HalliGalli im wahrsten Sinne des Wortes: Am Samstagabend machten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf eine Weihnachtsshow, die eigentlich eine XL-Ausgabe der gemeinsamen Erfolgsshow "Circus HalliGalli" war. Das ist manchmal lustig, originell aber ist es nicht.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Es beginnt eigentlich gar nicht schlecht. Die Kamera schwenkt im Studio über die Kulisse. Ein kleiner Weihnachtsmarkt, funkelnde Christbäume, eine Winterlandschaft mit Gondeln und dazu weihnachtliche Musik.

Als dann Joko und Klaas mit Flammenwerfer und E-Gitarren-Sound über die zunächst so fernsehtauglich-heimelige Weihnachtsstimmung herfallen, weiß man, dass dort, wo "Weihnachten mit Joko und Klaas" draufsteht, auch Weihnachten mit Joko und Klaas drin sein wird.

Satire? Lieber nicht

Das erste Mal skeptisch wird man aber beim zweiten Blick. Joko steht im gewohnt feinen Zwirn da, Klaas hingegen hat sich für einen Trachten-Janker entschieden und zusammen mit seinem typischen Grinsen ahnt man, dass Heufer-Umlauf auf Satire eingestellt ist.

Trotzdem fragt ihn Winterscheidt, was er denn da anhabe. "Ich probiere, mir die heile Welt einfach anzuziehen", antwortet Heufer-Umlauf, obwohl diese Offensichtlichkeit jeden Anflug von Satire kaputt macht. Man hätte es auch so kapiert. Ebenso wie die "Carmen Nebel"-Weihnachtskulisse, die man Florian Silbereisen vor der Nase weggeschnappt habe.

Wenn man Satire erklären muss, kann man es eigentlich gleich lassen. Umso mehr, da das, was dann in den folgenden drei Stunden zu sehen war, mit Satire ohnehin nicht mehr viel zu tun hatte. Statt die ganze heile TV-Weihnachtswelt auf die Schippe zu nehmen, entschieden sich Joko und Klaas für eine XL-Version ihrer ehemaligen gemeinsamen Show "Circus HalliGalli".

Das ist dann immer noch nicht, nicht mehr oder aber immer noch lustig. Wie zum Beispiel der "HalliGalli"-Dauerbrenner "Aushalten: Nicht lachen!", bei dem Joko und Klaas erstmals gemeinsam antreten und Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz zum Lachen bringen müssen.

Das ist witzig, eklig, pubertär, skurril, albern, geschmacklos und funktioniert vor allem alleine dadurch, dass man eben mitlachen muss. Der Rest der Show ist dann eine Ansammlung aus alten und ein bisschen neuen Ideen und dem Versuch, Weihnachtsstimmung möglichst laut zu crashen.

"Das ist die schönste Zeit des Jahres"

Mal gelingt das einigermaßen lustig, wenn zum Beispiel Klaas bei Songs über Weihnachtsthemen das hochheilige Goldrand-Geschirr besingt, das wichtiger als das Leben ist.

Mal gelingt das überhaupt nicht, wenn Tim Mälzer davon erzählt, wie ihn Koch-Kollege Jamie Oliver einmal mit einer Chilipaste reingelegt habe, die so gebrannt habe, dass Mälzer den Einsatz von Vaseline zu schätzen gelernt habe. Das will man nicht an Weihnachten wissen und an jedem anderen Tag auch nicht.

Wie sehr eine Parodie auf Carmen Nebel und Co. der Show gut getan hätte, merkte man immer dann, wenn die geladenen Gäste sich so verhalten, als seien sie bei genau einer dieser Weihnachtsshows. Wie dort üblich durften auch bei Joko und Klaas Matthias Schweighöfer auf seinen aktuellen Film, Lena auf ihr neues Album und Olli Dittrich auf seine neue Tour hinweisen. Spätestens da waren Joko und Klaas im Fernseh-Establishment angekommen.

Besonders absurd wird es dann, wenn Heufer-Umlauf auch noch die gleichen Banal-Gespräche simuliert. "Bist du denn schon in Weihnachtsstimmung?", fragt Klaas Lena Meyer-Landrut und die antwortet so heile-Welt-tauglich wie möglich: "Ich liebe Weihnachten. Ab dem 24. November fängt bei mir Weihnachtsmusik an. Das ist die schönste Zeit des Jahres." Sollte das Satire gewesen sein, dann hat man es nicht gemerkt.

Wie hätten Joko und Klaas eine Weihnachtsshow gemacht?

Ganz am Ende wehte dann aber doch noch einmal ein satirischer Hauch durchs Studio. Als der HalliGalli-Timer ablief, lieferten sich eine Bande von Nikoläusen, Weihnachtsmännern und Christkindern eine Massenschlägerei um die Frage, wer den Kindern denn die Geschenke bringt.

Alles in allem ist "Weihnachten mit Joko und Klaas" aber tatsächlich Weihnachten mit Joko und Klaas, weil sie eben auf Nummer sicher gegangen sind und das, was bisher funktioniert hat, einfach aufgewärmt haben.

Viel spannender aber wäre die Frage gewesen: Wie hätten Joko und Klaas eine Joko-und-Klaas-Weihnachtsshow gemacht? Nun kann man rätseln, ob sie am Samstagabend darauf schon die Antwort gegeben haben. Wenn ja, dann war die zwar nicht unlustig, aber auch nicht besonders originell.

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