"'The Voice of Germany' ist die geilste Show im deutschen Fernsehen!" Klar, dass der zurückgekehrte Rea Garvey das sagen muss. Aber fest steht auch: ProSieben hat es tatsächlich geschafft, das Casting-Genre von seiner Peinlichkeit zu befreien. Ist die Show trotzdem unterhaltsam?

Am Donnerstagabend war es "endlich" (O-Ton ProSieben) wieder so weit: "The Voice of Germany" ist wieder da. Der Sender kriegt sich kaum ein vor Freude und zelebriert seine Show, wo er nur kann. Das fängt schon beim Gladiatoren-Intro an, und es ist schwer zu sagen, was nerviger ist: die ständige Schwarz-Weiß-Zeitlupe oder das ewige Echo bei jedem Satz von Rea Garvey.

Richtig, der sitzt jetzt wieder in der TVOG-Jury. Nach einer Staffel Pause dreht er doch wieder am Stuhl. Auch sonst wurde die Jury komplett überarbeitet. Nena, The BossHoss und Max Herre sind raus. An ihrer Stelle sitzen jetzt Stefanie Kloß von Silbermond sowie Michi Beck und Smudo von den Fantastischen Vier. Und eben wieder Rea Garvey. Der letzte Überlebende ist Samu Haber. Wäre auch schön blöd, den Mädchenschwarm mit dem niedlichen Akzent gehen zu lassen.

"Wer von euch ist Smudo?"

Die neuen Coaches fügen sich perfekt in die frei gewordenen Rollen. Stefanie Kloß übernimmt die Position der emotional unausgeglichenen Nena. Gelegentlich weint auch sie bei Liebesliedern still vor sich hin. Auch optisch könnte sie Nenas Tochter sein. Immerhin verzichtet die Silbermond-Sängerin auf die Esoterik-Schiene. Und das Duo Michi Beck und Smudo gibt eine einwandfreie Hip-Hop-Version von The BossHoss ab. Die nahezu perfekte Imitation ist schon etwas verwirrend. Die Frage einer Kandidatin, wer von den beiden denn eigentlich Smudo sei, sei damit verziehen.

Perfektion ist langweilig

Wie in jeder Staffel sind die Kandidaten bei "The Voice of Germany" zweifelsohne talentiert: Background-Sänger, Musical-Darsteller und professionelle Musiker, die noch auf ihren Durchbruch warten. Kurz gesagt: Leute, die wissen, dass sie es drauf haben. Doch Perfektion kann langweilig sein. In der ersten Staffel von TVOG war es noch erfrischend ungewohnt, dass Castingshow-Kandidaten sich nicht völlig auf der Bühne blamieren. Jetzt hat man das Gefühl, das alles schon einmal gesehen zu haben.

Für ein bisschen Salz in der Suppe sorgen am Donnerstag der Bremer Alex, der den Eminem-Song "Lose yourself" mit hysterischen Tanzbewegungen performt, und Phillip. Der hätte auch bei DSDS ins Bild gepasst. Er ist 18, steht auf "abgefahrene Hemden" und ist der siebte Phillip in seiner Familie. Der Erste war sein "Urururopa". Keine ganz so tragische Familien-Historie wie beim durchschnittlichen RTL-Kandidaten, aber immerhin.

Aus Quotensicht kann ProSieben mit dem Start der vierten Staffel allerdings hochzufrieden sein: Bei den Gesamtzuschauern holte sich die Show mit 3,84 Millionen Zuschauern den Tagessieg, und auch der Marktanteil von 22,8 Prozent bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kann sich mehr als sehen lassen. (abi/jwo/cze)