Seit 40 Jahren schippert "Das Traumschiff" nun schon über Ozeane und TV-Bildschirme. In der Jubiläumsfolge legt Kapitän Max Parger am zweiten Weihnachtsfeiertag in Schweden an. Dort zeigt die "Traumschiff"-Reihe wieder, was sie seit 40 Jahren so erfolgreich macht.

Christian Vock.
Eine Kritik
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"Meine Damen, meine Herren! Bevor wir gleich ablegen: Was halten Sie von einem Team-Ausflug in Schweden?" Mit diesem Satz verrät Max Parger nicht nur das Ziel der neuesten Reise und was in den folgenden 90 Minuten passieren wird. Nein, Kapitän Parger alias Florian Silbereisen begrüßt seine Crew und die Zuschauer damit auch gleich zur Jubiläumsausgabe. Denn vor knapp 40 Jahren, am 22. November 1981, stach "Das Traumschiff" zu seiner ersten Reise in See.

40 Jahre, das sind eine Fernseh-Ewigkeit und ist, egal, was man vom "Traumschiff" hält, aller Ehren wert. Beim ZDF ist man zwar nicht so abhängig von Marktanteilen wie bei den Privaten, aber eben auch nicht völlig unabhängig. Es muss also etwas geben, das die Zuschauer auch nach 40 Jahren immer noch am "Traumschiff" reizt.

Das erste, was einem dazu einfällt, ist Kontinuität. Denn Beständigkeit ruft Beständigkeit hervor, so merkwürdig das klingt. Wenn etwas so lange da ist, will man, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen, dass es bleibt.

"Das Traumschiff": 40 Jahre heile Welt

Aber natürlich bedient "Das Traumschiff" auch zwei elementare Sehnsüchte der Menschen. Zum einen natürlich das Fernweh. Seit 40 Jahren schippert da ein Kreuzfahrtschiff zu den reizvollsten Orten der Welt. Das lässt einen im Winter von Palmen träumen und all das ohne die lästigen Nebenereignisse einer Reise wie Seekrankheit, Malariaprophylaxe und Co. ganz bequem vom heimischen Sofa aus. Über den Preis einer Kreuzfahrt müssen wir gar nicht erst reden.

Ein weiterer Grund, warum "Das Traumschiff" auch nach 40 Jahren noch zieht, ist natürlich die heile Welt, die dort herrscht. Man kann einfach mal den Stress vergessen und wenn es an Bord doch mal eine Malaise gibt, kann man sicher sein, dass sie sich entweder von selbst erledigt oder aber, dass Kapitän Parger oder einer seiner Vorgänger das Problem mit nur wenig Aufwand, aber umso mehr Verve lösen.

Dazwischen sorgen allerlei leichtfüßige Verwicklungen, Gaststars und etablierte Charaktere für Geschichtchen, die so leicht zu verstehen sind, dass ihnen auch jemand folgen könnte, der noch nie ferngesehen hat. "Das Traumschiff" – das ist das "Keep it simple!"-Prinzip in Vollendung. Einfachheit, leichte Geschichten, Sehnsuchtsorte und das garantierte Happy End – so funktioniert "Das Traumschiff" seit 40 Jahren und so funktioniert natürlich auch die Jubiläumsfolge. Nur die Sache mit den Palmen klappt hier nicht.

"Das Traumschiff – Schweden": Nadelwälder statt Palmen

"Wir machen Kajak-Touren durch die Schären", versorgt Max Parger seine Crew mit Details zum angekündigten Team-Ausflug, nachdem sich deren erste Begeisterung gelegt hat. Der Programmpunkt steht also schon einmal, für Turbulenzen ganz anderer Art sorgt Andrea Schmiede (Ann-Cathrin Sudhoff). Die Schwester von Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth) und ihr Mann Oliver (Thomas Scharff) sind nämlich mit an Bord. Doch von einer entspannten Fahrt kann bei den beiden nicht die Rede sein.

Es kriselt nämlich ohnehin schon bei dem Ehepaar und es sollte nicht besser werden. Weil Oliver während der Reise beruflich plötzlich nach Bordeaux muss, organisiert er seiner Frau als Entschuldigung den schnuckeligen Touristenführer Björn (Knud Riepen). Man muss nicht Rosamunde Pilcher sein, um zu wissen, wie das ausgeht.

Nur unwesentlich komplexer verläuft die Turtelei zwischen Zara Svensson (Barbara Prakopenka) und Anton Straubinger (Joshua Grothe). Erst findet man sich sympathisch, findet dann aber heraus, dass sie Holzwirtin in zweiter Generation und er "Baumaktivist" ist. Und so weicht die rosarote Brille ganz schnell dem Blick auf die Realität: "Ich schütze Bäume, du zerstörst sie. Und dir geht es nur um den Profit", stellt Anton blitzschnell fest und schon ist erst einmal die Luft aus der Romanze. Aber weil man sich natürlich erst nicht mehr aus dem Kopf bekommen und dann auch nicht mehr aus dem Weg gehen kann, eskaliert das Ganze in einem Handgemenge mit Zaras Vater.

Bülent Ceylan und Özcan Cosar als Comedy-Gäste

Das ist für eine lustige Seefahrt ganz schön wenig heile Welt, daher braucht es noch ein humoristisches Gegengewicht. Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle (Harald Schmidt) ist auf der Suche nach einem Comedy-Programmpunkt und trifft in der Schiffsküche auf die Brüder Cem und Hassan Meierbrink (die Comedians Bülent Ceylan und Özcan Cosar). Was für ein Zufall. Und so ist neben Romantik und Dramatik auch für Humor gesorgt.

Manchmal funktioniert der sogar, etwa, als sich Schifferle über den Nachnamen von Cem und Hassan wundert und ihm Hassan antwortet: "In der Türkei heißt jeder Zweite Meierbrink." Hahnebüchen wird der Humor allerdings, als Cem mit einem Küchensieb loszieht, um in der schwedischen Natur nach Gold zu schürfen. Auch sonst passt in der Schweden-Ausgabe wieder Einiges nicht zusammen. Zum Beispiel, dass ein Umweltaktivist ausgerechnet mit einer ökologischen Zumutung wie einem Kreuzfahrtschiff nach Schweden reist.

Aber Logik-Hängerchen gehören nun mal ebenso zum "Traumschiff" wie das Bedienen von Klischees. Etwa, als Kapitän Parger seinen Passagieren das Zielland mit einer Ansammlung von verklärendem Unfug schmackhaft machen möchte: "Willkommen in Schweden. Im Land von Dörfern namens Bullerbü, durch die ganz entspannt ein Elch wandert und beim Bäcker eine Zimtschnecke stibitzt." Wie gesagt: Keep it simple. Damit fährt "Das Traumschiff" nun seit 40 Jahren ganz gut.

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