"Wer wird Millionär?" erstmals ohne Publikum

Es sei ruhiger und man könne sich besser konzentrieren, meinte der erste Kandidat, der mit Günther Jauch, aber erstmals ohne Publikum im "Wer wird Millionär-Studio saß. Ob es ihm half? Er und die Kandidaten der ersten in Corona-Zeiten aufgezeichneten Folge schrieben auf jeden Fall Geschichte. © 1&1 Mail & Media/teleschau

André Krzykowski kannten die Zuschauer noch aus der letzten Folge von "Wer wird Millionär?". Er wäre fast in die Geschichte eingegangen als Kandidat, der schon bei der 50 Euro-Frage scheiterte. Zum Glück kam es anders. In die Geschichte der Show ging er trotzdem ein: als erster Kandidat in der Corona-Version der Sendung.
"Wo ging bei der Präsidentschaftswahl 2019 ein Komiker ohne politische Erfahrung als klarer Sieger hervor?", wollte Günther Jauch für 64.000 Euro wissen. In der "Ukraine", wusste der Videojournalist, der für SAT.1 arbeitet. Bei der 125.000-Euro-Frage brauchte er Hilfe: "Im Januar wurde offiziell verkündet, es gebe aktuell genau 48 aktive ...?"
Zur Wahl standen: Grippeviren, FIFA-Schiedsrichter, NASA-Astronauten (richtig!) oder Kohlekraftwerke. Der Telefonjoker musste passen, Krzykowskis tat ihm gleich. Er ging mit 64.000 Euro. Jauch wollte wissen, was seine Freundin sich wünsche von dem Geld. Die meinte: nichts. Es sei ja sein Geld. "Sie hat ja schon alles", fand der Kandidat.
Hatte die Abwesenheit von Live-Zuschauern im Studio auch etwas Gutes? In Jauchs Augen auf alle Fälle: "Wenn jetzt ein Publikum dagewesen wäre, das wäre ein Shitstorm", setzte sich der Moderator für die bescheidene Partnerin des Kandidaten ein. Der wollte mit dem Geld eine defekte Festplatte reparieren lassen sowie eine Gitarre und ein Auto kaufen.
Mit ihrem Nachnamen sei sie in der Sendung goldrichtig, glaubte Günther Jauch, als er Lena Weisheit aus Hamburg vorstellte. Die angehende Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie hatte ihre Mutter als Begleitperson - und Ersatz-Joker mitgebracht. Der andere Ersatz-Joker war eher ein Upgrade zum klassischen Zusatzjoker ...
Leon Windscheid, Jan Stroh und Ronald Tenholte hatten ihre Kompetenz in Sachen Quiz-Wissen bereits eindrucksvoll bewiesen - sie waren die letzten Millionäre aus der Geschichte der Show. Einen von ihnen durfte man sich aussuchen als Zusatzjoker. Vorausgesetzt, der Kandidat hatte die Risikovariante gewählt. Das tat Lena Weisheit aber nicht.
Sie wählte "die Schisservariante". Jauch gab sich enttäuscht: "Dafür habe ich das jetzt alles erklärt", jammerte er. "Da hätten die drei auch zu Hause bleiben können." Hilfe brauchte die junge Dame bei der 2.000-Euro-Frage: "Wobei haben sich die ersten drei Buchstaben als eigener Begriff verselbständigt und dabei das Geschlecht gewechselt?"
Zur Auswahl standen Tablette, Zäpfchen, Pastille und Dragee. Die Kandidatin wählte ihre Mutter als Joker. Jauch gab sich theatralisch: "Sie können sagen, dass sie eine historische Figur sind." Er meinte, die Mutter sei die erste Begleitperson, die bei "Wer wird Millionär?" als Publikumsjoker zum Einsatz kam. Und das mit Erfolg!
Die Tablette wurde "der Tab", wusste die Mama. Auf Jauch dagegen wirkte die Tochter offenbar wie eine Schlaftablette. Er wirkte zunehmend gelangweilt. Geld erspielen als Familienprojekt: Nach der Mutter musste auch der Papa ran - als Telefonjoker. Dass Füchse "keckern", wusste er nicht verbindlich. Die Kandidatin wagte es dennoch.
Jauch befragte auch den Millionär Jan Stroh. Der stimmte - ohne offiziellen Einfluss - zu, dass Füchse keckern. "Viel mediale Aufmerksamkeit wurde Christine Lambrecht im letzten Juni zuteil - als neuem Mitglied der ...?" ISS-Besatzung riet die Kandidatin mutig. Sie fiel auf 500 Euro. Richtig gewesen wäre: Bundesregierung.
"Kerstin Schnelle macht ihrem Namen alle Ehre", fand Jauch. Die Dame aus Paderborn war die schnellste in der Auswahlrunde. "Head of International Key Account Management", zitierte der Moderator ihren Beruf und fragte: "Was heißt das auf Deutsch?" Das ging auch schneller: "Ich arbeite im Export."
Das erste Mal strauchelte sie bei der 500-Euro-Frage: "Was kommt redensartlich meist mit Recht daher?" Zur Wahl standen Blöd, Sinn, Un, Fug. Auch hier sollte die Mutti helfen. Die behauptete mit Fug und Recht, dass "Fug" die richtige Antwort sei. "Schwere Geburt" attestierte Günther Jauch nach der Werbepause.
Es wurde nicht leichter: "Was ist nicht nur auf vielen Wochenmärkten, sondern auch in Wörterbüchern zu finden?" Knusprigbrot, Frischfisch, Knackigobst oder Zartfleisch? Auch diesmal war die Kandidatin ratlos. "Warum haben Sie sich nicht beworben?", fragte Jauch die Mutter. Er wünschte sich: "Nächstes Mal sehe ich hier Sie auf dem Stuhl!"
Kerstin Schnelle wurde tatsächlich ihrem Nachnamen gerecht. Sie war schnell weg von Fenster. Waghalsig riet sie "Knusprigbrot". Richtig wäre Frischfisch. So teilte sie das Schicksal ihrer Vorgängerin und ging mit nur 500 Euro. Zwei Mal in Folge ein seltener WWM-Moment. Ob der Abend noch ein Happy End bringen könnte?
"Es erfolgt hiermit der amtliche Hinweis, dass auch in diesen schweren Zeiten wir trotzdem froh wären, mal wieder mehr als 500 Euro auszuschütten", versuchte sich Jauch als Motivationscoach. Er war die letzte Hoffnung auf ein spektakuläres Ende der ersten "Wer wird Millionär?"-Folge im Corona-Zeitalter: Dr. Oliver Alber.
Jauch schlug scherzhaft vor, dann könne er ja bereits vor der ersten Fragestellung wieder gehen, das wäre dann schließlich auch historisch. Wie alle anderen Kandidaten hatte auch Oliver Alber eine kuriose Anekdote mitgebracht. Er hatte sich für eine Party als Tina-Turner-Double versucht und wäre beim Proben fast in High Heels erwischt worden.
Nicht unbedingt die spannendste Geschichte in der WWM-Historie, aber immerhin konnte der Doktor mit Wissen glänzen. Bis zur 32.000-Euro-Frage kam er ohne Joker aus. Dann war gefragt: "Die Melodie des Schlagers Das rote Pferd basiert auf einem Lied von ...?" Zur Diskussion standen Edith Piaf, Frank Sinatra, Nana Mouskouri und Luciano Pavarotti.
Nach dem 50:50 Joker wählte er zu Recht Edith Piaf. Millionär Jan Stroh half bei der 64.000-Euro-Frage: Die Steigerung von Helikopter-Eltern seien die Rasenmäher-Eltern. Bevor es weiter ging, unterbrach die Tröte die Folge. Als der Kandidat zu Jauch gehen wollte, rief der: "Nein - zwei Meter Abstand!" Ach ja, Corona. Fast vergessen für zwei Stunden.