Es sind nur vier Buchstaben. In der richtigen Reihenfolge dürften sie aber wohl bei jedem sofort ein Lied auf die Lippen zaubern: Nena. Seit 40 Jahren steht die Hagenerin nun schon auf der Bühne. Das ZDF feierte deswegen gestern Abend mit "NENA – Nichts versäumt" eine große Jubiläumsparty für die Sängerin.

Nun sollte man nicht den Fehler machen, Internet-Suchmaschinen als wissenschaftlichen Beweis für oder gegen eine These zu verwenden. Trotzdem ist es manchmal ganz spannend, was man bei manchem Suchbegriff so ausgespuckt bekommt.

Sucht man beispielsweise nach "Nena hassen", kommt man nicht besonders weit. Außer einem alten Forumseintrag werden vor allem Treffer zu Nenas Lied "Ganz gelassen" angezeigt. Darin heißt es bezeichnenderweise: "Aber einmal werd' ich ganz gelassen, an dir vorbeigehn, ohne dich zu hassen."

In der Tat scheint das Phänomen Nena ohne Hass auszukommen. Solche Töne hört man jedenfalls von der Künstlerin selbst nicht und auch bei den Menschen, so scheint es, gibt es niemanden, der Nena oder ihre Lieder hasst, schlimmstenfalls ist einem die Sängerin einfach egal.

Das verwundert aus zwei Gründen ein wenig, denn zum einen hätte es in den 40 Jahren, in denen Nena nun schon auf der Bühne steht, reichlich Gelegenheit gegeben, sie nicht zu mögen. Und zum anderen leben wir in Zeiten, in denen gerne einmal öffentlich gehasst wird. Versuchen Sie obigen Suchmaschinentest nur einmal statt mit Nena mit Justin Bieber und Sie werden wissen, was ich meine.

40 Jahre Nena: sitzen, sprechen, singen

Gestern Abend verschaffte sich das ZDF selbst die Gelegenheit, sich näher mit dem Phänomen Nena zu beschäftigen. Mit der zweieinhalbstündigen Show "NENA – Nichts versäumt" feierten die Mainzer das 40-jährige Bühnenjubiläum, Thomas Gottschalk moderierte.

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ZDF, Bühnenjubiläum, Musik, Thomas Gottschalk – bei dieser Kombination könnten sich einem nicht ganz zu Unrecht die Nackenhaare aufstellen, denn das klingt bei Alt-Rock-Fan Gottschalk gerne einmal so, wie wenn Opa vom Krieg erzählt. Dass es gestern Abend aber nur ganz wenige solcher Momente gab, lag vor allem daran, dass man sich bei der Show im Vorfeld offenbar Gedanken gemacht hat – und zwar die richtigen.

Denn das Konzept der Show war denkbar einfach: Gottschalk sitzt mit Nena und ihren Weggefährten auf einem Sofa und redet so lange mit ihnen über alte Zeiten, bis der nächste Künstler auf der Bühne steht und seine eigene Interpretation eines Nena-Songs darbietet. Sitzen, sprechen, singen – viel mehr war nicht und viel mehr musste auch gar nicht sein.

The BossHoss, Sasha, Gianna Nannini, Zara Larsson, Wanda, Daniel Wirtz, Wolfgang Niedecken, Dave Stewart oder Samy Deluxe: Es war ein eigenwilliges, aber durchaus stimmiges Sammelsurium an Künstlern, die da auf der Bühne standen und da passte dann auch irgendwie Thomas Gottschalk dazu, weil es in Deutschland wohl (immer noch) keinen passenderen Moderator gibt, der so gut als Generationen zusammenhaltende Klammer funktioniert.

"Nena mondiale"?

Da nimmt man es ihm gestern Abend dann auch nicht krumm, dass er nicht müde wurde zu betonen, was für ein Weltstar die Nena doch sei. Als ob es von Belang wäre, ob man Nena nun nur in Neu-Ulm oder auch in New York kennt.

In Wahrheit haben sich Nenas Alben nämlich fast ausschließlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Charts platziert. Nenas einziger weltweiter Hit war "99 Luftballons". Ansonsten gilt Nena in den USA und Großbritannien eher als One-Hit-Wonder denn als Weltstar.

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"Nena mondiale", wie Gianna Nannini sie gestern in Bezug auf "99 Luftballons" nannte, ist daher ein eher relativer Begriff und nicht umsonst hat man sich diesen Song auch für das große Finale aufgehoben, als sich alle Gäste in der Studiomitte versammelten, um Nena nochmal so richtig zu feiern.

Das soll natürlich ihren Erfolg nicht schmälern, gehört aber einfach auch zur Wahrheit über Nena. Gesprochen wurde darüber aber nicht, ebenso wie über die relative Erfolgsdurststrecke in den 1990ern. Das ist insofern schade, weil es mindestens genauso interessant gewesen wäre und zu einem Musikerleben dazugehört. Stattdessen bejubelte man gestern ganz erfolgsfixiert lieber nur die zahlreichen Erfolge.

"NENA – Nichts versäumt": Zumindest wenig versäumt

Trotzdem hat "NENA – Nichts versäumt" tatsächlich wenig versäumt, aber dafür vieles richtig gemacht. Zwar hat man über Gabriele Susanne Kerner, wie Nena mit richtigem Namen heißt, nicht allzu viel erfahren, über die Künstlerin Nena dafür umso mehr.

Zum Beispiel über ihre Anfangszeit in den 1970ern, als ihr Geburtsort Hagen mit Leuten wie Kai Havaii oder den Humpe-Schwestern als kleines NDW-Zentrum Deutschlands galt. Oder über ihr erstes Treffen mit Gianna Nannini bei einer Show, als die Italienerin Nena für die Maskenbildnerin hielt.

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Oder auch über den Wunsch der Plattenfirma, dass Nena, die damals noch auf Englisch sang, es doch einmal mit Deutsch probieren sollte. Nena gehorchte und legte 1982 mit "Nur geträumt" den Grundstein für ihre Karriere.

Umso erstaunlicher ist es, dass von allen Interpretationen am gestrigen Abend vor allem die der internationalen Gäste am stärksten hängen geblieben sind. Etwa Dieter Meiers (Yello) rammsteineske Version von "Rette mich", die japanische Interpretation von "Willst du mit mir gehn" der Girlband Scandal oder auch Gianna Nanninis Neuauflage von "Liebe ist".

Da drängt sich natürlich die Frage auf, was mit Nena und ihrer Karriere passiert wäre, wenn sie tatsächlich nur Englisch gesungen hätte. Denn dass ihre Songs auch auf Englisch funktionieren, hat man gestern Abend wieder einmal gehört. Dann hätte vielleicht wirklich die ganze Welt gewusst, dass Nena mehr ist als ihre "99 Luftballons".

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Nenas Aufstieg zur deutschen Musik-Ikone

Mit "99 Luftballons" feierte Nena Anfang der 80er Jahre einen Welthit. Rund drei Jahrzehnte später ist die Sängerin erfolgreicher denn je. Sehen Sie hier die Vita der deutschen Erfolgs-Musikerin.