Regie, Drehbuch UND Hauptrolle: Josef Hader hat sich in seinem Film "Wilde Maus" gleich dreifach verwirklicht. Kein Wunder also, dass der Steifen so zutiefst österreichisch ist. Ab sofort ist der Film im Kino zu sehen.

In seinem Regiedebüt "Wilde Maus" setzt Josef Hader ganz auf vertraute Zutaten: Da sucht ein ausgebrannter Verlierer kleinliche Rache, während sein bürgerliches Leben auseinanderfällt. Nicht alles an der Geschichte geht auf, aber dafür kann Hader mit heruntergespieltem Humor und mitfühlendem Ernst punkten.

Den Gitarristen der White Stripes kennt er nicht, dafür denkt er bei Jack White an dessen Namensvetter, der einst Schlager für Roland Kaiser und Roberto Blanco produzierte. Der Musikkritiker Georg wurde von der Zeit überholt und ist außerdem zu teuer. "Ihre Leser sind zum Großteil schon tot", meint sein Chef Waller noch, bevor er Georg feuert.

Seiner Frau Johanna verschweigt Georg, dass er ab sofort arbeitslos ist. Seit drei Jahren versucht das Paar vergeblich, ein Kind zu bekommen, und der 43-Jährigen läuft die Zeit davon. Außerdem ist sie in ihrem Job als Therapeutin auch nicht erfolgreicher: Ein Patient, mit dem sie daran gearbeitet hat, dass er seine Bedürfnisse stärker in seine Beziehung einbringt, wurde gerade verlassen, weil er zu egoistisch ist.

Zufällig trifft Georg einen alten Schulkameraden, mit dem er sich an den Wiederaufbau der Achterbahn "Wilde Maus" macht. Außerdem startet er einen Rachefeldzug gegen Waller – anfangs noch recht harmlos, mit zerkratztem Autolack und zerschnittenem Cabrio-Verdeck. Aber während Georgs Existenz auseinanderfällt, verrennt er sich immer weiter in diesen Feldzug.

Ein zutiefst österreichisches Regiedebüt

Seit Beginn seiner Laufbahn hat Kabarettist Josef Hader an seinen Filmstoffen auch mitgeschrieben: die Tragikomödie "Indien", die lakonischen Brenner-Geschichten, die schwarzhumorige Schalko-Groteske "Aufschneider". Für "Wilde Maus" hat er aber nicht nur das Drehbuch verfasst und die Hauptrolle übernommen, sondern liefert auch sein Regiedebüt ab, das er im angemessenen Rahmen auch auf der diesjährigen Berlinale vorstellen konnte.

Es fühlt sich vertraut an, was Hader mit "Wilde Maus" erzählt – und das nicht nur, weil er schon öfter den Ausgebrannten gespielt hat. Auch generell bedient die Geschichte ein wohlbekanntes Feld: das der bitterkomischen Midlife-Crisis-Betrachtung. Vor allem im österreichischen Kino sieht man oft genug, wie den Verlierern langsam das Leben wegbröselt – und es war Hader selbst, der seinerzeit mit "Indien" maßgeblichen Einfluss darauf nahm.

So ist auch "Wilde Maus" im Tonfall wieder ein zutiefst österreichischer Film geworden: verhaltenes Tempo, schnodderiger Schmäh, die Figuren werden süffisant seziert, der Humor entwickelt sich aus Frustration und Verzweiflung. Immer wieder ist Raum für kleine Absurditäten – zum Beispiel, wenn sich ein Polizist, der die Anzeige wegen Georgs Sachbeschädigung aufnimmt, als Fan entpuppt. Oder wenn der übereifrige Veganer vom Gegenüber trocken abserviert wird: "Ich möcht' einfach Suppe essen und ein bisschen Käse, ohne deswegen über Hitler diskutieren zu müssen."

Probleme kommen und gehen

Ganz geht die Geschichte aber nicht auf: Zu viele Stränge sind hier nur angerissen, ohne irgendwohin zu führen. Figuren werden aufgebaut und verschwinden ohne viel Aufhebens wieder, wenn die Handlung sie nicht mehr braucht. Der genannte Patient von Johanna taucht in einer überraschenden Wendung noch mal auf, die nur konstruiert wirkt. Und irgendwann wird man mit diesen ewig um sich selbst kreisenden Figuren auch ungeduldig, möchte sie aus ihren starren Perspektiven herausschütteln.

Dennoch: Haders Blick auf seine Charaktere ist oft ein mitfühlender, und er weidet sich nicht an dem, was ihnen passiert. Er jongliert den heruntergespielten Humor geschickt mit den ernsthaften Blicken unter die Haut seiner Protagonisten. Und zum Schluss wird vielleicht nicht alles gut, aber ein von Georg verursachter Stau löst sich langsam wieder: ganz wie im richtigen Leben.