Günther Jauch bittet beim zweiten Teil der Jubiläumssendung "18 Jahre 'Wer wird Millionär?' - Endlich volljährig!" erneut 18-Jährige zur Quizshow. Ein Zauberer tappt im Dunkeln, eine Lehramtsstudentin verblüfft mit einem Glücksbringer in fragwürdigem Zustand.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

Wer wird Millionär?: Alle News und Infos

Letzte Woche wurde hier an dieser Stelle die Frage gestellt, ob man sich nach dem eher unglücklichen Auftritt von Kandidat Josef beim ersten Teil der Jubiläumssendung "18 Jahre 'Wer wird Millionär?' - Endlich volljährig!" Sorgen um die Bildung der Jugend machen muss.

Rauchende Köpfe bei 18 Jahre WWM

Auch der zweite Teil des WWM-Specials am Montagabend konnte die Bedenken leider nicht ausräumen - eher im Gegenteil, die jungen Kandidaten hatten an den recht einfachen Fragen einmal mehr ziemlich zu knabbern.

Zur Erinnerung: Wer wird Millionär wurde ziemlich genau vor 18 Jahren zum ersten Mal ausgestrahlt. Um das Jubiläum zu feiern, hatte Günther Jauch diese und letzte Woche acht 18-Jährige zu Gast, die auf den großen Gewinn in der Rateshow hofften.

Bei "WWM" stellen sich 18-Jährige den Quizfragen von Günther Jauch.

Natalie will die Kuh ihrer Cousine finanzieren

Zunächst war da Natalie aus Aichach. Schülerin, 13. Klasse, nach eigener Auskunft süchtig nach Frischkäse und Schokolade.

Die Bayerin hatte bereits in der letzten Sendung auf dem Ratestuhl Platz genommen und schlug sich gut - bis zur 16.000-Euro-Frage.

Was ist während eines Biathlonrennens beim Liegendschießen anders als beim Stehendschießen?

A: Gewicht des Gewehrs

B: Länge der Schussbahn

C: Durchmesser der Zielscheibe

D: Kaliber der Munition

Natalie, Mitglied im Schützenverein und dreifache Schützenkönigin, war auf der richtigen Spur, schwankte aber zwischen "B" und "C". Auch Starjoker Ralf Schnoor konnte nicht helfen.

Die Kandidatin entschied sich für die 8.000 Euro, aber legte sich anschließend auf die richtige Lösung "C" fest.

Schade, für Natalie wäre sicher mehr drin gewesen. Ihren Gewinn will sie übrigens in eine neue Brille investieren und außerdem ihre Cousine unterstützen, die eine Kuh vor dem Schlachthaus gerettet hat.

Leberventile oder Herzklappen?

Der nächste Kandidat war Vincent aus Görlitz, der derzeit einen Bundesfreiwilligendienst absolviert, aber eigentlich als Zauberkünstler und Mentalist arbeiten möchte.

Ein Gedächtniskünstler und Gedankenleser also. Am Montagabend schienen den Sachsen seine übernatürlichen Fähigkeiten aber verlassen zu haben.

Von Anfang lief es nicht rund bei Vincent, die 300-Euro-Frage, die eher ein Scherz sein sollte, wurde schon zum ernsthaften Hindernis.

Wovon hat ein Mensch normalerweise vier?

A: Herzklappen

B: Leberventile

C: Nierenportale

D: Lungendeckel

Der ahnungslose Gedankenleser musste das Publikum zur Hilfe holen, dass sich zu 96 Prozent für die Herzklappen entschied. Ein Ergebnis wie bei einer Wahl in Nordkorea.

"Der Körper ist ein Phänomen", erklärte Vincent anschließend: "Wenn der Arzt zu mir sagen würde, ihre Leberventile sehen nicht so gut aus, würde ich ihm auch glauben."

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Jauch versucht sich als Pädagoge

Tja. Noch schwieriger wurde es bei der nächsten Frage.

Was sollten PKW-Fahrer einer Empfehlung vieler Fahrlehrer zufolge mit der rechten Hand betätigen, obwohl es mit links einfacher geht?

A: Blinker auf der Autobahn

B: Rückwärtsgang beim Parken

C: Türgriff beim Aussteigen

D: Fernlicht bei Nacht

Hier war Vincent direkt auf richtigen Spur und erklärte, dass man beim Greifen nach dem Türgriff mit rechts ja automatisch nach hinten schauen müsse. Dann ließ er sich durch eine Rückfrage aber völlig verunsichern.

Der immer ungeduldiger werdende Jauch stand auf und ging mit dem jungen Mann sämtliche Möglichkeiten durch.

"Dreimal dumm, einmal nicht ganz so dumm", lautete Jauchs Fazit angesichts der vier Antwortmöglichkeiten.

"Der Rückwärtsgang!", brach es aus Vincent heraus, was bei Jauch Mitleid mit den Lehrkräften dieser Republik heraufbeschwor: "Ich muss eine Lanze für alle Pädagogen brechen."

Die "Giraffen Bande" wird Vincent zum Verhängnis

Nachdem Vincent das Rätsel endlich gelöst hatte, wurde gefragt, was ein "Bun" ist. Vincent tippte auf einen Popcorn-Eimer und wurde von Starjoker Leon Windscheid mit der richtigen Antwort "Hamburger-Brötchen" gerettet.

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Das hätte ein 18-Jähriger durchaus wissen können. Genauso sollte man meinen, dass ein junger Erwachsener schon einmal etwas von den Hip-Hoppern der "Antilopen Gang" gehört hat.

Als Vincent sich für aber für "Giraffen Bande" entschied, hatte Jauch die Faxen dicke und half dem Kandidaten nicht mehr aus der Patsche.

"Sie können ja auch Gedanken lesen?", fragte Jauch: "Probieren sie es jetzt mal aus, ob sie zu einem anderen Ergebnis kommen." Aber der Mentalist blieb bei seiner Antwort und fuhr mit 500 Euro nach Hause.

Ein Kuscheltuch mit heilenden Kräften

Als letztes durfte dann noch Lehramtsstudentin Cäcilia aus Köln auf den Ratestuhl. Wie sie mit einem Schüler wie Vincent umgehen würde, wollte Jauch wissen.

"Ich hoffe mal, dass ich die Geduld behalte", erklärte die angehende Lehrkraft: "Aber das wird schon hart."

Cäcilia beantwortete die Fragen zunächst recht souverän, verblüffte aber vor allem mit ihrem Mitbringsel, dem Kuscheltuch "Mummel", 18 Jahre alt und noch nie gewaschen.

Jauch durfte das gute Stück dann auch mal in Augenschein nehmen, der Zustand des löchrigen Fetzens war mit "Lumpen" noch wohlwollend beschrieben.

Als Baby hatte Cäcilia den Stoff als "Kotztuch" verwendet, heute hat "Mummel" sogar heilende Kräfte. "Wenn sie die Nase zu haben, riechen sie mal dran. Das macht die Nase wieder auf", erzählte die 18-Jährige.

Als Cäcilia die 16.000-Euro-Frage beantwortet hatte, beendete die Sirene die Raterunde. Nächste Woche darf sie um 32.000 Euro spielen. Dann kommen wieder "normale" Kandidaten. Zum Glück, möchte man fast sagen.