Sie lieben "Bones" und alle gefühlt 50 Ableger von "CSI", gruseln sich aber auch gerne bei Kostüm-Krimis wie "Ripper Street"? Dann werden Sie sich von Daniel Brühls neuer Serie sicher gerne zum Binge-Watching verführen lassen.

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Eine furchtbare Mordserie erschüttert das New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Kleine Jungen, die aus Armut gezwungen sind, ihre Körper in zwielichtigen Kaschemmen zu verkaufen, werden auf grausame Art ermordet und verstümmelt.

Eine erste Spur führt in die obere Schicht der Gesellschaft. Womit sich recht früh zeigt, dass die Fälle gar nicht gelöst werden sollen, denn die Polizisten sind eher Angestellte der 400 (den Reichen der Stadt) denn des Staates.

So macht sich eine illustre Truppe um den "Seelenarzt" ("Alienist") Laszlo Kreizler (Daniel Brühl) daran, den Mörder zu finden, bevor er wieder zuschlagen kann.

Kreizlers Methoden, sich in den Täter hineinzuversetzen und nach Motivation für die Taten in dessen Vergangenheit zu suchen, ist heute nicht nur Krimi-Fans als "Profiling" bekannt.

Die Anfänge des "Profiling"

Kurz vor der vorvergangenen Jahrhundertwende gilt seine Arbeit jedoch als Affront gegen die Wissenschaft und erzürnt Kollegen und Laien gleichermaßen.

Ihm zur Seite stehen sein Freund John Moore (Luke Evans), ein Illustrator aus gutem Hause, der dem Alkohol zugetan und regelmäßiger Arbeit eher abgeneigt ist.

Die Dritte im Bunde ist Dakota Fanning als Sara Howard, die nicht nur als erste weibliche Angestellte der New Yorker Polizei NYPD, sondern auch sonst ihrer Zeit voraus ist.

Kaum vorstellbar, aber eine in der Öffentlichkeit rauchende Frau galt im Jahr 1896 als anstößig.

Und genau das ist eines der Dinge, die "Die Einkreisung" so sehenswert machen (der unglaublich dämliche deutsche Titel ist es ganz sicher nicht): Ob Polizeiarbeit, Feminismus, Psychologie, Forensik – alles zeigt schon moderne Züge und steckt doch noch im viktorianischen Korsett.

Überzeugende Darstellung bis in kleinste Nebenrollen

Dazu das schier unglaubliche Elend der Einwanderer, der Überfluss der Reichen, die Korruption – wem zuletzt schon Steven Soderberghs Arzt-Serie "The Knick" gefallen hat, wird auch bei "The Alienist" einschalten wollen.

Stimmig ist auch die Chemie zwischen den Figuren. Die Freundschaft von Kreizler und Moore ist nachvollziehbar, trotz und wegen ihrer Unterschiedlichkeit. Der gesamte Cast, bis in die kleinsten Nebenrollen, ist ein echter Glücksgriff.

Ob Polizeichef Theodore Roosevelt (Brian Geraghty), späterer US-Präsident und erklärter Gegner der Korruption im NYPD, oder Bankier J.P. Morgan (Michael Ironside) – zahlreiche historische Figuren und Ereignisse sind wirklichkeitsnah dargestellt und man ertappt sich immer wieder dabei, Fakten und Gesichter auf Wikipedia zu checken.

Daniel Brühl in Hochform

Und wer bisher kein Fan von Daniel Brühl war (wie die Autorin), muss doch zugeben, dass er die Rolle des nerdigen und teils geradezu autistischen Dr. Kreizler perfekt füllt.

Etwa wenn dieser die Zuneigung zu seiner Haushälterin (Q’orianka Kilcher) nicht anders ausdrücken kann, als ihr einen Vortrag über Blutgerinnung zu halten. Oh, wie romantisch!

Doch diese Szene ist nur eine der vielen, in denen eine der Hauptfiguren seine Komfortzone verlassen muss. Auch wenn den Figuren keine wirkliche Tiefe oder charakterliche Entwicklung zugestanden wird – das Ringen mit den inneren Dämonen ist zwar leicht durchschaubar, reicht jedoch, um die Serie eindeutig zu den sehenswerteren des noch jungen Jahres zu machen.

"The Alienist – Die Einkreisung" mit Daniel Brühl, Luke Evans und Dakota Fanning läuft aktuell auf Netflix.
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