Die langjährige "Schwiegertochter gesucht"-Moderatorin Vera Int-Veen hat ein Herz für die Armen, die Zukurzgekommenen und Ausgegrenzten: In ihrer neuen Dokureihe "Zwischen Mut und Armut" fährt sie kreuz und quer durch Deutschland - für Hausbesuche zwischen Fremdschäm-Freak-Show und echter Anteilnahme.

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Es ist der Mut zur Ehrlichkeit, den Vera Int-Veen immer wieder lobt, wenn sie in der neuen, zunächst auf zwei Teile angelegten Mini-Reihe ihre Gesprächspartner in meist komplett zugerümpelten Wohn-Löchern zwischen halbleeren Biergläsern und vollgerauchten Aschenbechern besucht.

Und es ist dieselbe Offenheit und unverstellte Bodenständigkeit, die man der durchaus resoluten Meerbuscherin, die trotz längerer RTL-Bildschirmabstinenz mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht, gerne abnimmt. "Ich bin kein Mensch, der schnell sprachlos wird", sagt Vera über sich selbst. Und das glaubt man ihr. "Mich kann nichts schockieren."

Und doch gibt es in der neuen Sendung "Vera unterwegs - Zwischen Mut und Armut" viele Momente, die nicht nur schockieren, sondern schwer irritieren, ja sogar zornig machen. Darunter sind auch Vera-Erlebnisse, die das Potenzial haben, feste Weltbilder zu erschüttern.

Vera Int-Veen: Besuch im hintersten Winkel der Republik

Der Ausgangspunkt für die Spurensuche war dabei ein simpler. Vera Int-Veen möchte in ihrer neuen Sozialreportage der Frage nachgehen, wie "von Armut bedrohte Menschen in Deutschland wirklich leben".

Also hat sie sich für die Tour mit einem VW-Bus (samt kleinem Film-Team, das man allerdings nie zu Gesicht bekommt) eine Route ausgedacht, die früher oder später in den Osten, in hinterste Winkel der Republik, ganz nah an der polnischen Grenze führt.

Doch los geht's erst einmal in Duisburg, der - wie man erfährt - "drittärmsten Stadt Deutschlands". Und die liegt bekanntlich weit im Westen und beherbergt 10,9 Prozent Langzeitarbeitslose.

Etwa den 52-jährigen Klaus und seine ein Jahr jüngere Frau Bettina, die zusammen seit rund 30 Jahren keiner geregelten Tätigkeit nachgehen und von staatlicher Unterstützung leben. Mehr schlecht als recht. Allerdings in einer Bude, deren Verwahrlosung Bände spricht. Eine Bude, in der sich wiederum Tabak und Zigarettenvorräte stapeln.

500.000 Euro vom Staat

Vera wagt sich aufs Sofa, vor den schmierigen Couch-Tisch und bietet gleich mal praktische Hilfe an: "Wenn du mir einen Lappen gibst, würde ich ganz schnell mal sauber machen", sagt sie. Und Klaus, der sie eben noch bereitwillig in die Wohnung geholt hat, wirkt so, als ob er nicht mehr recht weiß, was die Frau von ihm will.

Nachrechnen will Vera. Und dafür zückt sie sogar den Taschenrechner. 500.000 Euro vom Staat haben die beiden Duisburger über die Jahre erhalten.

Anstalten, ihr eigenes Leben - trotz aller offensichtlichen Schwierigkeiten - wieder in den Griff zu bekommen, machen sie nicht. Vera gefällt das nicht: "Ist Euch bewusst, dass Ihr auf Kosten der Gesellschaft lebt?" Bamm!

Damit ist der Duktus der Doku, die diesmal eben keine Doku-"Soap" sein möchte, weil nur wenig verkitscht wird und ganz selten süßliche Musik zugespielt ist, schnell gesetzt: Vera Int-Veen leiht Menschen ihr Ohr - im Bremer Sozialwohnungsviertel Vahr mit seiner hohen Rate an Kinderarmut, im von vielen Schulabbrechern geprägten Bundesland Sachsen-Anhalt, wo der zuvor renitente Tim seinen Jugendarrest absitzen muss, und im Mehr-Generationen-Haushalt im abgelegensten Winkel Brandenburgs.

Es kommen Probleme auf den Tisch. Es wird kalkuliert, mit wie wenig Geld sich das bloße Überleben verwalten lässt. Es wird fassungslos mit den Augen gerollt. Nur echte Lösungen kann die RTL-Vor-Ort-Besucherin eben doch nicht anbieten.

Gehalt? "Ein geiles Gefühl!"

Dafür verteilt Vera Int-Veen aber so etwas wie Zensuren - und Durchhalteparolen. So rät sie dem von seiner eigenen Antriebslosigkeit überforderten Messie-Paar aus Duisburg eindringlich zum Aufräumen. Denn, bitte merken: "Wenn man in einem schönen Umfeld wohnt, wird der Geist auch wieder freier."

Wer nicht gleich zum Putzeimer greifen möchte, kann es ja wenigstens mal mit Knuddeln versuchen. Das ist der Rat, den Vera Int-Veen im zuvor so lieblosen Haushalt des noch während der Sendezeit geläuterten ehemaligen Schulabbrechers Tim verteilt. Plötzlich fließen Tränen. Und auch der harte Vater entdeckt sein Herz - und die liebevolle Umarmung.

So weit, dass Vera Wunder bewirkt, wollte RTL diesmal aber offenbar doch nicht gehen. Aber Mut möchte sie verbreiten. So wie beim Abschlussbeispiel, mit dem die Sendung ihr Publikum aus Elendstouristen nach einer langen Reise ihr Publikum wieder in einen hoffnungsfrohen Moment entlässt: Familie Weiss aus Mecklenburg-Vorpommern hat den Hartz-Vier-Teufelskreis durchbrochen und wieder Arbeit sowie damit Lebenssinn gefunden. "Das war ein geiles Gefühl, das erste Gehalt auf dem Konto zu sehen", staunt Familienvater Mirko noch immer. Man muss eben sein Leben in die Hand nehmen, sagt Vera. Dann entstehen auch schöne Fernsehbilder. (tsch)