Ein Krimi, der kein Krimi sein will: Der neue "Polizeiruf" kommt ziemlich bedächtig daher - man könnte es auch spannungsarm nennen. Alleine Hauptdarsteller Matthias Brandt rettet den Film.

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Die Teams beim "Polizeiruf 110"

Im Schatten des "Tatorts" gehen diese Ermittler auf Verbrecherjagd.

Die Frauenleiche, die im Schlamm liegt, sieht übel zugerichtet aus. "Im Regen bleibt das Blut ewig frisch!", sagt Matthias Brandt, der im "Polizeiruf" des Bayerischen Rundfunks den Kommissar Hanns von Meuffels spielt. Kurz zuvor hat der Zuschauer gesehen, wie zwischen einer Frau und einem Mann ein Streit ausbricht, wie sie ihm den Laufpass gibt. Dann schlägt der Mann mit einem gläsernen Gegenstand zu.

Theatralischer Fall

Man sieht die schon blutende Frau dann noch einmal im Scheinwerferlicht eines Jeeps – sie wird von ihm brutal umgefahren. Während sich all das in Rückblenden dieses "Polizeirufs" abspielt, spielen sie in einem Schwabinger Kindergarten heile Welt. Es werden Kinderlieder gesungen. Nein, nicht von den Kindern in dem privaten Elitehort, sondern von deren Eltern. Diese wollen sich in die Welt ihrer Kinder einfühlen, um ihnen das Beste zu geben. Doch das stellt sich sehr bald als falsches Gehabe heraus, der Ton wird rauer. "Kinderparadies" steht an den Wänden des Kindergartens in großen Lettern – so plakativ, dass es hoffentlich auch jeder glaubt.

Es ist ein eher poetischer und theatralischer Krimi geworden, den Daniel Nocke ("Sie haben Knut") geschrieben und Leander Haußmann ("Sonnenallee") inszeniert hat. Kennt man beispielsweise den hier mehrfach zitierten Shakespeare'schen "Sommernachtstraum" nicht aus dem Effeff, entgeht einem zwar nicht die Lösung des Falls, aber eben doch einiges an Dramatik, wie sie der Wandel von Liebe in Hass und tödlicher Eifersucht mit sich bringt.

Spannung: eher mau

Der Fall selbst ist eher dünn. Da sind die Kindergarteneltern, die ihren Kleinen Gutes tun wollen und sich selber doch im Hass zerfleischen. Viel mehr ist nicht. Sehr bald kann der Zuschauer diesen "Polizeiruf" als einen von jener Sorte erkennen, die viel Moral bieten, sich aber um Spannung nicht recht zu kümmern wissen. Die recht schrille Auflösung mit einer Messer wetzenden Kindergärtnerin in Amokstimmung dauert am Ende auch eine geschlagene Ewigkeit.

Alleine Matthias Brandt rettet den Film. Nicht nur, weil er am Ende mit einer Polizistenpuppe die Kinder beruhigt. Wie er für die Tochter der Ermordeten die Ersatzmutter spielt, wie sie ihn in die Pathologie begleitet und im Supermarkt im Einkaufswagen fährt hat Spielfilmqualität.  © 1&1 Mail & Media/teleschau