"Wer wird Millionär?": Beleidigungs-Orgie beim "Muttertags-Special"

Was der Grinch für Weihnachten ist, scheint Günther Jauch für den Muttertag zu sein: Erst schimpfte der Moderator über einfallslose Geschenke, dann beleidigte er die Kandidatinnen, die eigentlich an dem Tag besonders gut behandelt werden sollten ...

Andrea Bringenberg (zweite von rechts) vollführte mit großem Gekreische einen Freudentanz, weil sie als Einzige die Auswahlfrage meisterte. Während die Familie auf der "schönen Lounge" verköstigt wurde, "haben wir hier nur das übliche Muttertagswasser", meckerte der Moderator.
"Vielleicht können wir von dort eine Erdbeere ...?", hob Andrea Bringenberg an. "Erst ab 500 Euro", sagte der Zeremonienmeister streng. Nicht mal eine Erdbeere zum Muttertag gönnte Jauch der Kandidatin. "Ich bin ein großer Fan", schwärmte sie unbeirrt. "Das hilft ihnen jetzt aber nichts mehr", gab der Moderator sich unterkühlt.
Immerhin: Der spartanische Ratestuhl wurde für den besonderen Anlass durch ein thronartiges Polstermöbel ersetzt. Ihre Kinder hatten die Kandidatin bei Jauch angemeldet - als Entschuldigung für die peinlichen Muttertagsgeschenke: ein XXL-BH und eine Anti-Faltencreme für Frauen ab 60. "Letzteres kann ich nachvollziehen", sagte Jauch trampelhaft.
Die Dame reagierte beleidigt auf die wenig galante Bemerkung. Jauch tappte gleich darauf ins nächste Fettnäpfchen. Anlass: der Kleeblatt-Stempel ihrer Kinder, mit dem sich Andrea Bringenberg den Arm geschmückt hatte. "Wenn ich beleidigend wäre, würde ich sagen, das könnte als erster Altersfleck durchgehen", so Jauch frech.
So behandelt man doch keine Dame! Und schon gar nicht einen Tag nach dem Muttertag. Jauch versuchte, die Entrüstete abzulenken und suchte auf dem eigenen Arm nach Altersflecken. Die Kandidatin beschied ihm makellose Haut. Der 62-Jährige verriet sein Anti-Aging-Geheimnis: "Da wird eine vier Millimeter-Schicht aufgetragen", deutete er auf seinen Arm.
Bei der 64.000-Euro-Frage war gefragt, welcher Promi bei "Kevin - Allein in New York", "Zoolander", "Sex and The City" und "Der Prinz von Bel-Air" zu sehen war. "Muss ich hier reinsprechen?", erkundigte sich die Kandidatin. "In Ihr Wasserglas?", veräppelte Jauch sie. Von oben herab erklärte den Unterschied zwischen Lautsprecher und Mikrofon.
Der Telefonjoker versagte, der Zusatzjoker wusste: Donald Trump. "Ich glaube, jetzt ist der richtige Moment gekommen für die Erdbeere", schlug Jauch vor. Die Kandidatin nahm zwei. "Ich hatte Ihnen eine angeboten, aber nun ja", spielte Jauch den Spießer. Das Publikum war amüsiert, Andrea Bringenberg weniger.
Die Erdbeeren blieben Wegzehrung: An die 125.000-Euro-Frage wagte sie sich nicht. Die Kandidatin ging mit 64.000 Euro und einem Nichtraucher. Obwohl Jauch bisweilen recht uncharmant war, blieb ihm ein weiblicher Fan treu: Die Oma (rechts hinten) sagte zum Abschied: "Sie sind so ein sympathischer Mensch, ich gucke immer ihre Sendung."
Madeleine Stredak aus Erftstadt war mit ihrem Ehemann und zwei Töchtern angereist. "Wir weinen gleich zu zweit", erklärte sie bei der Familienaufstellung. Als ein Wasserglas serviert wurde, erklärte sie: "Ich mag kein Wasser." Jauch war irritiert, weil er gegenteiliges verstanden hatte. Gesagt hatte Stredak aber, sie sei "nah am Wasser gebaut".
Statt Wasser kam ein Glas Sekt. "Oh, ich trinke nie Alkohol", erklärte Madeleine Stredak. "Ich weiß nach 500 Euro nicht mehr, wo rechts und links ist", glaubte sie. Jauch staunte, als die Kandidatin erklärte, sie könne wenig über die Sendung sagen, da sie am Montag Abend immer arbeiten müsse. Beruhigt war er erst, als sie versicherte, ihn zu kennen.
Eigentlich wäre ihr lieber, ihr Mann säße hier, so die Kandidatin. "Aber der ist keine Mutter, von daher muss ich das jetzt ausbaden." Schon bei der 2.000-Euro-Hürde verkündete Madeleine Stredak: "Ich weine gleich wieder." Jauch konterte: "Sie nutzen auch jeden Grund zu weinen." Einen Grund lieferte er selbst bei der 8.000 Euro-Frage ...
Gefragt war, was frisurentechnisch zurzeit extrem angesagt sei. Ihre wilde Mähne jedenfalls nicht, war die Kandidatin sicher. Und statt charmant zu widersprechen, erwiderte Jauch: "In den 60er-Jahren ist man für teures Geld zum Friseur gegangen, um das so zu haben wie Sie". Ihre Frisur sei "das Modell explodierter Wellensittich", so Jauch weiter.
Die Kandidatin riet richtig: "Tob", eine Mischung aus Tolle und Bob. Jauch machte einen Deal mit der kleinen Tochter (hinten, Mitte): Wenn die Mama die 16.000-Euro-Marke übersprang, würde sie auf der Klarinette die Melodie der Sendung spielen. So kam es auch. Immerhin zum Kind war Jauch nett: "Super, toll", lobte er die mutige Musikeinlage.
Auch der Gatte bekam sein Fett ab. Als Madeleine Stredak erklärte, mit dem Gewinn solle ein neues Familienauto gekauft werden, war Jauch sicher, derzeit wäre ein Ford Focus im Einsatz. Seine Begründung: Der Gatte habe ein "Focus"-Gesicht. Jauch hatte tatsächlich recht mit seiner Theorie. Vielleicht sollte er es mit dieser Gabe mal im TV versuchen.
Bei der 64.000-Euro-Frage beleidigte Madeleine Stredak zurück. Allerdings nicht den Moderator, sondern ein ganzes Bundesland. Gefragt war: "Welches Bundesland löste einer aktuellen Studie zufolge 2018 Bayern als beliebtestes Inlandsreiseziel der Deutschen ab?" Nach dem 50:50-Joker blieben Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zur Wahl ...
"Warum sollte Niedersachen beliebtestes Inlandsreiseziel sein?", wunderte sich Stredak. "Das wird Ihnen die niedersächsische Tourismusbehörde morgen mit acht Kilo Werbematerial umgehend erläutern", versuchte Jauch sie zu verunsichern. Unbeeindruckt wählte die Kandidatin die Alternative. Mecklenburg-Vorpommern war korrekt.
Wie ihre Vorgängerin wagte sich Madeleine Stredak nicht an die 125.000-Euro-Frage und ging mit 64.000. Genug, um dem zu frönen, was sie ihren "Sockenfetisch" nannte. Sie trage ungern Socken ein zweites Mal, erklärte sie. Die letzten Worte des Muttertags-Grinch Jauch: "Wir kommen immer montags, nehmen Sie sich mal frei."