Durchtrainierte Körper, deren Besitzer sich damit in Hindernisparcours duellieren – kennen wir das nicht irgendwoher? Ja, kennen wir. Doch trotz eines eindeutigen Vorbilds ist RTLs "Big Bounce – Die Trampolin Show" eine durchaus akzeptable Freitagabendunterhaltung.

Christian Vock.
Eine Kritik
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Das Trampolin hat schon eine steile Karriere hingelegt: Es startete einst als Arbeitsgerät von Artisten, inzwischen begegnet es uns in Youtube-Fail-Videos ebenso wie bei einem Streifzug durch die Gärten bildungsbürgerlicher Reihenhaus-Viertel.

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Kein Wunder also, dass der nächste Karriere-Schritt das Trampolin in eine RTL-Fernsehshow führt. Schließlich ist der Sender bekannt dafür, immer einen Finger am Puls der Zeit zu haben und innovative Unterhaltungsideen auszuprobieren.

Okay, das stimmt jetzt nicht ganz, aber immerhin hat RTL das doch recht monotone Trampolin-Prinzip ein wenig aufgebohrt und aus einem Kinder-Knochenbrecher-Instrument eine durchaus spannende Freitagabendunterhaltung gemacht.

Große Sprünge für 100.000 Euro

"Big Bounce – Die Trampolin Show" nennt RTL das Ganze ein wenig zu naheliegend, und das funktioniert so: 4000 Menschen haben sich für die Show beworben, die 400 besten kämpfen in fünf Qualifikationsshows um den Einzug ins Finale am 2. März. Dort gewinnt der Sieger dann 100.000 Euro.

In der Auftaktshow mussten sich die ersten 80 Teilnehmer durch drei verschiedene Parcours kämpfen. Zuerst wurde die Teilnehmerzahl in einem Duell-Parcours halbiert. Jeweils zwei Kandidaten absolvieren im direkten Duell die gleiche Hindernisstrecke. Wer schneller ist, gewinnt.

Danach müssen die Sieger einzeln durch einen Taktik-Parcours, bei dem sie sich einen vorgegebenen Weg merken und unter Zeitdruck nachspringen müssen. Das letzte Teilnehmersieb ist dann ein Hochparcours, bei dem die Hindernisse, der Name verrät es, besonders hoch sind.

"Big Bounce" - die XXL-Hüpfburg

Nun ist klar, dass RTL nicht einfach ein paar Vorgarten-Trampolins in eine Halle gestellt hat. Im Gegenteil: Was da am Freitagabend zu sehen war, hatte mit ein bisschen Freizeitgehopse herzlich wenig zu tun. Die Parcours hatten es ganz offensichtlich in sich, nicht wenige Kandidaten scheiterten.

Das ist deshalb erwähnenswert, weil die meisten Teilnehmer durchaus mit Hüpf-Hintergrund angereist sind. So kennt der typische "Big Bounce"-Kandidat Sport nicht nur vom Hörensagen, sondern war gerne einmal Turnier-Turner, Parcours-Sportler oder auch deutscher Meister im – Achtung – Trampolinspringen.

Moderiert wird die Show von Matthias Opdenhövel und Wolff-Christoph Fuss vor Live-Publikum. Den Parcours kannten die Kandidaten vorher nicht und umso bemerkenswerter war daher, dass vor allem einige Kinder scheinbar mühelos den Leistungen der Erwachsenen in nichts nachstanden.

Genauso routiniert waren dann auch deren Statements: "Natürlich will ich den Taktikparcours gewinnen und da ist noch nichts entschieden", erklärt beispielsweise der 12-jährige Yannick ähnlich abgedroschen wie ein Profifußballer beim Spielfeldrand-Interview.

"Big Bounce": Kennen wir das nicht irgendwoher?

Nun hat RTL mit "Big Bounce" alles andere als das Spielshow-Genre neu erfunden. Das Konzept ähnelt, man könnte auch sagen gleicht, dem, was RTL bereits als "Ninja Warrior Germany" in der Referenzliste stehen hat: Körperakrobaten kämpfen sich artistisch durch einen großen Abenteuerspielplatz, dazu ein paar Einspieler-Porträts und fertig.

Wenn man dann auch noch mit dem Duo Opdenhövel und Fuss zwei Moderatoren nimmt, die den "Ninja Warrrior"-Kollegen Jan Köppen und Frank Buschmann in Humor und Habitus ähneln, stellt sich natürlich die Frage, ob es wirklich ein Spin-Off von "Ninja Warrior Germany" braucht, wenn man ja ohnehin das Original im Schrank hängen hat.

Erste Antwort: eigentlich nicht. Die Show wirkt in der Tat wie ein zwar nett gemachter, aber letztlich doch nur unwesentlich veränderter Aufguss der "Ninja Warrior". Und auch Opdenhövel und Fuss, die eigentlich eine veritable Schnodderschnauze ihr Eigen nennen, moderieren nicht unlustig, aber im Vergleich zu ihrem sonstigen Œuvre überraschend handzahm: "Oh da ist er ausgerutscht" - "Ja, war nicht gestreut."

Aber die erste Antwort muss nicht immer die beste sein, und deshalb darf man ruhig für "Big Bounce" auf der Haben-Seite anführen, dass die Show trotzdem Spaß macht. Denn sie ist zwar eine Leistungsshow talentierter Trampolineure, aber eben nicht nur, sondern begleitet auch Teilzeit-Turner liebevoll unsarkastisch beim Scheitern. Das ist insgesamt spannend, witzig und nicht zuletzt unterhaltsam. Reicht irgendwie.