"X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" wagt einen Blick in eine verheerende Zukunft: Menschen und Mutanten sterben wie die Eintagsfliegen, seit Professor X und seine Krieger den Kampf gegen einen übermächtigen Feind verloren haben. Eine Zeitreise soll den Lauf der Geschichte ändern und katapultiert Wolverine zurück in die wilden Siebziger. Dort bietet der Film Einblicke in die Vergangenheit liebgewonnener Charaktere, überraschend viel Witz - und lüftet ganz nebenbei die wahre Identität des Attentäters von John F. Kennedy.

Manche Dinge wiederholen sich in Hollywood mit schöner Regelmäßigkeit. Zum Beispiel, dass Leonardo DiCaprio nie einen Oscar gewinnt und dass Fortsetzungen erfolgreicher Filme meistens enttäuschend sind. Zumindest einem dieser Grundsätze zeigen die X-Men seit Jahren die kalte Schulter. Und auch der neueste Teil des Marvel-Franchises "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" toppt seine mittlerweile sechs Vorgänger in Sachen Humor und Intelligenz.

Wenn Terminator Mutanten jagt

In einer dystopischen Zukunft stehen Mutanten und Menschen der ultimativen Bedrohung gegenüber - den Sentinels. Diese intelligenten Maschinen sind darauf programmiert, Mutanten ausfindig zu machen und zu töten. Schon bald beginnen sie auch Menschen anzugreifen, die das Potenzial einer Mutation in ihrem Erbgut tragen. Es droht ein Genozid.

Verzweifelt greifen die überlebenden X-Men nach dem letzten Strohhalm. Durch eine Zeitreise zurück ins Jahr 1973 soll die Erschaffung der Killerroboter verhindert und die Katastrophe abgewendet werden. Während Professor X (Patrick Stewart) und die anderen Mutanten in der Zukunft also weiterhin ums Überleben kämpfen, wagt Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) den Trip in die Vergangenheit.

Im Land der Lavalampen und Wasserbetten

So düster die Eröffnungssequenz und das Thema des neuen "X-Men", so herrlich komisch ist der Kontrast, als Logan in den sonnigen Siebzigern zu sich kommt. Stilecht erwacht er in einem Wasserbett, neben ihm blubbert eine Lavalampe. Der Charme des senfgelben Zeitalters zieht sich in liebevoller Konsequenz durch den ganzen Film: Auch Prof. Charles Xavier alias Professor X ist mit Zottelmähne und Paisley-Hemd noch nicht der mächtige Telepath, als den wir ihn kennen.

Anders als sein Zukunfts-Ich ist der junge Charles (James McAvoy) ein schwieriger Zeitgenosse - genauso wie sein einstiger Jugendfreund Magneto (Ian McKellen/Michael Fassbender). Der war schon immer ein Fiesling erster Güte mit der praktischen Fähigkeit, mit der Kraft seiner Gedanken Metall manipulieren zu können. Der Feindschaft zum Trotz, raufen sich die beiden Hitzköpfe im Jahr 1973 zusammen und unterstützen Logan bei seinem Vorhaben.

Klingt kompliziert, funktioniert aber

"X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" macht deshalb so viel Spaß, weil dem Streifen ein ganz besonderes Kunststück gelingt. Der Film jongliert zwar mit mehreren Zeitebenen und quillt vor Charakteren geradezu über - trotzdem ist er nicht verwirrend. Im Gegenteil: Die zahlreichen Referenzen auf andere Ereignisse aus dem Marvel-Universum schaffen ein elegant ausgetüfteltes Kino-Erlebnis. Was dem treuen "X-Men"-Fan Freudentränen in die Augen treibt, könnte allerdings Neulingen ohne Vorwissen das Filmvergnügen verderben.

Davon abgesehen bietet das Mutanten-Abenteuer zwei Stunden erstklassige Unterhaltung. Regisseur Bryan Singer, der bereits für die ersten beiden Teile verantwortlich war, verwebt Weltuntergangsstimmung mit buntem Retro-Schick. Das gewagte Konzept geht auf und macht den neuesten gleichzeitig zum besten Teil der Reihe.

Zum Rätsel um John F. Kennedys Ermordung sei so viel verraten: Glaubt man der "Magic Bullet"-Verschwörungstheorie, soll eine einzige Kugel gleich sieben Verletzungen beim Präsidenten und weiteren Insassen der Limousine verursacht habe. Schlichtweg unmöglich, oder? Nicht, wenn man die nützliche Fähigkeit besitzt, Gegenstände aus Metal zu kontrollieren.