• Die Science-Fiction-Serie "Tribes of Europa" spielt im Jahr 2074, Jahrzehnte nachdem ein globaler Blackout die moderne Zivilisation ausgelöscht hat und Europa zerfallen ist.
  • Im Mittelpunkt der deutschen Netflix-Produktion stehen drei junge Geschwister, die getrennt werden und in der finsteren Welt ihren Weg finden müssen.
  • Schauspielerin Henriette Confurius erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion, worum es in der Serie geht und warum die gezeigte Brutalität nötig ist.

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Die Corona-Pandemie hat die Welt weiter fest im Griff, Anfang des Jahres stürmte ein wütender Mob das Kapitol in den USA. Zum Jahreswechsel wurde der Brexit endgültig vollzogen.

Angesicht der Nachrichten der vergangenen Wochen und Monate kann man darüber diskutieren, ob es gerade ein besonders guter oder ein eher schlechter Zeitpunkt ist, eine dystopische Serie herauszubringen, die nach dem Ende der uns bekannten Gesellschaft und dem Zerfall Europas spielt. Ohne Frage ist das Thema aber topaktuell.

Tatsächlich war der Bruch Großbritanniens mit Europa im Sommer 2016 eine Inspiration für Drehbuchautor und Regisseur Philip Koch, die Vorlage für "Tribes of Europa" zu schreiben. In dem deutschen Netflix-Original, das ab 19. Februar abrufbar ist, geht es allerdings nicht um aktuelle Politik.

Die Serie ist vielmehr ein düsterer Blick in eine fiktive Zukunft, ein Genre-Mix aus Action, Science-Fiction und Fantasy, der an Filme wie "Mad Max", "Die Tribute von Panem" oder "Blade Runner" erinnert.

Die Handlung ist im Jahr 2074 angesiedelt, einige Jahrzehnte zuvor hat eine apokalyptische Katastrophe, die als der "Schwarze Dezember" bekannt ist, die moderne Zivilisation größtenteils beendet. Staaten haben sich aufgelöst, die Menschen leben nun in kleineren und größeren Stämmen – den Tribes – zusammen. "Niemand weiß genau, was während des 'Schwarzen Dezembers' passiert ist", erzählt Schauspielerin Henriette Confurius im Gespräch mit unserer Redaktion: "Das war ein globaler Blackout. Wahrscheinlich ist, dass sich dabei Technik verselbstständigt hat und nicht mehr kontrollierbar war."

"Tribes of Europa" warnt vor dem Zerfall des Kontinents – und vor Technikgläubigkeit

Confurius spielt die Rolle der Liv, die dem Stamm der "Origines" angehört. Diese haben sich in die Wälder zurückgezogen und versuchen, ein Leben ohne Technik im Einklang mit der Natur zu führen. Auch wenn "Tribes of Europa" eine rein fiktive Geschichte ist: Die Warnung vor einer Zersplitterung Europas ist unüberhörbar. Genauso wie es eine Botschaft der Serie ist, die immer größere Abhängigkeit von immer komplexerer Technik durchaus kritisch zu sehen.

"Es geht immer um Fortschritt, es geht darum, alles zu vergrößern, zu verbessern. Technik ist mittlerweile ein großer Teil unseres Lebens. Da stellt sich dann die Frage: Wie weit kann man sie kontrollieren? Wie weit macht es Sinn, alles immer noch größer machen zu wollen?", sagt Confurius.

Natürlich führen nicht alle Stämme ein so idyllisches Dasein wie die "Origines". Die "Atlantier" etwa besitzen nach wie vor moderne Technik. Als eines Tages einer ihrer Raumgleiter in der Nähe des Lagers der "Origines" abstürzt, geraten die drei Geschwister Liv, Elja (David Ali Rashed) und Kiano (Emilio Sakraya) in den Besitz eines Cubes, eines schwebenden Würfels, der ein Geheimnis enthält, für das die anderen Stämme zu kämpfen und zu töten bereit sind.

Drei Geschwister kämpfen sich durch die postapokalyptische Welt

Und so geraten die drei Geschwister in den Konflikt zwischen der "Crimson Republic", die aus Resten der europäischen Armee besteht, und den finsteren "Crows". Diese sind ein kriegerischer Stamm, der rein optisch wie die Besucher eines Gothic-Konzertes daherkommt, im ehemaligen Berlin lebt, sich an Drogen berauscht, Gladiatorenkämpfe veranstaltet und Sexsklaven hält. Wer die Bösen in "Tribes of Europa" sind, wird also relativ schnell klar.

Die "Crows" überfallen die "Origines", Liv, Elja und Kiano müssen aus ihrem Refugium im Wald fliehen. "Es ist die Geschichte von drei Geschwistern, die zu Beginn voneinander getrennt werden. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen, durch eine Welt, die wir nicht kennen. Alle drei Erzählstränge sind sehr fantastisch, sehr aufregend, sehr spannend", erzählt Confurius.

"Tribes of Europa" kommt von den gleichen Produzenten wie "Dark"

Produziert wurde "Tribes of Europa" von Quirin Berg und Max Wiedemann, die bereits für die weltweit erfolgreiche Netflix-Serie "Dark" verantwortlich zeichneten. Wie "Dark" ist auch "Tribes of Europa" sehr düster und ernst, eine weitere Parallele ist der bis in die Nebenrollen mit tollen Schauspielern besetzte Cast. Oliver Masucci, der bereits in "Dark" dabei war, "Freud"-Darsteller Robert Finster, Melika Foroutan als fiese "Crow"-Fürstin oder der aus "Game of Thrones" bekannte James Faulkner sind nur einige Beispiele dafür.

Wie es mittlerweile für deutsche Streaming-Produktionen fast schon Standard ist, wurde auch "Tribes of Europa" auf höchstem Niveau produziert. Bilder und Spezialeffekte sorgen für die passende Atmosphäre, die Action ist spektakulär und ziemlich brutal. "Wir haben teilweise auch Sachen noch brutaler gedreht, als es jetzt in der Serie gelandet ist. Aber ich fand das Maß an Brutalität richtig gut für mich als Mensch, der eigentlich Brutalität nicht gucken kann. Ich finde, die gezeigte Gewalt ist sehr wichtig, um zu verstehen, dass diese Welt sehr gefährlich und böse ist", erzählt Confurius.

Während es "Dark" allerdings in den ersten Folgen ruhig angehen ließ und Spannung aufbaute, wirken die sechs Folgen der ersten Staffel von "Tribes of Europa" mit drei Erzählsträngen etwas überladen, die Geschichte wird sehr schnell abgearbeitet. Die Staffel endet mit einem Cliffhanger und es bleibt das Gefühl zurück, nur einen kurzen Blick in ein neues Serien-Universum geworfen zu haben, das erst noch auserzählt werden muss. Tatsächlich ist der Stoff auf bis zu acht Staffeln ausgelegt. Ob diese realisiert werden können, hängt wie immer bei Netflix von den Abrufzahlen ab. Also auch daran, ob den Netflix-Abonnenten mitten in Krisenzeiten der Sinn nach einer düsteren Zukunftsvision steht.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit der Schauspielerin Henriette Confurius. Die 30-Jährige spielte bereits mehrfach im "Tatort" mit, außerdem in Serien wie "SOKO Wismar" und "Die Bergretter". Im Kino war sie zuletzt in "Narziss und Goldmund" zu sehen, 2015 erhielt sie den "Bambi" für ihre Rolle im ZDF-Film "Tannbach – Schicksal eines Dorfes".
  • Vorabsichtung der sechs Folgen von "Tribes of Europa"

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