Die Samstagabendshow wankt. Wieder einmal. Etliche der alten Schlachtschiffe sind versenkt, angeschlagen oder waren auf der Werft. "Wetten, dass ..?" ist nur noch Erinnerung, "Schlag den Raab" verabschiedet sich zum Jahresende und der "Musikantenstadl" heißt nach seiner Verjüngungskur nun "Stadlshow" - was das Ganze aber auch nicht besser macht. Nur "Verstehen Sie Spaß?" scheint die Zeit nichts anzuhaben. Wie die Show auch gestern Abend wieder zeigte.

Samstagabendshows kommen und gehen, das war schon immer so. "Verstehen Sie Spaß?" muss deshalb wie ein richtiger Dinosaurier erscheinen, schließlich feierte die Jux-Sendung im Sommer ihren 35. Geburtstag. Doch auch "Verstehen Sie Spaß?" musste ein paar Federn lassen. Inzwischen wird die Sendung nur noch viermal im Jahr und davon sogar nur noch zweimal live gesendet – für eine Samstagabendshow eigentlich ein Armutszeugnis. Immerhin, die Quoten sind stabil, auch wenn sie längst nicht mehr an die Tage von Kurt Felix heranreichen. Aber diese Zeiten sind wohl ohnehin für alle vorbei.

Trotzdem hat die Show es geschafft, sich über den Tag zu retten. Das liegt daran, dass die Macher ein Rezept gefunden haben, das zwar sicher nicht jedem gefällt, aber doch eine größtmögliche Schnittmenge zwischen allen Generationen gefunden hat. Das Label Familiensendung passt auf "Verstehen Sie Spaß?" wie auf keine andere Sendung und das hat vor allem drei Gründe, die man auch gestern Abend wieder sehen konnte

Guido Cantz funktioniert

Da ist zum einen Moderator Guido Cantz. Nach zahlreichen Wechseln von Harald Schmidt über Dieter Hallervorden und Cherno Jobatey landete der Job 2010 bei Cantz. Der karnevalerprobte Komiker findet seitdem genau den Tonfall, der ältere Zuschauer nicht vergrault und jüngere Zuschauer schmunzeln, wenn nicht sogar lachen lässt. Und das geht so: "Stefan Effenberg wurde gerade mit seinem Auto mit 1,4 Promille erwischt. Zum Glück war es ein Jaguar. Wäre es ein Volkswagen, wären es 2,8 Promille gewesen." Das ist volksnaher Humor, den jeder versteht und den man so auch auf jeder Karnevalssitzung anbieten kann. Kurzum, Cantz kann's und zwar mit jedem.

Und genau dieses "Mit jedem können" ist der große Trumpf der Show. Das zeigt sich auch bei der Auswahl der Promis. Gestern Abend saßen auf dem Gästesofa des Gemischtwarenladens "Verstehen Sie Spaß?" Schauspielerin Natalia Wörner, Moderatorin Birgit Schrowange, Comedian Bülent Ceylan und die Musiker von Culcha Candela. Was die Show zudem beherrscht, ist der Einsatz sozialer Medien. Der ist so dezent, dass es die Zuschauer nicht nervt, die von Facebook und Co. nichts wissen wollen und trotzdem so präsent, dass dem Selfie-Aufruf von Guido Cantz während der Sendung über 500 Zuschauer folgten. Der Youtube-Kanal der Show brummt ohnehin. Dass sich zwischendurch Stimmenimitator Matze Knop mit nicht enden wollendem Applaus durch die Show kalauern durfte – sei's drum.

Der Star ist die versteckte Kamera

Doch egal, wer da nun auf dem Sofa sitzt oder wie lau die Knop'schen Witze waren, die Show steht und fällt mit den Streichen. Das ist der gemeinsame Nenner, denn Schadenfreude funktioniert eben generationen- schichten- geschlechter- und herkunftsübergreifend und was man sonst noch an Kategorien finden kann. Die Streiche von gestern Abend waren zwar nicht durchgehend preisverdächtig, ein paar Anwärter für Jubiläumssendungen waren aber doch dabei.

ProSiebens "Verstehen Sie Spaß?"-Abklatsch "Prankenstein".

Etwa als ein Frauen-Quartett seine Männer narrte, weil sie die in dem Glauben ließen, die gesamte Damenriege hätte statt eines Camping-Ausfluges Geschäfte mit der tschechischen Mafia gemacht. Die gehörnten Männer durften sogar live bei der Festnahme der Damen zusehen. Wie im buchstäblich falschen Film dürfte sich auch Moderatorin Birgit Schrowange gefühlt haben, als ihr eine Lesung ihres neuen Buches so richtig aus dem Ruder lief.

Man mag vielleicht nicht alles lustig finden, aber "Verstehen Sie Spaß?" ist immer noch die gute alte Kunst der Samstagabendunterhaltung, die sich mit ein paar Kniffen und ohne sich anzubiedern auch das jüngere Publikum erhalten hat. Mehr muss es manchmal gar nicht sein.