich gelebt hat, ist aufgrund verschiedener Zeugnisse unbestritten.

Aber der christliche Glaube bezieht sich vor allem darauf, dass in der Geschichte Jesu "Gott zu Wort und Wirkung kommt". So beschreibt es etwa Theologe Klaus Wengst.

Die Geschichte Jesu hat mit Gott zu tun - das ist der Kern der biblischen Texte. Sie haben keine historische Funktion. Deshalb wäre es wohl besser, die Weihnachtsgeschichte unter symbolischen Aspekten zu beleuchten.

"In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl...", so der Anfang der weltberühmten Version des Evangelisten Lukas.

Einordung in weltpolitischen Kontext

Kaiser Augustus war damals eine politisch wichtige Figur - im weltweiten Maßstab. Damit macht Lukas von Beginn an klar: "Jesu Geschichte geht alle Welt an", so Thomas Söding. Dies unterstreicht auch die Erwähnung der Volkszählung des Statthalters Quirinius.

Lukas nutze "pseudohistorisch den Zensus des Quirinius, um die Geburt Jesu in einen größeren weltgeschichtlichen Rahmen zu stellen", ordnet Theologe Christoph Levin ein.

Die Volkszählung ist nämlich historisch belegt - passt aber eben zeitlich nicht ganz zu den anderen geschichtlichen Bezügen bei Lukas. "Bestimmte Aspekte sind zusammengezogen und verdichtet", so Neutestamentler Söding.

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Evangelist Lukas lässt also Josef für die Zählung aus Nazareth nach Bethlehem ziehen.

Josef ist ein Nachfahre des großen Königs David. Der wiederum wurde laut Altem Testament in Bethlehem geboren, also muss Jesus, Sohn des David-Nachfahren, auch dort zur Welt kommen. Klingt logisch.

Und da wir gerade bei David und dem Alten Testament sind: David legte eine beachtliche Karriere hin - vom Hirtenjungen zum König. Wohl deshalb spielen Hirten eine durchaus bedeutende Rolle in Lukas' Weihnachtsgeschichte, ganz in Davidscher Tradition.

Hirten hier, Heiden dort

Hirten sucht man bei Matthäus allerdings vergebens. In seiner Version sind es Sterndeuter aus dem Osten, die dem neugeborenen König der Juden huldigen wollen.

"Das waren Heiden. Doch sie hatten Zugang zum Glauben, weil sie Wissenschaft betrieben", so Söding.

Durch den Stern kommen sie allerdings erst einmal nach Jerusalem, zu Herodes, den sie fragen, wo denn der König geboren sei.

Herodes hat keine Ahnung, wovon sie sprechen - und fragt seine Schriftgelehrten. Diese kennen die Vorhersage des Propheten Micha aus dem Alten Testament. Aus Bethlehem werde einer hervorgehen, "der über Israel herrschen soll".

Rückbezüge zu Vorhersagen aus dem Alten Testament stehen also bei den Evangelisten hoch im Kurs. Logischerweise. Denn in ihren Texten sollen im Rückblick erkannte theologische Zusammenhänge ausgeleuchtet werden, so Theologe Söding.

Die Weihnachtsgeschichte ist Teil eines Glaubenszeugnisses - ein besonderer Teil, betrachtet man ihre Wirkung auf viele Menschen.

Söding: "Sie geht mir zu Herzen, jedes Mal wieder. Ich finde sie äußerst kostbar. Es ist grandios, wie darin ein Sinn-Kosmos entsteht." (mwo/dpa)

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