Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Katastrophe. Ein Drama mit Zeitbezug und den Hollywoodstars Oscar Isaac und Christian Bale. Das Thema ist ernst.

Eine Kritik
von Michael Dirk Scholz

Die Geschichte beginnt 1914 in einem kleinen Gebirgsdorf in der südlichen Türkei, das halb türkisch, halb armenisch ist. Michael Boghosian (Oscar Isaac), der jung und ambitioniert ist, will Arzt werden – sein größter Wunsch ist es, an der Kaiserlichen Universität in Konstantinopel Medizin zu studieren.

Da er sich die Studienkosten nicht leisten kann, verlobt er sich mit der jungen Nachbarstochter Miral, um mit der Mitgift sein Studium zu finanzieren.

Normalerweise würde es drei Jahre dauern, um Arzt zu werden, doch Michael verspricht ihr, dass er in zwei Jahren wieder zu Hause sein wird, um sie zu heiraten.

So weit die Ausgangssituation des Historiendramas "The Promise", das der nordirischen Regisseur Terry George mit Starbesetzung verfilmt hat.

Eine Dreiecks-Lovestory zu Kriegszeiten

In Konstantinopel angekommen, beginnt Michael sofort mit seinem Studium. Bald trifft er auf Ana (Charlotte Le Bon), die eine Beziehung mit dem Associated Press Journalisten Chris Myers hat, der von Christian Bale furios gespielt wird.

Ana hat wie Michael armenische Wurzeln – zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine Liebesgeschichte, die Myers nicht entgeht.

Die Dreiecksgeschichte wird aber schon bald von der herannahenden Dunkelheit des Krieges eingeholt. Als das Osmanische Reich an der Seite von Deutschland in den Ersten Weltkrieg eintritt, werden in Konstantinopel die ersten armenischen Intellektuellen deportiert.

Viel Spaß mit dieser Szene aus dem neuen Film mit Daniel Craig!

Es ist der Anfang eines Völkermordes, der am Ende 1,5 Millionen Menschenleben fordern wird.

Drama im Stil von Doktor Schiwago

Der in Belfast geborene Regisseur Terry George erzählt diese fiktive Liebesgeschichte, die in einen geschichtlichen Kontext eingebettet ist, gekonnt und routiniert im Stil des Klassikers "Doktor Schiwago".

George macht bereits seit Mitte der 90er-Jahre Polit-Kino und hat mit "Hotel Ruanda" (2004) bereits einen mehrfach ausgezeichneten Film über den Völkermord an den Tutsi gedreht.

Man merkt jedenfalls, wie wichtig es den Machern war, mit "The Promise" das Thema des Genozids an den Armeniern wieder an das Licht der Weltöffentlichkeit zu zerren.

Das geschieht unter anderem auch mit historischen Originalbildern und Texten, die während des Abspanns zu sehen sind. Es ist klar, hier soll eine politische Botschaft vermittelt werden.

"Als Filmemacher sehe ich es als meine Herausforderung an, Geschichten und Figuren zu erfinden, die es mir erlauben, den Zuschauer mit einem Ereignis zu konfrontieren, über das sie bislang nur wenig wussten", sagt Terry George hierzu.

Sehenswert oder nicht?

Tatsächlich sind der politische Hintergrund des Filmes und die Bezüge zur heutigen Zeit noch am interessantesten. Der Journalist, der als "Spion" verhaftet wird, kommt einem nur allzu bekannt vor.

Die eigentliche Handlung, also die Dreiecksgeschichte zwischen Michael, Ana und Chris, nimmt man eher zur Kenntnis, als dass man davon stark berührt wird.

Das ist schade – immerhin ist "The Promise" einer der wenigen Polit-Filme der letzten Jahre, der überhaupt versucht, das schwierige Thema des Völkermordes an den Armeniern zu verfilmen.

"The Promise – Die Erinnerung bleibt" läuft seit dem 17. August 2017 in den deutschen Kinos.