Am Ende war es eine reine Männerrunde: Im Finale von "The Voice Senior" kämpften am Freitagabend vier Herren um den Titel. Den holte sich der 64-jährige Dan Lucas und zeigte damit, was "The Voice Senior" bisher alles richtig gemacht hat – mit einem faden Beigeschmack zum Schluss.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Nena gegen Whitney Houston gegen die Beatles gegen Andrea Bocelli. Das waren die Stars, deren Songs sich die vier Finalisten für ihren letzten Auftritt bei "The Voice Senior" ausgesucht hatten. Und wie bei den Beatles kaum anders zu erwarten, setzte sich Dan Lucas mit seiner Interpretation von "Help!" gegen die Konkurrenz durch.

Die bestand im Finale nur aus Männern, denn die Coaches hatten sich in der ersten Runde des Abends allesamt gegen die noch verbliebenen drei Damen entschieden. Und auch wenn dann beim Entscheidungsauftritt nicht jeder Ton saß, zeigte das Finale, was bei "The Voice of Germany" im Allgemeinen und was bei "The Voice Senior" im Speziellen gut, weil anders läuft – und was nicht.

Keine Alters-Milde

Da ist zum einen natürlich der Respekt gegenüber den Kandidaten, insbesondere gegenüber den älteren. Die Senioren-Variante ist zwar "nur" ein Ableger des Originals, das heißt aber nicht, dass es bislang eine Show zweiter Klasse war.

Dass es bei der Senioren-Variante, anders als beim Original, keine Stars gibt, die den Kandidaten ein Kurz-Coaching geben, muss man also nicht als Geringschätzung betrachten, im Gegenteil. Hier müssen die Kandidaten einfach nicht als Marketing-Instrument für ein neues Album eines aktuellen Popstars herhalten.

Anders als bei manchem Konkurrenz-Format werden die Kandidaten hier auch nicht als bloße Unterhaltungsdienstleister behandelt, die man zurechtstutzen muss. Stattdessen wird bei "The Voice" auf Augenhöhe geredet. Das gilt besonders für die Senioren – man nimmt sie einfach ernst.

So ernst, dass die sich trauen, bei ihren Coaches auch einmal Kontra zu geben, wenn ihnen etwas nicht passt. Warum sollten sie auch nicht? Wie zum Beispiel Giselle Rommel. Bei den Proben zu den Sing Offs erklärte die 78-jährige Düsseldorferin dem Pianisten, was er zu tun hat: "Entschuldigung, das ist nicht die richtige Tonart. Ich singe F-Dur. F wie Friedrich! Du musst das auch ein bisschen zügiger spielen!"

Probier's mal mit Gelassenheit

Wahrscheinlich hängt so viel Selbstbewusstsein auch mit der altersbedingten Gelassenheit der Kandidaten zusammen. Noch so etwas, das bei "The Voice Senior" positiv auffällt. Hier ist alles entspannter, hier hängt keiner Teenagerträumen hinterher, sondern nimmt die Show als das, was sie ist: ein Spiel. Die Kandidaten singen für sich, für ihre Kinder oder, wie Fritz Bliesener an diesem Abend, für die Ehefrau.

Dementsprechend authentisch sind dann auch die Auftritte der Kandidaten. Die stehen dort auf der Bühne einfach, um zu singen, was ihnen Spaß und weil es ihnen Spaß macht. Dabei entsteht bei den ausgewählten Songs eine Bandbreite, für die das Format ohnehin bekannt ist. Hier stammt nicht jeder gefühlt zweite Song von Adele oder Ed Sheeran, hier hört man auch Operntöne, Die Ärzte oder Chuck Berry.

Und als ob es diese Vielfalt noch zu beweisen gäbe, sangen sich die Kandidaten auch beim Finale durch die Musikgeschichte. Von Jackie DeShannon über Hildegard Knef und Philipp Poisel bis hin zu AC/DC und Marlene Dietrich war fast alles dabei.

Respektloses Ende

Und so hätte das Finale mit dem gleichen Respekt der vergangenen Wochen zu Ende gehen können. Doch um kurz vor 23 Uhr kam dann auf einmal der Schnitt. Plötzlich waren das Studiopublikum und Moderatorin Lena Gercke genauso verschwunden wie die Bühne und die Coaches.

Stattdessen saßen die vier Finalisten gemütlich mit Moderator Thore Schölermann auf einem Sofa, die Familien im Hintergrund, und nahmen dort die Entscheidung des Fernsehpublikums entgegen. Vier Wochen nach der Show, die man wenige Sekunden zuvor noch gesehen hatte.

Bis auf die Zuschauer-Entscheidung wurde die Show nämlich bereits im Dezember 2018 aufgezeichnet, die Abstimmung im Januar musste man aber zwangsläufig live machen. Mehr Begründung, warum es keine vollständige Live-Show zum Finale gab, lieferte Thore Schölermann nicht.

Stattdessen erzählte er etwas von "Zeitreise" und schenkte den Kandidaten lediglich ein paar warme Worte der Coaches via Videobotschaft. Das war dann doch ein wenig kümmerlich und schmälerte den Respekt, den man den Kandidaten zuvor entgegengebracht hatte. Da half dann auch kein Goldglitzerregen zum Schluss.