Pleiten-Serie bei "Wer wird Millionär?": Günther Jauch verzweifelt beim "Zocker-Special"

Das große WWM-Zockerspecial am Montag hatte viele Verlierer und einen Überflieger: Ein Pastor rührte die Werbetrommel für seine Freikirche auf spektakuläre Weise. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Er rührte nicht nur die Werbetrommel für Gott, sondern spielte Schlagzeug im "Wer wird Millionär?"-Studio: Pastor Lukas Gotter bewies beim "Zocker-Special": Der Glaube versetzt Berge. Vor allem der Glaube an die richtige Antwort. Er wird am Dienstag erneut antreten. Die Vorgänger an dem Abend fielen dagegen ihrem eigenen Wagemut zum Opfer ...
Diese Regel wurde gleich bei der ersten Kandidatin relevant. "Üblicherweise hinten keinen Scheibenwischer haben Autos mit ...?" war für 2.000 Euro gefragt. "Mein Mann denkt sich jetzt: 'Oh Gott, sie kriegt eine Autofrage! Sie weiß nichts über Autos als welche Farbe sie haben'", vermutete Carina Holzhüter aus Hamburg.
Sie riet: Einparkhilfe. Jauchs Reaktion: "Die schlechte Nachricht: Das war's! Die gute: Wann haben Sie in Ihrem Leben so schnell 1.000 Euro gewonnen?" Richtig gewesen wäre Stufenheck. "Wenn das so weiter geht, brauchen wir keine zweite Sendung morgen", meinte der Moderator. Geplant war nämlich, das "Zocker-Special" gleich am Dienstag fortzusetzen.
Entsprechend warnte Jauch Joschka Linke, das Spiel könne bereits enden, bevor man den ersten Schluck Wasser trinkt. Doch auch der Fleischhändler aus Neuenhagen nahe Berlin zockte wagemutig - und ganz dem Namen des Specials folgend.
"Sind Sie wahnsinnig?", erkundigte sich Jauch als der 32-Jährige bei 8.000 Euro leichtfertig auf "Bierkonsum in Bayern" tippte. Gefragt war: "Was ist etwa zehnmal höher als der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland?" Korrekt gewesen wäre allerdings: "Teekonsum in Ostfriesland".
Jauch staunte: "Die Geschichte wiederholt sich heute." Auch Linke ging mit 1.000 Euro. "Wenn das so weitergeht, müssen heute viele Geschichten ganz langsam erzählt werden", schlug Jauch vor, um die Sendezeit ausfüllen zu können, selbst wenn die nächsten Kandidaten den schnellen Heldentod auf der Bühne sterben sollten.
Yvonne Joerdel ließ Jauch alt aussehen. Und das bereits vor der ersten Frage: "Und um mich gleich mal wieder in die Depression zu stürzen: Der erste Satz auf meiner Karte lautet: 'Frau Joerdel wollte schon als Kind zu WWM.'" Die Kandidatin entschuldigte sich und versuchte, Jauchs Midlife-Crisis zu mildern: Die Kindheit sei nicht lange her.
Die Schmeichelei nutzte der Dame aus Bremen nicht viel. "Es lohnt sich nicht, Sie jetzt nach ihren Wünschen zu fragen", scherzte Jauch gemeinerweise. "Weil ich bei 1.000 wieder gehe?", deutete sie seine Anspielung richtig. Sie habe sich bereits mehrfach beworben, erzählte Joerdel.
Jauch wusste: "Die Chancen sind deutlich höher hier als Kandidat zu sitzen als als Zuschauer reinzukommen." Auch darauf würden manche Leute zwölf Jahre warten, so Jauch. Die Kandidatin aber fühlte sich direkt auf der Bühne wohl. Bis sie bei der 16.000-Euro-Frage einen Joker brauchte und wegen der verschärften Special-Regeln alle anderen verlor.
"Wer gestand am 19. Januar bei einer Rede ein, es mache ihn sehr traurig, dass es so weit gekommen sei?" Die Antwort war 64.000 Euro wert. Donald Trump, Danni Büchner, Prinz Harry oder Brad Pitt? "Wie schön wäre ein Joker", stichelte Jauch. Die Gymnasial-Referendarin ging kein Risiko ein, sondern mit 32.000 Euro von der Bühne.
Mit seiner San Francisco-49ers-Mütze und der robusten Statur sah er eher aus wie ein American Football-Fan, doch Lukas Gotter hieß nicht nur fast wie Gott, sondern war auch ein Abgesandter des Herrn. Der 32-Jährige aus Halle an der Saale war Pastor einer Freikirche. Was da anders laufe als bei den Großkirchen wollte Jauch wissen.
"Wir taufen keine Kinder, sondern erwachsene Leute", nannte Lukas Gotter ein Beispiel. Denn in seiner Gemeinde lege man Wert darauf, dass jeder für sich selbst entscheidet. Anders als andere Pastoren ist Gotter auch aufgrund seines Hobbys, welches er im Studio vorführen durfte: Er spielt Schlagzeug. Jauch machte Standing Ovations.
Der Pastor meisterte die jokerfreie Zone und gönnte sich den Publikumsjoker bei 64.000 Euro. Jauch hatte eine mahnende Anekdote parat: Bei der russischen Version von 'Wer wird Millionär?' würde das befragte Publikum absichtlich falsch abstimmen, "wenn sie einen nicht mögen". Lukas Gotter vertraute auf Gott und das Publikum. Zu Recht!
Für 125.000 Euro war gefragt: "Welches in Deutschland wieder in freier Wildbahn lebende Tier wird auch Europäischer Bison genannt?" Jauch kalauerte, der Zusatzjoker habe "vielleicht ein Studium der Wald- und Wisent-Wissenschaften". Tatsächlich tippte der Mann auf Wisent. Dank ihm darf der Pastor gleich am Dienstag weiter zocken.