"The Voice of Germany": Rea Garvey bringt Coaches zum Verzweifeln

Er hat das Ding schon mal gewonnen. Und seine Taktik, die besten Talente in sein potenzielles-Sieger-Team zu ziehen, ist wenig subtil. In der sechsten "Blind Audition"-Folge von "The Voice of Germany" überführten Mark Forster und Sido den gerissenen Trickser Rea Garvey - mit mehr oder weniger großem Erfolg.

"Das ist ein ganz ausgefuchster Hund", schimpfte Sido, als ihm nach längeren, schmerzhaften Beobachtungen - und einigen empfindlichen Niederlagen - endlich die Quassel-Taktik seines Kollegen aufging. "Die Rea-Garvey-Klammer darf gar nicht erst aufgespannt werden, sonst hat man schon verloren", stöhnte auch Mark Forster. Häh, wie bitte?
Was Forster damit meinte: "Er lässt uns alle ausschwafeln", sagte er über Rea Garveys Taktik. Ganz zum Schluss der Bewerberrunde, wenn es darum geht, die Talente ins Team zu locken, meldet sich der süße Ire dann mit einem schnulzigen Appell ans "Herz" zurück. Und schnappt sich tolle Sänger - wie die Postbotin Giulia aus dem Schwarzwald. Fies!
Dabei ist es, so die Theorie von Sido und Mark Forster, letztlich völlig unerheblich, was die anderen Coaches sagen. Vor allem bleibt so gut wie nichts hängen, was Alice Merton ("No Roots") äußert. Solange Rea Garvey das letzte Wort behält, geht er als Sieger vom Platz. Einmal durchschaut, wollten die Kampfhähne das natürlich unterbinden.
Allerdings zog sich die gefürchtete "Rea-Garvey-Klammer" gleich mehrfach am Sonntagabend zu. Und bei Sido und Mark Forster blieben nur lange Gesichter. So schnappte sich der Ire den kühlen Kieler Jakob, der mit einer Indie-Rock-Ballade überzeugte. "Du musst genau so bleiben, wie du bist", säuselte Rea Garvey.
Wenn Alice Merton überhaupt mal einen Stich machen konnte, dann meist nur bei Gelegenheiten, wenn sie das Spiel ohnehin allein in der Hand hatte. Bei Ann-Christin, der Ehefrau des Arminia-Bielefeld-Stürmers Fabian Klos, hatte sie sich als einzige umgedreht. Da fiel der 27-Jährigen, die nicht nur Spielerfrau sein möchte, die "Wahl" natürlich leicht.
Alice Merton holte gleich zu Beginn die Fußballergattin in ihre Mann- bzw. Frauschaft. "Ich bin so froh, dass ich mich umgedreht habe", meinte die Popsängerin erleichtert. Viele weitere Talente konnte sie am Sonntagabend ohnehin nicht mehr einfangen. "Jetzt kann ich sterben", meinte Ann-Christin überschwänglich. Und spielte den Ball sehr hoch.
Mies lief es dagegen für den 16-jährigen Bastian aus Koblenz, der kurz vor seinem Auftritt verriet, dass er glühender Sido-Fan ist. Allerdings gefiel sein Auftritt keinem der Coaches. "Ein bisschen weniger denken", empfahl ihm Rea Garvey. Ganz unglücklich zog Bastian doch nicht von dannen. Er durfte ein "Tausend Tattoos"-Duo mit Sido singen.
Dabei ist der Schmusekurs beim Spontan-Duett auf der Bühne ja eigentlich die Spezialität von Kollege Mark Forster. Der ließ sich zu einer ziemlich schwierigen Neu-Interpretation von "Sie ist weg" mit der Schweizerin Dalja hinreißen. Die war ziemlich baff - und entschied sich dann für den Kappenträger. Ein Einsatz, der sich gelohnt hat!
Die gerade mal 20-Jährige hatte hoch gepokert. Ihr Auftritt bei "The Voice of Germany" war ihr erster Bühnen-Gig überhaupt. Und dann hatte sie sich für eine ziemlich schwierige, auch ziemlich schräge Version zwischen Rap und Soul entschieden. "Das war etwas sehr sehr Besonderes", lobte Mark.
Als eine Art Lumpensammlerin musste sich Alice Merton beim Duo von Felix und seiner jüngeren Schwester Emma einlassen. Der Sänger war schon mal 2018 bei "The Voice" angetreten - und leer heimgeschickt worden. Diesmal klappte es. Zitternd. "Es war solide, aber in meinen Ohren nichts für die große Bühne", stänkerte Sido. Alice griff trotzdem zu.
Um die Wurst ging's, als der in Berlin lebende US-Amerikaner Andrew mit seiner Gitarre die Bühne betrat. Er hat eine Frau und einen Sohn zuhause, die zuletzt viel mitmachen mussten. Der kraftvolle Sänger war lange Vollalkoholiker - und ist erst seit einem Jahr trocken. "Enough is enough", sagte er sich nun - und musste überzeugen.
Doch Rea Garvey hatte sein williges "Opfer" bereits in den Fängen. Natürlich schleuderte er auch Andrew, der gleich alle vier Coaches voll überzeugte, sein gefürchtetes "Hör auf dein Herz" entgegen. Sido und Mark tobten. Doch Andrew wählte den offenbar unvermeidlichen weg - zum Iren.
Vielleicht hatte Rea aber auch diesmal das Ass im Ärmel, einfach die richtige Sprache zu sprechen. Andrew verstand eigentlich nur Englisch. Ein schwerer Nachteil für Sido, der es eher hilflos versuchte: "I can auch Englisch."
Also mussten die Kollegen reagieren - und Rea Garveys "Klammertechnik" dreist kopieren. So lief's bei der Power-Mutter Madline aus Gütersloh. Für sie ließ sich Sido völlig unerwartet zu dem Bekenntnis hinreißen: "Wir machen alle Musik aus dem Herzen - denk' daran!" Schon hatte er sie in seinem Team. Es funktionierte!
Auch bei der kessen Erfurterin Katja bediente sich Sido dann gleich noch mal frech beim Erfolgsrezept des Iren. Er ließ die Kollegen lange palavern und um das 38-jährige Energiebündel buhlen. Dann holte er den Trumpf aus dem Ärmel: "Denk daran, Musik ist im Herzen", säuselte Sido. Und er hatte Katja eingefangen!
Allerdings hatte die lebenslustige Katja Sido zuvor heiß angemacht. "Ich will alles, was du willst", flirtete sie Sido an. Mark Forster lief die Galle über. "Nehmt euch ein Zimmer", fauchte er. Sido blieb bei seinem Rüpel-Image. "Gerade unten ist es nicht so schön", sagte er über Katja - und meinte ihren Gesang.
Bei der 23-jährigen Tori aus den USA, die eben erst ihre deutsche Freundin Sabrina geheiratet hatte, wäre Sido mit solchen Macho-Sprüchen vermutlich nicht durchgekommen. Sie haute als krönenden Abschluss der Sonntagsshow alle Coaches aus den Sesseln und trat ein hitziges Wett-Bieten um ihre Gunst los. "Wahnsinn, was du machst", grölte Rea Garvey.
Noch einmal haute Rea Garvey - zunehmend verzweifelt - seinen mittlerweile entlarvten, abgedroschenen "Hör auf dein Herz"-Spruch raus. Doch diesmal geschah ein Wunder. Tori entschied sich für Mark Forster. Sido sah's mit leichter Genugtuung. Aber seine Taktik muss er doch ändern. Vermutlich künftig doch wieder mehr "Nerd-Unsinn" wie Mark Forster verzapfen.