Bianca Berding
1 21
Verkäuferin Diana versucht in der Dienstagsausgabe der ZDF-Trödelshow "Bares für Rares", eine Bronze zu verkaufen, die aus dem Nachlass eines Bekannten stammt. Horst Lichter schätzt den Jüngling zwar falsch ein, aber Expertin Bianca Berding erkennt ein bekanntes Vorbild, das zu weit mehr Geld für die Verkäuferin führt.
2 21
"Er ist ein bisschen pikiert", sagt Lichter beim Anblick der scheu wirkenden Figur. Doch Bianca Berding seufzt und stellt klar: Er ist "nachdenklich und in sich gekehrt." Noch bedeutender: Die Machart der Statuette erinnert die Expertin an den berühmten Bildhauer Auguste Rodin. "Ein großes Wort, ein großer Künstler", schnauft jetzt auch Lichter.
3 21
Es ist vor allem der unvollendete Eindruck der Bronzestatuette, die mit "der sehr zerfurchten und unruhigen Oberfläche" an ein sogenanntes Bozzetto erinnert. Das beschreibt "ein skizzenhaftes Modell, das noch nicht fertiggestellt wurde", erläutert Berding und verweist gleich danach auf den französischen Bildhauer und Zeichner Rodin.
4 21
Rodin habe mit seinen "Non-finitos", seinen unvollendet wirkenden Skulpturen, das Zeitalter der Moderne geprägt, sagt Berding: "Rodin war der erste Künstler, der Mitte des 19. Jahrhunderts das unvollendete Modell zum Kunstwerk erhoben hat", erklärt die Expertin. Dadurch haben Betrachter mehr Raum für eigene Interpretationen - wie auch beim vorliegenden Modell.
Anzeige
5 21
"Stimmt das Innere mit dem Äußeren überein?", ist eine zentrale Frage, die "Non-finitos" aufwerfen. Beim Modell aus der Sendung kann Expertin Berding das bestätigen. Denn hierbei wirkt die Oberfläche unruhig und spiegelt die nachdenkliche und introvertierte Haltung der Figur wider, betont die Expertin.
6 21
Auch der Lendenschurz der sonst nackten Figur ist ein ganz wichtiges Kompositionsmittel. Das Tuch schlingt sich einmal um den ganzen Körper und wird von den beiden Händen der Figur am Ober- und Unterkörper gehalten. Die Figur ist zudem im Kontrapost gestaltet - ein klassisches Stilmittel für Gleichgewicht und Harmonie.
7 21
Signiert und datiert ist die Figur mit E. Kunst, 1933. Laut Berding sei Ernst Kunst "leider in Vergessenheit geraten". Der Bildhauer und Maler habe als Industriearbeiter angefangen und später mit dem Politiker Paul Luchtenberg einen Mäzen gefunden, der ihn unterstützt und ein Buch über Kunst veröffentlicht hat. Seine Werke seien aber nicht bekannt, sagt Berding.
8 21
Die Verkäuferin wünscht sich 200 Euro. Expertin Berding erhöht noch auf 350 bis 400 Euro, denn "die Arbeit ist sehr interessant und beeindruckt". Trotz ihrer Begeisterung könne sie aber nicht höher im Preis gehen, denn der Künstler sei kaum bekannt und seine Werke auf dem Kunstmarkt auch nicht vertreten. Zudem fehle ein Gießerei-Stempel.
Anzeige
9 21
Im Händlerraum fällt als erstes die "nicht so glatte, strukturierte, geknetete Oberfläche" auf und Julian Schmitz-Avila (r.) erkennt auch sofort das Vorbild: "Rodin!" Wäre die Bronzestatuette nicht mit der Kunst-Signatur versehen, "könnte man an größere Künstler denken", betont der Händler nochmal.
10 21
Friedrich Häusser (M.) ist der erste Händler, der bietet: 150 Euro. Denn Schmitz-Avila hadert nach initialier Begeisterung: Er kennt den Künstler nicht. "Alle tappen etwas im Dunkeln", meint auch Christian Vechtel (rechts). Thorsden Schlößner erhöht aber auf 400 Euro. Schmitz-Avila ist angestachelt und schnellt auf 500 Euro, "denn die Ausformung ist super".
11 21
Ein Kopf-an-Kopf-Duell zwischen Häusser (2.v.l.) und Schmitz-Avila (r.) entfacht, bis Schmitz-Avila bei 650 Euro den Zuschlag für die "ausgesprochen ausdrucksstarke Bronze" erhält. "Ich finde die Figur spektakulär", strahlt der Händler überglücklich und träumt vor sich hin: "Wenn da Rodin drauf stehen würde ..."
12 21
Als weiteres Objekt der Sendung wollen zwei Verkäufer einen Diamantring veräußern, den Heide Rezepa-Zabel passend beschreibt: "Schlicht im Design, aber umso überzeugender." Auch Horst Lichter findet den Ring "sehr hübsch".
Anzeige
13 21
Der Wunschpreis für das lieb gewonnene Erbstück, das der Vater der Verkäuferin selbst beim "Schweinestall ausmisten immer getragen hat", liegt bei 1.500 bis 2.000 Euro. Der 585er-Ring aus der Zeit um 1890 bis 1900 hat reine Brillanten, die noch älter sind und wohl aus anderen Schmuckstücken stammen.
14 21
Die Expertin schätzt den Wert auf 4.500 bis 5.000 Euro: "Das ist ein wunderbares antikes Stück und die alten Steine haben Feuer." Die Verkäuferin staunt nicht schlecht. Im Händlerraum kommt der Diamantring (zwei Karat) auch gut an, aber die Gebote liegen anfangs weit unter der Schätzung. Am Ende zahlt Thorsden Schlößner 3.800 Euro.
15 21
Zwei Verkäufer haben einen roten Mini-Flitzer im Gepäck. Das Blechspielzeug "Elektro Matic 7500" ist sogar noch in der Originalverpackung. Laut Sven Deutschmanek stammt der kleine Porsche 356 von der Firma Distler aus Nürnberg und ist in einem perfekten Zustand: "So sieht man ihn selten."
16 21
Gewünscht werden 400 bis 500 Euro. Experte Deutschmanek taxiert gleich: "400 bis 500 Euro ist das Auto aus den 1950ern wert, denn der ist klasse." Händlerin Elke Velten hätte den Porsche gern in Originalgröße. Am Ende zahlt Christian Vechtel 400 Euro für "das sehr beliebte Sammelobjekt".
Anzeige
17 21
Zwei Verkäufer wollen ein Tee-Kernstück loswerden. Heide Rezepa-Zabel vermutet, das Kernstück der weltbekannten Marke Elkington & Co. aus Birmingham sei "leider einmal in der Spülmaschine gelandet", denn der Henkel sei verzogen und die Schwärzung weg. "Der war mal ebonisiert", erkennt auch Lichter.
18 21
Für das 925er-Silberkern von 1916 wünscht sich das Paar 300 Euro. Die Expertin taxiert den "Klassiker" auf 600 bis 700 Euro, denn allein der Silberwert liegt schon bei 500 Euro. Nach einigen Geboten aus der Runde zahlt Elke Velten schließlich 550 Euro.
19 21
Ein Verkäufer hat einen "alten, verrosteten und komischen Ofen" gefunden, bei dem sein Bastler-Herz sofort aufgegangen sei. "Da hat einer Hand angelegt", erkennt auch Deutschmanek gleich: "Der sieht ja brandneu aus." Der Verkäufer hat das Objekt gebürstet und mit feuerfester Farbe neu angesprüht.
20 21
Der Petroleum-Ofen stammt laut Expertise aus der Zeit um die Jahrhundertwende, "damals hat man viel mit Petroleum gemacht: Leuchten, Lampen, Kocher und Öfen." Der antike Ofen ist angemacht worden, "wenn es mal schnell warm werden musste." Der Wunschpreis liegt bei 300 Euro, aber Deutschmanek taxiert nur auf 150 bis 200 Euro.
Anzeige
21 21
Die Händlerkarte für seinen gusseisernen Ofen nimmt der Verkäufer dennoch an, denn das Objekt dient heute nur noch Dekozwecken. Händler Friedrich Häusser zahlt am Ende 220 Euro: "Sowas gibt es selten".