Eigentlich klingt es ganz einfach: Ein gutes Bauchgefühl, ein guter Freund zur richtigen Zeit und ab und an mal ein bisschen Europaletten stapeln – schon hat man die Basis für einen Millionen-Gewinn bei "Wer wird Millionär?". Roland Tenholte hatte all das und noch ein bisschen mehr. Nämlich Mut.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Nun kann man natürlich sagen, dass es wohl fast nie einen ungünstigen Zeitpunkt gibt, um eine Million Euro zu gewinnen. Dennoch gibt es wohl unpassendere Momente als kurz vor einer Hochzeit, die ja mit Getränken und Schnittchen schnell mal ein paar Euro kosten kann.

Doch der Reihe nach. Die jüngste Dienstagsausgabe von "Wer wird Millionär?" war die vorletzte Folge, in der noch Zuschauer im Studio sitzen durften, denn sie wurde bereits "vor geraumer Zeit" aufgezeichnet, wie Günther Jauch kurz zuvor in der RTL-Live-Sendung "Die Quarantäne-WG" verriet.

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Am 30. März gibt es ebenfalls noch eine Vor-Corona-Ausgabe, ab April folgen dann erst einmal nur noch Sendungen ohne Zuschauer, dafür aber mit neuen Jokern. Was Jauch aber auch verraten hat, ist, dass es am Dienstagabend einen Millionen-Gewinner geben würde und dass es unfassbar sei, "dass der das gewagt hat und am Ende durchgekommen ist."

WWM: Gutes Bauchgefühl bei Ronald Tenholte

Blieb also bis 21:15 Uhr nur die Frage, wer denn nun der Millionen-Gewinner sein würde. Ronald Arnhold aus Erlangen war es schon einmal nicht.

Der Veranstaltungsmanager und Gastronom saß noch vom Montagabend auf dem Rate-Stuhl, ging aber mit "nur" 16.000 Euro nach Hause, weil er bei der 64.000-Euro-Frage auf die Mehrheit des Publikums hörte – und damit daneben lag. Jauch wollte von ihm wissen: "Wenn von sogenannten Barrieremethoden die Rede ist, geht es zumeist um …?"

  • A: Heizkostensenkung
  • B: Gedächtnistraining
  • C: Hochwasserschutz
  • D: Empfängnisverhütung

Richtig ist die Empfängnisverhütung und nicht, wie Arnhold und die Mehrheit des Publikums meinten, der Hochwasserschutz. Somit war klar, dass Gastronom Arnhold nicht Jauchs Millionengewinner ist.

Anders hingegen die Lage beim nächsten Kandidaten. Ronald Tenholte war der Einzige, der bei der Eingangsfrage die Buchstaben des Wortes purpurrot in die richtige Reihenfolge bringen konnte. Damit war der erste Schritt geschafft und von da an rauschte der Besitzer einer Saftbar von richtiger Antwort zu richtiger Antwort. Stets an seiner Seite: sein offenbar untrügliches Bauchgefühl. Erst bei der 64.000-Euro-Frage zog Tenholte den ersten seiner drei Joker.

Und obwohl Tenholte von Frage zu Frage rauschte, konnte Jauch ihm noch ein paar persönliche Anekdoten entlocken. Zum Beispiel, dass der Kölner Prosopagnostiker ist, sich also keine Gesichter merken kann. Wie sich das äußert, will Jauch von Tenholte wissen und der antwortet: "An jeder Menge peinlicher Situationen."

Günther Jauch: "Ich werde so was von die Klappe halten"

Auch über seinen Auftrag bei "Wer wird Millionär?" gibt Tenholte Auskunft. "Hat Ihre Freundin eine Vorgabe gemacht, mit wie viel sie nach Hause kommen sollen?", fragt Jauch und Tenholte antwortet ebenso knapp wie prophetisch: "eine Million."

Und Tenholte macht gar nicht den Eindruck, den Wunsch seiner Freundin nicht erfüllen zu wollen, zumal die beiden ihre Hochzeit planen und da kann, wie gesagt, jeder Euro nützlich sein. Schwupps ist der Saftbar-Besitzer bei der 500.000-Euro-Frage angelangt und hier will Günther Jauch wissen: "Das naturgegebene Schicksal welcher Pflanzen sieht vor, dass die Blüte bei den meisten Arten unweigerlich zu ihrem Tod führt?"

  • A: Bambus
  • B: Ginkgo
  • C: Rhododendron
  • D: Eukalyptus

Tenholte selbst ist sich nicht sicher, bemerkt aber bei Günther Jauch eine gewisse Unruhe: "Sie wissen es?", fragt Tenholte den Moderator, "Ja", freut sich Jauch diebisch und erklärt: "Deshalb werde ich so was von die Klappe halten." "Sie wollen doch auch die Eine-Million-Frage hören", kontert Tenholte, doch Jauch bleibt standhaft: "Muss nicht sein."

Also nimmt Tenholte seinen letzten Joker und lässt einen Freund anrufen. Immerhin der hat einen Tipp: "Ich glaube, es ist Bambus – zu 70 Prozent." Trotz der fehlenden 30 Prozent Gewissheit, nimmt Tenholte Bambus als Antwort und liegt damit richtig. "Sind Sie wahnsinnig?!", zieht Jauch ein scheinbar naheliegendes Fazit.

Also geht es nun zur Eine-Million-Frage und die lautet: "Die klassische, genormte Europalette EPAL 1 besteht aus 78 Nägeln, neun Klötzen und insgesamt wie vielen Brettern?"

Ronald Tenholte: "Wenn ich jetzt runterfalle, ist scheiße"

"Darf ich einmal nachdenken, bevor die Lösung kommt?", fragt Tenholte Jauch, um erst einmal zu überlegen und dann zu sehen, ob das Ergebnis zu den Antworten passt. Passt es, denn Tenholte mutmaßt: "Irgendwas zwischen acht und elf."

Die möglichen Antworten sind dann:

  • A: neun
  • B: zehn
  • C: elf
  • D: zwölf

Tenholte ist unsicher, man merkt ihm aber an, dass er antworten möchte, auch wenn er sich des Risikos bewusst ist: "Wenn ich jetzt runterfalle, ist scheiße." "Wenn sie jetzt gewinnen, ist super", erwidert Jauch. Also lässt Tenholte Antwort C einloggen und mit ihm bibbert das ganze Studio. Als Jauch dann auflöst, dass C tatsächlich richtig und Tenholte nun Millionär ist, jubelt das Publikum während Tenholte sein Glück sprach- und fassungslos zur Kenntnis nimmt.

Doch Jauch will den frischgebackenen Millionär noch nicht gehen lassen, sondern erst dessen Verlobte informieren, dass es wohl mit einer Hochzeitsfeier klappen wird. Die ist Kabarettistin und muss gleich auf die Bühne, als Jauch anruft.

Als der Moderator der noch ahnungslosen Künstlerin erzählt, dass sich ihr Verlobter ein Auto kaufen möchte, ist die erst einmal schockiert: "Herr Jauch, ich weiß gar nicht, ob ich will, dass der noch nach Hause kommt." Der Jubel, als sie dann vom Millionengewinn erfährt, lässt aber anderes vermuten.

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