Leicht hatte es Günther Jauch am Montagabend nicht. Die Nervosität und Bildungslücken des Überbleibsels Jonni di Sante trieben den Moderator, der zuvor mehrfach helfen wollte, in die Ironie der Verzweiflung. Leichter machte es dem Berliner die passionierte Autowäscherin Sarah Dry. Im Gespräch mit der Osnabrückerin, die in Kurzarbeit 16.000 Euro verdiente, offenbarte Jauch sogar, welche Chromjuwelen er privat so fährt.

Robert Penz
Eine Kritik

Wer nichts weiß, muss bekanntlich alles glauben. Jonni di Sante, Fleischermeister aus Gelsenkirchen und Überbleibsel der letzten "Wer wird Millionär?"-Sendung, konnte es aber kaum glauben, dass er so wenig wusste.

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Er stand bei 500 Euro und hatte auch am Montagabend bei jeder Frage gewaltige Probleme, die zum Teil seiner Nervosität geschuldet waren. Jauch war ob des Bildungsmangels des sympathischen Fleischermeisters, der auch – immerhin irgendwie nachvollziehbar – bei einer Fischfrage ins Schwimmen geriet, ebenso konsterniert. Dann jene für 4.000 Euro:

Wen wählt hierzulande die Bundesversammlung?

A: Bundeskanzler

B: Bundespräsident

C: Bundesverfassungsrichter

D: Bundestagspräsident

"Dafür muss man schon wissen, was politisch abgeht", kommentierte Di Sante die Frage. Jauchs Gesichtsausdruck widersprach. Da der Telefonjoker auf den Bundeskanzler tippte, aber keineswegs sicher war, legte der Kandidat den 50:50-Joker nach. Dass dieser dann die Antworten B und D freilegte, machte die Angelegenheit für den Fleischermeister nicht wesentlich einfacher. Jauch, ganz auf Hilfe gepolt, begann nun zu dozieren und Di Sante dabei einen Ball nach dem anderen auf den Elfmeterpunkt zu legen. Doch der Gelsenkirchener sah keine einzige Kugel. Ihm war nicht zu helfen.

Ratloser Jauch greift zur Ironie

"Ich wollte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie gekommen sind, aber wir werden Sie heute nicht mehr brauchen", meinte Jauch nun zu den noch auf ihre Chance wartenden Kandidaten, während der arme Di Sante nach wie vor nach Bällen Ausschau hielt. Nach rund zehn Minuten und drölfzig weiteren Hilfen des Moderators ließ er dann doch einloggen, und zwar Antwort B. "Ich nehme das Wahlergebnis gerührt und dankbar zur Kenntnis und befinde es hiermit offiziell für richtig", so ein erschöpfter Jauch, dessen Eselsbrücken wenig halfen. "Nicht alle Esel betreten sie, und ab jetzt halte ich sowas von die Klappe, ich versprech‘s", so der Berliner.

"Wer wird Millionär": 4.000 Euro Schmerzensgeld

Dass Di Sante für 8.000 Euro nicht wusste, dass es Weltmeister Sami Khedira war, der – was den Arbeitgeber betrifft – jüngst von einer "Alten Dame (Juventus Turin) zur anderen (Hertha BSC) wechselte, überraschte niemanden mehr.

Aus Rücksicht auf seine Frau war für den 47-Jährigen auch der Gang ins Risiko kein Thema. Der putzige Gelsenkirchener strich die Segel, steckte seine 4.000 Euro ein und war damit bestens bedient.

Grundschullehrerin: smart, aber herzlich

Die angehende Grundschullehrerin Sarah Dry, die es unmittelbar danach in die Mitte zu Günther Jauch schaffte, schien aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein. Sie machte einen smarten und ungezwungenen Eindruck und hatte offenbar wenig Lust, sich lange im pekuniär irrelevanten Bereich aufzuhalten. Dass ihr der Modetrend "Flanking", der selbst bei niedrigen Temperaturen die Knöchel freilegt (eine Wortschöpfung aus "Flashing" und "Ankle"), kein Begriff war? Eine lässliche Sünde. Mithilfe ihrer Joker nahm die Osnabrückerin Hürde um Hürde und wusste etwa, dass die Insel Rügen nicht nur Deutschlands flächenmäßig größte, sondern auch jene mit den meisten Einwohnern ist.

Eine Autowaschanlage wolle sie mit dem Gewinn eröffnen, verriet sie Jauch, der sich erstaunt zeigte: "Ich hatte schon viele Wünsche hier, aber eine Autowaschanlage noch nie", so der Moderator, der danach offenbarte, privat einen betagten Mini zu fahren und für größere Ausfahrten eine 14-Jahre alte C-Klasse aus der Garage zu holen. Die Frage für 32.000 Euro:

Wie heißt der im vergangenen Jahr erschienene achte Roman der erfolgreichen Gereon-Rath-Krimireihe von Volker Kutscher?

A: Olympia

B: Bundestag

C: Oscar

D: Titanic

"Ich hab tatsächlich überhaupt keine Ahnung, möchte auch nicht zocken und würde gern mit 16.000 Euro nach Hause gehen", machte es Sarah Dry am Ende ihrer Performance kurz. Der Titel von Volker Kutschers achtem Roman, der im vergangenen Herbst erschienen ist, lautet "Olympia".

Alexandra Steller bei WWM: Pflegefachkraft, aber Misanthrop

Auch die Nordrhein-Westfälin Alexandra Steller konnte sich am Montagabend bei der Auswahlfrage durchsetzen. Sie startet im kommenden Herbst eine Ausbildung zur Pflegefachkraft und könnte hierfür ein bei Jauch hart erarbeitetes Sümmchen durchaus gut gebrauchen. Bis zur 4.000-Euro-Frage hatte die nach eigener Aussage an fremden Menschen nicht sonderlich Interessierte kaum Probleme. Mit jener für 8.000 Euro änderte sich dies:

Welcher auch für Privatleute bisweilen erforderliche Nachweis kann in Theorie und Praxis umfassenden Lehrgängen erworben werden?

A: Presslufthammerlizenz

B: Motorsägenschein

C: Schlagbohrerausweis

D: Aufsitzrasenmäherzulassung

"Unterschätzen Sie bitte nicht die von vielen Männern in Deutschland täglich erbrachte Leistung auf einem Aufsitzrasenmäherzulassung", ermahnte Jauch augenzwinkernd die Kandidatin, die die Existenz einer Aufsitzrasenmäherzulassung massiv bezweifelt hatte.

Steller wusste die Antwort nicht wirklich, setzte auf ihr Bauchgefühl und ging ins Risiko. Sie ließ die Presslufthammerlizenz einloggen. Doch Jauch musste sie enttäuschen: "Es ist tatsächlich der Motorsägenschein", klärte er die angehende Pflegefachkraft auf, die lediglich noch ein "Verdammt!" produzierte und sich mit 500 Euro begnügen musste.

Juristin steht vor der 64.000-Euro-Frage

Dank Juristin Sylvia Rakel, die am Montagabend auch noch an die Reihe kam, könnte es bei der nächsten regulären Ausgabe durchaus interessant werden. Die Berlinerin, die sich ehrenamtlich für Tiere engagiert und noch den 50:50-Joker im Talon hat, steht vor der 64.000-Euro-Frage und darf in zwei Wochen weiterquizzen.