Es ist der Anfang vom Ende: Mit "Acheron: Teil I" ist die Zombie-Serie "The Walking Dead" in die finale 11. Staffel gestartet. Daryl, Maggie, Negan und der Rest gehen in den letzten Kampf gegen die Untoten. Wie der Staffelstart verlaufen ist und worum es in der ersten Episode geht, lesen Sie hier - Vorsicht: Spoiler!

Patricia Kämpf
Eine Kritik
von Patricia Kämpf
Diese Kritik stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Es gibt nicht viele Serien, die es sich leisten können, minutenlang ohne ein einziges Wort auszukommen. "The Walking Dead" ist so eine Serie. In den ersten zehn Minuten der finalen 11. Staffel, in der Folge "Acheron: Teil I", spricht kein Mensch.

Und auch kein Untoter. Die Untoten können ohnehin nicht sprechen. Nur hecheln und keuchen und Beißlaute von sich geben. Das sind die einzigen Geräusche in diesen ersten Minuten. Und ein paar Pfeile, die geschossen werden und ein paar Kugeln, die abgefeuert werden.

Keiner spricht, aber alle sind sie da: Daryl (Norman Reedus), Maggie (Lauren Cohan), Carol (Melissa McBride), Gabriel (Seth Gilliam). Und auch ein bisschen "Mission: Impossible" ist dabei: Die Überlebenden der Zombie-Apokalypse, die seit zehn Staffeln gegen die Untoten oder Beißer oder Walker kämpfen, lassen sich von der Decke in eine Halle abseilen, mit Leichen übersät. Die Toten dort unten auf dem Boden tragen Uniform, Militär. Damit sie nicht aufwachen und anfangen, alles Lebende zu verschlingen, herrscht vollkommene Stille.

"The Walking Dead": Kommt Rick Grimes ums Eck?

Was genau die Gruppe in der Halle sucht, was ihre Beute ist - es ist egal. Die Bilder sprechen für sich, sind stark, knüpfen an die besten "The Walking Dead"-Zeiten der frühen Staffeln an, als die Serie in jeder einzelnen Folge das Geschichtenerzählen neu erfunden hat. Beinahe hat man das Gefühl, Rick Grimes (Andrew Lincoln) müsse auch noch irgendwo herumwirbeln.

Das tut er aber nicht. Rick ist nicht mehr bei der Gruppe: In der 9. Staffel stieg Darsteller Andrew Lincoln aus der Serie aus. Es ist dennoch eine der großen Fragen zum Start der finalen Staffel: Wird Rick Grimes noch einmal auftauchen? In der 10. Staffel machte sich seine langjährige Begleiterin und spätere Geliebte, Michonne (Danai Gurira), auf, ihn zu suchen.

Doch noch einer fehlt in diesen ersten Minuten: Negan (Jeffrey Dean Morgan) - ehemals Erzfeind der Gruppe, jetzt ein Teil von ihr. Er stößt erst hinzu, als die Menschen aus Alexandria losziehen, um Verpflegung zu suchen. Dafür klettert die Gruppe in einen U-Bahn-Schacht hinunter - und beinahe fragt man sich, warum "The Walking Dead" bislang noch nie in einem U-Bahn-Schacht gespielt hat.

Zehn Staffeln hat es gebraucht, bis die Überlebenden wieder in die Unterwelt hinabsteigen. Das sagt schon der Episodentitel, "Acheron": Acheron ist in der griechischen Mythologie der Fluss, den die Toten mit dem Fährmann Charon überqueren müssen, um ihre Seelen zu reinigen und wiedergeboren werden zu können.

Erste Konfrontation zwischen Negan und Maggie

In dieser Unterwelt kommt es zur ersten Konfrontation zwischen Negan und Maggie. Negan ist der Mann, der Maggies Ehemann Glenn aufs Brutalste ermordet hat - mit seinem Baseballschläger "Lucille". Jahrelang hatten sich Maggie und Negan danach nicht gesehen, jetzt leben sie gemeinsam in Alexandria.

Diese Dynamik zwischen Maggie und Negan, die große Frage, wer wen zuerst tötet oder den Beißern zum Fraß vorwirft - sie hatte sich bereits in den letzten Folgen der vorangegangenen Staffel angedeutet. Sie ist nun eins der zentralen Elemente der ersten Folge. Maggie, die eiskalte Anführerin oder "Diktatorin", wie Negan sie nennt. Negan, der charismatische und ultimative Bad Guy, der auf einmal zur Stimme der Vernunft wird.

Und dann gibt es noch die anderen in dieser ersten Folge: Eugene (Josh McDermitt), Yumiko (Eleanor Matsuura), Princess (Juanita Sanchez) und Ezekiel (Khary Payton). Sie werden von einer ominösen Gruppierung gefangen genommen, deren Mitglieder sich in Ganzkörperanzüge quetschen, mit denen sie auch in einer weit weit entfernten Galaxis sofort den Todesstern bevölkern könnten und sich "Commonwealth" nennen.

Was will das ominöse Commonwealth?

Eine Frau mit akkurater Ponyfrisur führt dort ein Verhör. Überhaupt die Ponyfrisur, ein Umstand, den es in der post-apokalyptischen "The Walking Dead"-Welt bislang nicht gegeben hat - wie sollen die Überlebenden einen Friseur besuchen? Die Fragen, die die Frau dann auch stellt, sind mehr als skurril in einer Welt, in der die Menschen gegen Untote kämpfen müssen, die sie auffressen wollen: "Welche Jobs hatten Ihre Eltern?", "Wie lautete früher Ihre Postleitzahl?" und "Wurden Sie gegen die Masern geimpft?". Vieles wirkt erschreckend aktuell und beinahe politisch. Auf dem Boden im U-Bahn-Schacht etwa liegt ein Poster, auf dem steht: "Amerika toleriert keinen Rassismus."

In "The Walking Dead" geht es darum, dass sich die Welt gegen Zombies zur Wehr setzen muss. Doch eigentlich ging es schon immer um die ganz großen Fragen: Wie gehen Menschen damit um, wenn ihnen ihre Lebensgrundlage genommen wird? Wie funktionieren Gruppen? Wem kann man trauen? Wie weit würde jeder Einzelne gehen, um sein eigenes Überleben zu sichern? Und wie bewahrt man sich seine Menschlichkeit?

Die finale Staffel trumpft zum Start groß auf, lässt die post-apokalyptische Welt zum zentralen Motiv werden: Die Menschheit hat sich an die Untoten gewöhnt, hat gelernt, mit ihnen zu leben. Doch wie geht dieses Leben jetzt weiter? Was ist der nächste Schritt? Und was ist einmal mehr jeder Einzelne bereit zu tun, um zu überleben? Parallelen zur Corona-Pandemie dürften kein Zufall sein - die Staffel wurde 2020 und 2021 gedreht. Mit ihr geht "The Walking Dead" zu Ende.

"The Walking Dead", Staffel 11, läuft auf Disney Plus - jeden Montag gibt es eine neue Folge.

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