Immer weniger Menschen wollen am Samstagabend eine Fernsehshow sehen - aber der Schadenfreude-Voyeurismus, den "Verstehen Sie Spaß?" auslöst, wird auch in hundert Jahren noch die Zuschauer vor den Fernseher locken.

Da stehen sie nun also und können es nicht glauben. Man kann förmlich den Gedanken von Anne Gesthuysen und Frank Plasberg bei der Arbeit zuhören, während sie da im Studio von Jörg Pilawas "Paarduell" ungläubig auf die Videoleinwand starren, von der Spaßvogel Guido Cantz schadenfroh herunter grüßt. Ein herrlicher Moment zwischen Innehalten, Überraschung und dem Versuch, das eben Erlebte zu verarbeiten.

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Es sind genau diese Momente, diese irritierte Fassungslosigkeit, die auch nach über 35 Jahren den Reiz von "Verstehen Sie Spaß?" ausmachen. Momente, die immer noch Generationen vor den Fernsehern zusammenkommen lassen.

Momente, die es aber eigentlich gar nicht geben sollte oder zumindest immer weniger. Glaubt man einer aktuellen Umfrage, die eine deutsche TV-Zeitschrift in Auftrag gegeben hat, wollen nur 18 Prozent der Befragten am Samstagabend eine Show im Fernsehen angucken, die relative Mehrheit, nämlich 33 Prozent, sehen lieber einen aktuellen Kinofilm.

Versteckte Kamera geht immer

Immerhin 18 Prozent, könnte man einwenden, aber sieht man sich die Zahlen genauer an, drücken vor allem die Zuschauer ab 55 Jahren den Schnitt nach oben. Bei den jüngeren Zuschauern bis 25 Jahre stehen gerade einmal 10 Prozent auf Samstagabendshows. Nun kann man viel über die Gründe spekulieren und interpretieren, warum das so ist: die wachsende Zahl der Konkurrenz, das Internet oder die überschaubaren Innovationen im Show-Segment.

Man kann aber an dieser Stelle auch einmal festhalten, dass es mit "Verstehen Sie Spaß?" seit über drei Jahrzehnten eine Show gibt, die allen Widrigkeiten trotzt und regelmäßig respektable Quoten einfährt.

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Und offenbar zieht das Konzept nach all den Jahren immer noch so sehr, dass man sich jüngst beim ZDF mit "Die Versteckte Kamera 2016" ebenfalls in TV-Streichen übte, während man sich seit Kurzem bei ProSieben mit dem etwas lauteren "Prankenstein" und "Topmodel"-Gewinnerin Lena Gercke an die Generation Facebook ranwanzt.

Cantz kann's

Kurzum: Läuft bei "Verstehen Sie Spaß". Nicht überragend wie noch in den Achtzigern, aber nicht zuletzt dank Moderator Guido Cantz hat man sich über die Jahre gerettet. Mit Pfiffikus-Charme und Büttenreden-Humor witzelt er auf dem kleinsten gemeinsamen Humor-Nenner, so dass niemand sich fremdschämen muss, aber auch niemand an einem Lachanfall sterben wird.

Dazu ein bisschen "die Twitter-Gemeinde" mit einbeziehen, weil man das inzwischen eben so macht, aber nicht zu sehr, so dass es die Generation 55+ nicht nerven dürfte. Die Mischung macht's.

Zugpferde der Show sind aber natürlich nach wie vor die Streiche mit der versteckten Kamera und damit zurück Anne Gesthuysen und Frank Plasberg. Die waren ganz arglos ins Studio zu Jörg Pilawa gekommen, um dort eine Folge "Paarduell" aufzuzeichnen. Gegner und gleichzeitig Lockvogel war das Ehepaar Jana Ina und Giovanni Zarrella.

Nicht nur, dass die beiden alle Fragen wussten, zogen sie auch noch eine reichlich peinliche Nummer ab, bei der vor allem Giovanni als klugscheißender "Bad Guy" brillierte: "Wir haben eine gute Couch, aber nicht mal da schläft er heute", fährt Jana Ina zwischendrin ihrem Gatten in die Parade.

"Das wird man doch so nicht senden können!"

Was die beiden dort veranstalten, ist ein Lehrstück zwischenmenschlicher Krisenbewältigung zwischen den beiden Polen hochnotpeinlich und provokant, so dass Frank Plasberg zwischendrin konstatiert: "Ich fahr heute nach Hause und denke, wir führen eine Musterehe." Ja, und dann kommt ebenjener Moment, als Guido Cantz von der Leinwand lächelt und die beiden in erleichterte Fassungslosigkeit stürzt.


"Ich habe zwischendrin gedacht, 'das wird man doch so nicht senden können'", verrät Gesthuysen dann auf dem Show-Sofa über das Spiel mit den Zarrellas und ihr Gatte Plasberg gibt gegenüber Jana Ina zu: "Ich habe mir gedacht, du hast vielleicht ein Grippemittel vertauscht". Genau von diesen absurden Momenten lebt die Show. Da gibt dann noch Marco Rima einen durchgeknallten Zumba-Lehrer, Christoph Maria Herbst lässt plötzlich Tiere sprechen und Fernsehkoch Alfons Schuhbeck wird ein lukrativer Werbedeal verhagelt.

Das ist mal richtig witzig, mal weniger, aber immer wieder schön, wenn bei den Streiche-Opfern langsam die Fassungslosigkeit der Erleichterung weicht. An diesem Schadenfreude-Voyeurismus wird der Mensch auch in hundert Jahren noch seinen Spaß haben. Dass nur 18 Prozent am Samstagabend eine Fernsehshow sehen wollen, muss ja auch nicht unbedingt an "Verstehen Sie Spaß?" liegen. Wenn es so läuft wie gestern Abend, sogar am wenigsten.