In der neuen RTL-Show "Denn sie wissen nicht, was passiert" haben die Moderatoren Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger keine Ahnung, was auf sie zukommt. Das Ergebnis: Chaos. Zumindest ein klitzekleines.

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"Das ist wirklich ein absolutes Scheißgefühl. Keiner von uns weiß, was hier heute Abend passiert." Günther Jauch hatte schon Muffensausen, bevor es überhaupt richtig losging. Moderatoren-Kollege Thomas Gottschalk sah die neue Herausforderung deutlich gelassener: "Ich wusste nie in irgendeiner Show, die ich gemacht habe, was passiert. Aber für euch beide ist es neu."

Was Günther Jauch da so Unbehagen bereitet, ist das Konzept von RTLs neuer Samstagsabendshow "Denn sie wissen nicht, was passiert". Oder besser gesagt: "Denn sie wissen nicht, was passiert – Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show", wie die Sendung mit Vor- und Nachnamen heißt.

Und dort ist vor allem das gefragt, was Günther Jauch in seiner bisherigen Moderatoren-Laufbahn eher weniger brauchte: Improvisationstalent. Wie der viel zu lange Name der Show nämlich verrät, kommt den Moderatoren Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Barbara Schöneberger eine tragende Rolle zu, welche das genau ist, erfahren die drei aber erst in der Show.

"Leute, das läuft auf ein Scheißspiel raus"

Auch alles Weitere ist für das Moderatoren-Trio völlig unbekannt: welche Spiele gibt es, welche Promis sind eingeladen, nach welchen Regeln funktioniert die Show und so weiter. Am Ende sieht es dann so aus, dass Günther Jauch die Show moderiert, Schöneberger und Gottschalk spielen gegen Axel Prahl und Jan Josef Liefers. Beide Teams treten in zehn Spielen plus Finale für jeweils einen Kandidaten aus dem Publikum an, der am Ende dann 50.000 Euro gewinnen kann.

Damit bei so vielen Unbekannten die Show nicht gleich von Beginn an aus dem Ruder läuft, stellt RTL den drei Moderatoren Thorsten Schorn als eine Art Zeremonienmeister zur Seite. Der sitzt im Publikum in einem Glaskabuff und schreitet immer dann ein, wenn es zu bunt wird. Ein erster Fehler im Konzept, denn zu bunt, so viel sei verraten, wurde es an diesem Abend leider viel zu selten.

Das konnte Günther Jauch beim ersten Spiel des Abends aber noch nicht wissen und so war er immer noch ein bisschen angespannt. Die Kandidaten-Pärchen sitzen mit verbundenen Augen auf einer Kiste, während eine brennende Lunte auf sie zurast. Mit einem Hebel können sie die Lunte löschen. Je später die Lunte gestoppt wird, desto mehr Punkte gibt es; wird der Hebel zu spät gezogen, knallt's. "Leute, das läuft auf ein Scheißspiel raus", jammert Jauch beim Testlauf, während die brennende Lunte auf ihn zurast.

So unterhaltsam und originell die Show startet, so zäh wird sie dann mit zunehmender Dauer des Abends. Lustig wird es vor allem immer dann, wenn Schöneberger und Co. das tun, was sie am besten können: unterhalten. Wie zum Beispiel beim Begriffe-Raten-Spiel. Ein Spieler erklärt den anderen ein Wort, muss aber bei den Erklärungen den ersten Buchstaben durch einen anderen ersetzen: "Mo maufst mu men Mammer?" wird so zum Satz des Abends.

"DSWNWP" oder sechs Runden "Mensch ärgere Dich nicht"?

Der Rest der Spiele bewegt sich zwischen originell, albern und "Hat das nicht auch schon mal der Raab gemacht?". Das funktioniert insgesamt mal gut, mal weniger – je nachdem, was man als Zuschauer persönlich lustig findet.

Die große Frage des Abends lautet ohnehin: Wird die Show besser, wenn die drei Moderatoren nicht wissen, was passiert? Ja und nein. Ja, denn manchmal gab es durchaus ein unterhaltsames Chaos: "Günther, wenn ich moderiert habe und keine Ahnung gehabt habe, hat es keiner gemerkt – bei dir merkt es jeder!", stichelt beispielsweise Gottschalk, als Jauch kurz den Überblick verliert.

Und nein, weil man dem Chaos, das hätte entstehen können, doch ein wenig Fußfesseln angelegt hat. Was wäre passiert, wenn es keinen Spielleiter gegeben hätte, wenn man das Improvisationstalent von Jauch an seine Grenzen gebracht hätte? Man wird es nie erfahren. So bleibt "Denn sie wissen nicht, was passiert" ein netter Versuch im oft biederen Einheitsunterhaltungsbrei. An das RTL-Anarchie-Fernsehen der 1980er und 1990er Jahren reicht die Show aber nicht heran.

Hinzu kommt ein zweites Problem, das aber in der Zwischenzeit für fast jede Samstagsabendshow gilt: Sie ist zu lang. Mit knapp vier Stunden dauert das Ganze ungefähr so lange wie sechseinhalb durchschnittliche Partien "Mensch ärgere Dich nicht", zehn Folgen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder eine Autofahrt von Oer-Erkenschwick nach Suhl. Es will gut überlegt sein, ob man diese Zeit vollständig investieren möchte.