Günther Jauch als Quiz-Gegner und Lothar Matthäus als Experte? Die neue Quizshow "Ich weiß alles" im Ersten macht alles anders und doch alles gleich. Die Idee dahinter: Wir nehmen einfach alles, was in Quizshows schon einmal funktioniert hat und machen daraus eine neue Show. Das klappte beim Auftakt am Samstagabend erstaunlich gut.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Mit Jokern oder ohne. Alleine oder im Team. Um Geld oder für den guten Zweck. Mit Österreich und der Schweiz. In der Achterbahn oder im Studio. Gegen andere Kandidaten oder gegen das Publikum.

Für echte Besserwisser und für falsche. Auf Zeit oder in aller Ruhe. Gegen Promis. Gegen Experten. Gegen Promi-Experten: Es gibt wohl kaum ein TV-Unterhaltungsformat, bei dem es so viele Varianten gibt wie bei einer Quizshow.

Was macht man also, wenn man eigentlich schon alles durch hat, aber trotzdem eine neue Quizshow machen möchte?

Bei der ARD schmeißt man in so einem Fall einfach alles, was man kennt, in einen Topf. Interessanterweise heißt eine solche Show dann nicht "Wir machen alles!", sondern "Ich weiß alles!".

Das ist auch insofern interessant, als dass es einfach nicht stimmt, wie in der Auftaktfolge alle Kandidaten bewiesen haben. Niemand hat dort den Jackpot abgeräumt.

Das war auch gar nicht so einfach, denn bei der Gemeinschaftsproduktion von NDR, BR, SRF, ORF in Zusammenarbeit mit I & U TV wurden den Kandidaten wirklich einige Hindernisse in den Weg zu 100.000 Euro gelegt.

Um ins Finale zu kommen mussten die Kandidatinnen und Kandidaten zunächst gegen einen von vier Prominenten in dessen Wissensgebiet antreten.

Lothar Matthäus als Experte

Hier gelang der Show der wohl größte Coup, denn es durfte tatsächlich Lothar Matthäus als Wissensexperte auftreten – ein Feld, in dem man ihn bisher nicht vermutet hat.

Neben ihm saßen Thomas Gottschalk, Ben Becker und Til Schweiger als weitere Experten für die Beatles, für Goethe und für Hollywood.

War die erste Hürde gemeistert, traten die Kandidaten im Anschluss gegen die 1.000 Zuschauer im Studio an. Ging auch das gut aus, blieb als letzte Hürde ein Triumvirat aus Quizshow-Moderatoren: Günther Jauch ("Wer wird Millionär?), Susanne Kunz ("Einer gegen 100", SRF) und Armin Assinger ("Die Millionenshow", ORF).

Wie gesagt, bei "Ich weiß alles!" hat man so ziemlich alles mitgenommen, was jemals in einer Quizshow ausprobiert wurde.

Einsteins Urenkel als Gegner

Auch die Kandidaten bildeten eine illustre Truppe. So waren unter anderem der Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums, eine österreichische Quizshow-Staatsmeisterin oder der Urenkel von Albert Einstein dabei.

Alle Kandidaten wurden angehalten im Einspieler "Ich weiß alles!" zu behaupten, was aber wohl einfach nur dem Namen der Show geschuldet war.

Alles wusste nämlich niemand – natürlich nicht. Im Gegenteil, die Kandidaten relativierten ihre Behauptung noch auf dem Ratestuhl: "Bei Fußball und Film bin ich ein bisschen ein Muffel", gestand beispielsweise Oxford-Absolvent Michael Adamer aus Österreich.

Am Ende waren es also einfach Kandidaten wie in jeder anderen Quizshow auch. Und so wird Botaniker und Museumsdirektor Johannes Vogel zwar für seinen kunstvoll gezwirbelten Bart in die Fernsehgeschichte eingehen, nicht aber dafür, dass er mehr über die Beatles wusste als Thomas Gottschalk.

Gottschalk generös

Und da wir schon bei Gottschalk sind: Er war es auch, der in der Show für die launigen Momente sorgte.

So wandte er sich in puncto Kleiderordnung an einen Kandidaten und gab ihm seine Beobachtungen des Abends wieder: "Was mich heute fasziniert hat: Menschen mit hohem Intelligenzquotienten ist es oft völlig egal, was sie anziehen."

Ein anderes Mal verhalf er Kandidat Daniel Hunold eine Runde weiter, weil der bereits in Runde eins zu versagen drohte.

Auf die Frage, wie oft in dem Beatles-Song "She Loves You" das Wort "Yeah" vorkommt, machte es Gottschalk dem Kandidaten leicht und antwortete mit 753-mal. Richtig wären 29-mal gewesen. Gottschalks Kommentar als Hunold weiterkam: "All You Need Is Love".

Gottschalks Großzügigkeit kam nicht von ungefähr. Vielleicht merkte der Moderator, dass die Fragen alles in allem doch ziemlich knusprig waren.

So wurde zum Beispiel gefragt, in welcher Reihenfolge die Beatles seinerzeit für das Plattencover von "Abbey Road" über den berühmten Zebrastreifen gegangen sind oder warum man nach intensivem Sport häufig keinen Hunger verspürt. Wesentlich einfachere Fragen gab es nicht.

Was bleibt also von "Ich weiß alles!"? Auf jeden Fall ist es eine Quizshow, die auch bei drei Stunden Länge nie langweilig wurde.

Hinzu kommt der nette Einfall einmal renommierte Quizmaster als Gegner zu nehmen. Und die Bestätigung, dass bei einem Quizshowmix die Gefahr, dass das schiefgeht, zwar groß ist, bei "Ich weiß alles!" funktioniert es aber gut.

Einzig die Kandidaten, die allesamt leer ausgingen, dürften das anders sehen.