Am Sonntagabend startete die inzwischen sechste Staffel von "The Voice Kids". In der Jury sitzt neben Mark Forster und Nena mit Tochter Larissa diesmal auch Max Giesinger und damit ein "The Voice"-Kandidat der ersten Stunde. Das ist nicht schlimm, zeigt aber den aktuellen Mechanismus im deutschen Format-Musikfernsehen.

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"Oh Gott, die Catterfeld", wendet sich Mark Forster mit versteinertem Gesicht ab. Auf der Bühne steht Kandidatin Jil und lauscht Sängerin Yvonne Catterfeld, die ihr via Videobotschaft für ihre Entscheidungsfindung rät: "Geh nicht zu Mark!" Als dann noch Nena mit einer Yvonne-Catterfeld-Maske hinter dem Jury-Stuhl hervorspringt, ist der Spaß komplett.

Ein Spaß, der auf die ständigen Frotzeleien zwischen Mark Forster und Yvonne Catterfeld anspielt, wenn sie als Juroren bei "The Voice of Germany" um Kandidaten buhlen. Die Schlusspointe bleibt allerdings der 14-jährigen Jil vorbehalten, denn sie entscheidet sich am Ende dann doch für Mark Forster als Coach.

Es war einmal das Formatmusikfernsehen

Um angesichts dieses kleinen Gags gleich einmal jede weitere Erwartungshaltung zu nehmen: Wirklich neu ist bei der inzwischen sechsten Staffel von "The Voice Kids" sonst nichts. Das ist die gute Nachricht für alle Menschen, die sich schwer tun mit Veränderungen. Aber warum sollte man auch etwas ändern, es läuft ja.

Es läuft ja – das könnte ohnehin das aktuelle Motto des deutschen Musikfernsehens sein. Stimmen erst einmal die Zahlen, wird eine Staffel an die nächste gereiht, ein Spin-Off folgt dem anderen. Nach "Popstars" kam "Deutschland sucht den Superstar", kam "Das Supertalent", kam "The Voice of Germany", kam "The Voice Kids", kam "Sing meinen Song" und wird "The Voice Senior" kommen.

Und so hat jeder Sender sein Musikformat, das nach den immer gleichen Abläufen funktioniert. Ist das schlimm? Nein und Ja.

Nein, weil man weiß, was man bekommt: Talente, die sonst wohl nie so eine Bühne bekommen hätten, oft genug tolle Auftritte und mitunter auch wirklich berührende Fernsehmomente. So wie gestern, als der 14-jährige Gabriel eine mehr als passable Version von Bill Withers "Lean on me" hinlegte.

Ja, weil man weiß, was man bekommt: Formatfernsehen in seiner immer gleichen Form, Talente, die sonst wohl zu recht nie so eine Bühne bekommen hätten und choreografierte Emotionen, die nichts mit Echtheit zu tun haben. So wie gestern, als der kleine Klaas Metallicas "Enter Sandman" vorführte und die Jury dazu im Studio herum hoppste. Nie war Heavy Meral weiter weg, als in diesem Moment.

Ein Kommen und Gehen

Das Einzige, bei dem ein bisschen Abwechslung herrscht, ist die Zusammensetzung der Jury. Wobei man Abwechslung nun nicht allzu genau nehmen darf, denn man kennt sich. Bei der sechsten Staffel "The Voice Kids" sitzen Mark Forster, Nena und ihre Tochter Larissa sowie Max Giesinger für Sasha in der Jury.

"The Voice"-Kenner erinnern sich: Max Giesinger belegte in der ersten Staffel Platz vier. Damals in der Jury: Nena. Die macht nun mit ihrer Tochter einen Ausflug zur Kids-Variante, während Mark Forster von einem Jury-Abstecher zur Original-"The Voice"-Show zurückkehrt.

Und wenn man mal gerade nicht auf einem der "The Voice"-Jurystühle sitzt, trifft man sich mit Ehemaligen wie The BossHoss, Sasha, Andreas Bourani oder Lena auf der Couch von "Sing meinen Song". Die Welt ist klein im aktuellen Formatmusikfernsehen.

Für diejenigen Musiker, die erst einmal im erlauchten Kreis sind, ist dieser Nebenverdienst natürlich ein kleiner Jackpot. Eine bessere Werbebühne kann man wohl nicht bekommen. Ist das schlimm? Natürlich nicht, jedem Künstler sei seine Reichweite gegönnt. Ist das langweilig? Hier kann jeder selbst entscheiden, wie viel Format-Fertig-Fernsehen er verträgt.

Aber auch, wenn man gestern Abend immer mal wieder das Gefühl hatte, dass es da um so vieles geht, nur nicht um Musik: Musik und Show waren schon immer eng verbunden. Ob das gleich so brutal durch konzipiert sein muss wie im aktuellen Formatmusikfernsehen, ist allerdings die Frage. Wirklich hängen geblieben ist von der Auftaktfolge gestern Abend jedenfalls nichts.